Energiekosten Gaspreis wird rasant steigen

Die Versorger wollen die Preise für Gas Anfang kommenden Jahres um 10 bis 15 Prozent erhöhen, heißt es in einem Pressebericht. Grund für den erneuten Preisschub seien der gestiegene Preis für Rohöl und die Bindung der Gaspreise an den Ölpreis.

Hamburg - Betroffen davon seien rund 20 Millionen Haushalte in Deutschland, berichtet die "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Informationen aus Branchenkreisen. Grund dafür sei der gestiegene Ölpreis und die Bindung der Gaspreise an den Ölpreis. Eine vierköpfige Familie müsse demnach künftig statt 1400 Euro pro Jahr 1540 bis 1610 Euro für eine typische Haushaltsmenge Erdgas bezahlen, hieß es.

Der Herausgeber des Hamburger Fachinformationsdienstes EID, Heino Elfert, bestätigte die Angaben mit den Worten: "Dass wir neue Rekordpreise sehen werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche! Die Versorger haben Nachholbedarf, weil der Heizölpreis im Jahresvergleich um 75 Prozent gestiegen ist."

"Es ist damit zu rechnen, dass auch die Gaspreise weiter steigen werden", bestätigte der Sprecher des Bundesverbands der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft, Marian Rappl, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Alle Unternehmen der Gaswirtschaft hätten es derzeit mit deutlich höheren Beschaffungskosten zu tun, sagte er zur Begründung. Es sei nicht absehbar, dass die Hochpreisphase auf den Energiemärkten ein Ende finden werde. "Seit Anfang des Jahres legt der Ölpreis ununterbrochen zu. Vor diesem Hintergrund steigen auch die Gaspreise", sagte Rappl.

Internationale Branchenvereinbarung

Aus Wettbewerbsgründen orientiert sich der Gaspreis an der Preisentwicklung der wichtigsten Konkurrenzenergie, des Heizöls. Die Ölpreisbindung sollte die Gasbezieher ursprünglich vor der Marktmacht der wenigen Erdgasproduzenten schützen. Die Preisbindung ist aber nicht gesetzlich verankert. Es ist eine seit den 6oer Jahren internationale Branchenvereinbarung.

Weil damals niemand wusste, ob sich Erdgas wegen der enormen Investitionen für den Leitungsbau durchsetzen werde und sich bei einem eventuellen Erfolg die Produzenten - meist selbst Ölförderer - nicht selbst Konkurrenz machen wollten, folgte die Anlehnung der Preisentwicklung für Erdgas an die des Erdöls. Eine Anpassung der Gaspreise erfolgt immer mit halbjährlicher Verzögerung.

Preisbindung in der Kritik

Zuletzt ist die Preisbindung wiederholt parteiübergreifend in die Kritik geraten. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte eine Abkoppelung des Gaspreises vom Ölpreis. Ausdrücklich unterstützte der Partei-Vorsitzende die Initiative von Verbraucherschutzverbänden, die dazu aufriefen, der Gaspreiserhöhung zu widersprechen und die entsprechenden Kostenkalkulationen zu verlangen.

Auch der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) hatte vergangene Woche die Bindung in Frage gestellt. Es erweise sich als nachteilig, wenn die gestiegenen Ölpreise heute den Gaspreis nach oben zögen, obwohl dazu aus Sicht der Verfügbarkeit von Erdgas keinerlei Grund bestehe, sagte Rhiel.

Ölpreis fällt

Der US-Ölpreis ist im asiatischen Handel unter 67 Dollar gefallen. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI lag am Morgen bei 66,54 US-Dollar. Das waren 1,03 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Am Montag fand in New York wegen eines Feiertages in den USA kein Handel statt. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent zeigte sich jedoch kaum verändert. Ein Barrel wurde mit 65 Dollar gehandelt. Dies waren 15 Cent mehr als zum Handelsschluss am Montag.

Die Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), wegen der Folge des Hurrikans "Katrina" Notreserven zur Verfügung zu stellen, laste auf dem Ölpreis, sagten Händler. Dadurch sei sehr viel Spekulation aus dem Markt genommen worden. "Katrina" hatte vergangene Woche die US-Ölindustrie am Golf von Mexiko schwer getroffen. Preisexplosionen am Öl- und Benzinmarkt waren die Folge. Zeitweise kostete ein Barrel mehr als 70 Dollar.