Millionäre Und sie zahlen doch

Steuerschlupflöcher nutzen den Reichen der Republik weniger als viele Bürger glauben. Die meisten Wohlhabenden zahlen offenbar nahezu die Steuersumme, die sie ohne die verbliebenen Schlupflöcher zu zahlen hätten. Finanzminister Hans Eichel hält die Steuerrechnungen des neuen CDU-Finanzexperten Paul Kirchhoff deshalb für falsch.

Berlin - Deutschlands Spitzenverdiener profitieren nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums weit weniger von den Gestaltungsmöglichkeiten im Steuerrecht als vielfach angenommen. Dies geht aus einer Vorlage für Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hervor, berichtet die Tageszeitung "Die Welt".

Danach müssen Steuerpflichtige mit einem Jahreseinkommen von einer Million Euro und mehr im Schnitt mit einem durchschnittlichen Steuersatz in Höhe von rund 41 Prozent leben. Das aber ist kaum weniger als Spitzenverdiener auch zahlen sollen: Ihr Durchschnittssteuersatz liegt aktuell bei 42 Prozent.

Die Summe der zu versteuernden Einkünfte liegt bei Deutschlands Einkommensmillionären also nur geringfügig unterhalb dem Gesamtbetrag ihrer Einkünfte. Die Wohlhabenden der Republik können ihre Steuerzahlungen also nur unwesentlich durch Steuerschlupflöcher drücken.

Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hätten seine Beamten mit der Untersuchung den Vorwurf widerlegt, dass sich Spitzenverdiener in Deutschland besonders hohe Steuersummen sparen könnten. Behalten Eichels Ministerialen Recht, hätten sie ein wichtiges Argument des neu ernannten CDU-Finanzexperten Paul Kirchhof entkräftet.

Er hatte zuletzt behauptet, dass reiche Bundesbürger weiterhin die größten Steuersparmöglichkeiten aller Deutschen hätten. Viele Wohlhabende zahlten deshalb weit weniger Steuern, als sie eigentlich sollten.

Eichel hält dagegen: "So viele Gestaltungsmöglichkeiten, wie Kirchhof behauptet, gibt es gar nicht mehr. Reiche zahlen den Spitzensteuersatz", sagte der Minister der Zeitung. Er bezeichnete die Berufung von Kirchhof ins Wahlteam von Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel als guten Marketing-Trick, auch weil er von der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer abgelenkt habe.