Fußball Vereine an die Börse

Mit dem runden Leder Geld verdienen: Am Wochenende fällt die Grundsatz-Entscheidung beim DFB über mögliche Börsengänge von Fußball-Proficlubs.

Stuttgart - Sieg oder Niederlage können bald den Wert eines Bundesliga-Vereins bestimmen: Denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will auf seinem Verbandstag in Wiesbaden am Wochenende die Weichen für die Börsenpläne der Proficlubs stellen. Ein Sprecher sagte am Freitag in Frankfurt am Main, dem Gremium liege eine entsprechende Änderung der Statuten vor. Dann erst können sich die Vereine in Kapitalgesellschaften umwandeln und die Grundlage für den Börsengang schaffen.

Doch noch ist unklar, welcher der 18 Bundesligavereine als erster den mutigen Schritt auf das rutschige Parkett wagt, damit die Anleger von Toren, Siegen und Kursgewinnen profitieren können. Freilich rechnen manche Experten damit, daß es schnell gehen könnte: Die DG Bank sieht die Vereine bereits zur Jahrtausendwende auf dem Börsenparkett kicken.

Die meisten Clubs halten sich aber noch bedeckt. So will der FC Bayern München erst die Satzungsänderung abwarten. Beim VfB Stuttgart rechnen die Macher vor Ablauf der nächsten ein bis zwei Jahre nicht mit einem Börsengang. Nach Schätzung des Börsenexperten Rainer Mastenbroek von der DG Bank beträgt der Börsenwert der Lizenzspielerabteilungen der Bundesligavereine zwischen 3,4 und vier Milliarden Mark. Den Emissionswert möglicher Anteilsscheine beziffert der Banker in einer Studie auf knapp zwei Milliarden Mark.

Das Wort Shareholder-Value wird dann sicherlich auch in der Bundesliga die Runde machen. Der Aktionär will eine Steigerung des Firmenwerts sehen. Vielleicht muß sich dann manch einer der Leistungsträger mehr anstrengen als bisher. Doch so richtig wie im harten Wirtschaftsleben soll es unter den Bundesliga-Vereinen nicht zugehen. Nach dem Willen des DFB sind feindliche Übernahmen oder Fusionen strikt tabu: Der Erzrivale Bayern München darf auch zukünftig nicht den schwäbischen VfB Stuttgart aufkaufen.

Nach den Plänen des DFB muß der Stammverein an der Kapitalgesellschaft 51 Prozent der Anteile halten. Auch der Sitz und damit auch der Spielort darf nicht verlegt werden. Es dürfe auch keine Mehrfachbeteiligungen an den Vereinen geben, sagte ein Sprecher.

Viele halten die Bundesliga für ein lohnendes Geschäft. Die 18 Erstligisten haben alleine in der Saison 1996/97 190 Millionen Mark mit Fanartikeln, dem sogenannten Merchandising, umgesetzt. Allein der Verkauf von Kaffeetassen, Schals, Trikots und Bettwäsche habe Bayern 80 Millionen und Dortmund 50 Millionen Mark eingebracht, sagte Mastenbroek. "Da ist für die Vereine noch mehr drin", betonte der Banker. Nach seinen Angaben sind in England über 20 Vereine an der Börse. Für die im Mai abgelaufene Saison rechnet der Fachmann in der Bundesliga erstmals mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Mark. "Aber man muß den Anlegern auch klar machen, daß es ein risikoreiches Investment mit hohen Chancen ist", sagt Mastenbroek. Als mögliche Anleger hat der Banker neben den Fans auch vermögende Privatkunden, Investmentfonds und Versicherungsgesellschaften im Visier. Die besten Voraussetzungen für einen Börsengang hätten Bayern, Dortmund, Bremen, Schalke und Leverkusen.

Doch erst einmal müssen die Bundesliga-Vereine ihre Hausaufgaben machen. Geschäftsberichte existieren nicht. Aktiengesellschaften müssen ihre Ergebnisse aber veröffentlichen. Die heute häufig betriebene Geheimniskrämerei muß dann beendet werden.

Insgeheim träumt sicherlich so mancher Bundesliga-Manager von den neuen Zeiten. Bisher sind die Lizenzabteilungen der Proficlubs in das starre Gerüst des Gesamtvereins eingezwängt. Bayern-München hat beispielsweise Pläne in der Schublade, in eigener Regie ein neues Stadion zu bauen. Das geht sicherlich in der Form einer Kapitalgesellschaft schneller und einfacher als bisher.

Von Oliver Schmale

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.