Montag, 19. August 2019

Goldman-Sachs-Kolumne Der Rohstoffkrise getrotzt

Die Ölpreise erreichen Rekordstände, trotzdem schlägt sich die Weltwirtschaft beachtlich – wohl auch im kommenden Jahr. Einen Verlierer wird die Rohstoffpreisentwicklung dennoch fordern: Es werden Europas Verbraucher sein.

Wo bleibt der Welt-Ölpreisschock? Wären wir vor zwei Jahren von 70-Dollar-Preisen für ein Ölfass (159 Liter) des Nordseeöls Brent im Sommer 2005 ausgegangen, hätten wir der Weltwirtschaft seinerzeit einen trüben Herbst voraussagen müssen: Eine unangenehme Kombination aus hoher Inflation und Miniwachstum zum Ende dieses Jahres. Doch es ist anders gekommen.

Robustes Wirtschaftswachstum: Weltwirtschaft legt trotz hoher Ölpreise weiterhin deutlich zu
DPA
Robustes Wirtschaftswachstum: Weltwirtschaft legt trotz hoher Ölpreise weiterhin deutlich zu
Die Weltwirtschaft kann offenbar auch in diesem Jahr um etwa 4 Prozent zulegen und die Inflation hält sich zugleich in Grenzen - trotz der hohen Ölpreise. Wie hat sich die Weltwirtschaft aber von der Preisentwicklung ihres wichtigsten Rohstoffs abkoppeln können?

Die Gründe für die unerwartete Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft sind zumindest nachträglich klar: Die hohen Ölpreise kamen Schritt für Schritt, viele Unternehmen konnten sich darauf Quartal für Quartal einstellen. Zudem blieb die Inflation wider Erwarten niedrig, weil der weltweite Konkurrenzdruck kaum Preiserhöhungen der Firmen zuließ. Und zugleich blieben die Inflationserwartungen vieler Bürger niedrig; sie vertrauen der Geldpolitik ihrer Notenbanken.

An all dem dürfte sich vorerst auch nichts ändern, deshalb sollte die Weltwirtschaft auch im kommenden Jahr um knapp 4 Prozent zulegen - wenn auch regional unterschiedlich.

Der hohe Ölpreis wird Europa künftig wahrscheinlich schlimmer treffen als Amerikas Wirtschaft. Denn der Ölpreisanstieg trifft Euroland als negativer, angebotsseitiger Schock, die USA dagegen eher als positiver Nachfrageschock. Das Ergebnis liegt nicht unbedingt auf der Hand; denn Europa ist nicht mehr vom Öl abhängig als die USA oder Japan. Woher rühren dann diese Unterschiede?

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