Versorger Merrill Lynch mahnt zur Vorsicht

Aktionäre von Eon und RWE hatten in den vergangenen Monaten viel Spaß - im Gegensatz zu den Verbrauchern, die für Strom und Gas deutlich mehr bezahlen müssen. Die Party im Sektor könne jedoch bald vorbei sein, mahnt die US-Investmentbank Merrill Lynch.

London - Die Analysten von Merrill Lynch haben die Aktien von Eon  von "Buy" auf "Neutral" gesenkt. Der Kurs der Versorger-Aktie sei nahe an das Kursziel von 88 Euro gekommen, so dass das Aufwärtspotenzial bescheiden sei, schrieben die Experten in einer am Donnerstag in London veröffentlichten Studie.

Der Beginn einer neuen, offenbar intensiven Fusions- und Zukaufphase bringe für einige Monate Unsicherheit für die Aktie von Eon, hieß es weiter.

Eon hatte zu Wochenbeginn bekannt gegeben, an einer Übernahme des schottischen Versorgers Scottish Power interessiert zu sein. Strategisch passe Scottish Power "sehr gut" zu Eon, hieß es in der Merrill-Studie dazu. Bei einem Zusammenschluss dürften sich im Vorsteuerbereich Synergien in Höhe von 130 Millionen Pfund realisieren lassen. Laut Berechnung der Merill Lynch-Analysten kann Eon 600 bis 650 Pence pro Scottish Power-Titel bieten, ohne Abstriche bei der Gewinnprognose machen zu müssen.

Allerdings dürfte der deutsche Versorger nicht der einzige Interessent bleiben und weitere Interessenten könnten einen Bieterstreit entfachen.

Gemäß der Einstufung "Neutral/Low and Medium Volatility Risk" geht Merrill Lynch davon aus, dass die Aktie auf Sicht von zwölf Monaten einen Gesamtertrag aus Kursgewinn und Dividende von null bis zehn Prozent abwerfen wird. Dies gilt für Werte, die ein niedrige bis mittlere Kursschwankungsbreite aufweisen.

Bis 11.30 Uhr fiel der Kurs um 0,9 Prozent auf 79,78 Euro. Händler verwiesen vor allem auf Gewinnmitnahmen: "Im Frühjahr stand die Eon-Aktie noch bei 64 Euro, in den letzten fünf Monaten ist sie nun bis auf knapp 80 Euro gestiegen", sagte Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein von HSBC Trinkaus & Burkhardt.