Praktiker-Börsengang Geht nicht, gibt's nicht

Steht Deutschlands Wertpapiermarkt noch ein größerer Börsengang bevor? Profis spekulieren, dass die Metro ihre Baumarktkette Praktiker doch an die Börse bringt – obwohl das Emissionsklima nach Meinung vieler Aktienprofis schlechter wird. Jetzt haben Analysten neue Schwächen des möglichen Praktiker-Börsengangs ausgemacht.

Düsseldorf - Die Metro-Baumarktkette Praktiker hat in den ersten neun Monaten ihr Betriebsergebnis deutlich gesteigert. Das betriebliche Ergebnis vor Firmenwertabschreibungen (Ebita) sei im Vergleich zum Vorjahr von 58,0 Millionen Euro auf 82,0 Millionen Euro gestiegen, teilte Metro am Dienstag mit. Der Umsatz des Baumarktes mit dem Werbespruch "Geht nicht, gibt's nicht" habe um 2,4 Prozent auf 2,31 Milliarden Euro zugelegt. Praktiker beschäftigte Ende September 16.200 Menschen in 277 Baumärkten im Inland und in 61 Baumärkten im Ausland.

Der weltweit drittgrößte Einzelhändler Metro  prüft derzeit eine Trennung von seiner Praktiker-Baumarktkette und bereitet sich neben einem Verkauf der Sparte alternativ auf einen Börsengang vor. Metro veröffentlichte dazu zuletzt so genannte Combined Financial Statements für Praktiker, die den Geschäftsverlauf der Baumarktsparte ab dem Jahr 2002 näher beleuchten. Die Metro-Tochter Praktiker wird dabei so behandelt, als wäre sie ein eigenständiges Unternehmen.

Eine Weichenstellung für oder gegen den Praktiker-Börsengang ist am Donnerstag zu erwarten. Dann soll der Metro-Aufsichtsrat in Düsseldorf zusammenkommen und eine Präferenz für eine der diskutierten Optionen aussprechen - nämlich Verkauf, Verbleib im Konzern oder Börsengang.

Zeitungen berichteten zuletzt unter Berufung auf Finanzmarktkreise, dass bereits der Termin für den möglichen Börsengang der Metro-Baumarktkette Praktiker feststehe - sollte sich das Unternehmen am Donnerstag tatsächlich für den Börsengang der Sparte entscheiden.

Metro favorisiere für diesen Fall den 18. November, hat beispielsweise die "Financial Times Deutschland" berichtet. Die Preisspanne für die Aktien solle gegebenenfalls am 7. November veröffentlicht werden, berichten Finanzmarktkreise. Und die Zeichnungsfrist für den Börsengang von Praktiker laufe vom 7. bis 17. November, ergänzte zuletzt die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Analysten bleiben skeptisch

Analysten bleiben skeptisch

Mit einem Emissionsvolumen von schätzungsweise mehr als einer Milliarde Euro würde Praktiker wohl zu den fünf größten Börsengängen des Jahres zählen. Bis Ende Dezember werden sonst nur noch kleinere Emissionen im Wert zwischen zehn Millionen und 150 Millionen Euro erwartet, beispielsweise der Börsengang des Softwarehaus Tecon (Emissionsvolumen: niedriger einstelliger Millionenbetrag) und des Biotechnologieunternehmens Jerini (Emissionsvolumen: 40 Millionen Euro - 60 Millionen Euro).

Entscheidet sich Metro für einen Börsengang der Baumarkttochter, soll die neue Aktiengesellschaft offenbar alle Praktiker-Märkte mit Ausnahme der Filialen in Österreich besitzen. Die Praktiker Immobilien werden der neuen Gesellschaf dagegen wohl nicht zugeschlagen.

Analysten sind von diesem Zuschnitt der möglichen Praktiker-Aktiengesellschaft nicht allzu begeistert. "Ich erwarte nicht, dass die Kapitalmärkte den Börsengang von Praktiker feiern werden, wenn es so läuft, wie es von Metro offenbar bislang geplant ist. Schließlich will Metro weiterhin 25 Prozent an Praktiker halten, und außerdem bliebe die schwächste Landesorganisation bei der Holding, nämlich Praktiker Austria", sagte Christian Bruns von der Privatbank Sal. Oppenheim.

Nach Meinung vieler Aktienprofis wäre der mögliche Praktiker-Börsengang vor einigen Wochen zudem leichter zu bewerkstelligen gewesen als jetzt. Experten der Deutschen Bank beispielsweise hatten bereits vor Wochen deutlich schlechtere Emissionsbedingungen an Deutschlands Aktienmarkt festgestellt, verglichen mit der Mitte des laufenden Jahres.

"Noch in den Sommermonaten lief es auf dem Frankfurter Parkett sehr gut, jetzt ist es schlagartig schwieriger geworden", beschrieb Martin Hörstel die Entwicklung gegenüber manager-magazin.de; er arbeitet als Managing Director Equity Capital Markets bei der Deutschen Bank.