Altana "Aus Sicht des Mehrheitsaktionärs richtig"

Die Aktien des Pharma- und Chemieunternehmens Altana stehen heute im Fokus des Händlerinteresses. Angeblich bietet das Unternehmen sein Medikamentengeschäft zum Kauf an, mehr als die Hälfte des gesamten Konzerns. Die meisten Analysten sind überrascht - und manche halten den Plan für plausibel.

Hamburg - Altana-Anteilsscheine  sind am Dienstag nach einem Pressebericht über einen Verkauf des Pharmageschäfts an die Dax-Spitze geklettert . Die Titel des Pharma- und Spezialchemiekonzerns legten bisher um 2,1 Prozent auf 46,35 Euro zu. Der Leitindex Dax verlor dagegen bisher knapp 0,4 Prozent auf etwa 4960 Punkte.

Altana will sich womöglich für rund sechs Milliarden Euro von seinem Pharmageschäft trennen, berichtet das "Wall Street Journal Europa". Das Blatt beruft sich in seiner heutigen Ausgabe auf "mit dem Vorgang vertraute Kreise". Behalten die Wall-Street-Journal-Autoren Recht, bliebe Altana nach dem Verkauf seiner Pharmasparte nur noch das Chemiegeschäft, das früheren Unternehmensangaben zufolge 2006 an die Börse gebracht werden soll.

Erste Branchenanalysten halten den Komplettverkauf der Sparte durchaus für plausibel. "Das ist möglich", sagte beispielsweise Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Mit der Ankündigung der Konzern-Aufspaltung habe Altana sich bereits für die Möglichkeit von Kooperationen, Partnerschaften und Übernahmen geöffnet. "Hinzu kommt, dass bald das Patent für die Arznei Pantoprazol ausläuft, auch sind die neuen Medikamente noch unsicher", ergänzte er.

Aus Sicht des Landesbank-Experten sei zudem der Zeitpunkt für den angeblichen Verkauf der Altana-Pharmasparte günstig. Noch seien die US-Vertriebsrechte für das Altana-Medikament Daxas noch zu vergeben - aus seiner Sicht ein beträchtlicher Vermögenswert. Interessiert daran war vor einigen Monaten der amerikanische Tablettenkonzern Pfizer . Das Geschäft kam allerdings nicht zustande.

Auch für Peter Spengler, Analyst bei der DZ-Bank, macht der angebliche Verkaufsplan der Altana-Pharmasparte Sinn. "Aus Sicht der Mehrheitsaktionärin Susanne Klatten ist es richtig, sich so zu verhalten. Wer zwei signifikante Beteiligungen an zwei Dax-Konzern besitzt, kann sich guten Gewissens vom wackligen Kandidaten trennen, von Altana", sagt Spengler; Klatten hält 50,1 Prozent an Altana selbst und zusammen mit ihrem Bruder Stefan Quandt und Mutter Johanna 46,6 Prozent an BMW.

Noch aber halten eine ganze Reihe anderer Pharmaexperten den Verkauf der Pharmasparte des Bad Homburger Unternehmens nicht für wahrscheinlich. "Wir glauben nicht, dass Altana den Bereich verkaufen will", sagte Equinet-Analyst Martin Possienke. Der genannte Kaufpreis von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro sei außergewöhnlich hoch. Analysten hatten den Wert der Altana-Sparte zuvor auf rund 4,4 Milliarden Euro geschätzt.

Nach Meinung Possienkes ist derzeit allerdings ein Joint Venture mit einem anderen Pharmaunternehmen denkbar. Doch selbst dies sei wenig wahrscheinlich, solange die Zukunft des Medikaments Daxas noch ungeklärt sei.

Skeptisch sind auch die Analysten der HypoVereinsbank . Ihre Analystin Isabella Zinck hält den Verkauf der Pharmasparte gegenwärtig "nicht für realistisch". Vorstellbar sei die Abgabe einiger Randbereiche wie etwa das Geschäft mit frei verkäuflichen Arzneimitteln oder Diagnostika, nicht aber der Verkauf des gesamten Pharmageschäftes.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.