Rente "PEP x RAF x ARW"

Die gesetzliche Rente macht immer wieder Schlagzeilen - oft unerfreuliche. Doch wie wird sie eigentlich berechnet? Den meisten Menschen ist das Prozedere nicht klar. Wir wollen versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.
Von Hartmut Fischer

Die "klassische Rentenformel" lautet "PEP x RAF x ARW = Monatsrente". Dabei stehen die Abkürzungen für Persönliche Entgeltpunkte (PEP), Rentenartfaktor (RAF) und Aktueller Rentenwert (ARW). Was aber bedeuten die einzelnen Begriffe in dieser Formel?

Die persönlichen Entgeltpunkte werden ermittelt, indem das Bruttoarbeitsentgelt eines Arbeitnehmers - maximal bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung - durch den Durchschnittsverdienst aller Versicherten geteilt wird. Dieser Durchschnittsverdienst wird vom Gesetzgeber ermittelt. In diesem Jahr wurde er zunächst auf 29.569 Euro festgelegt. Die Beitragsbemessungsgrenze liegt im Osten der Republik bei 52.800 Euro im Jahr, im Westen bei 62.400 Euro.

Der so ermittelte Wert wird nun weiter verarbeitet. Bestimmte Zeiten, wie zum Beispiel die Kindererziehung, werden als Beitragszeit bei der Berechnung berücksichtigt. Derzeit liegt das Renteneintrittsalter bei 65 Jahren. Allerdings kann man auch früher oder später in Rente gehen. Dies berücksichtigt der so genannte Zugangsfaktor.

Der Zugangsfaktor liegt bei 1,0, wenn man mit Vollendung des 65. Lebensjahres in Rente geht. Geht man früher in Rente, fällt der Wert niedriger aus. Geht man später in den Ruhestand, fällt er höher aus. Die ermittelten Entgeltpunkte werden nun mit dem Zugangsfaktor multipliziert. Diese Zahl stellt die "persönlichen Entgeltpunkte" dar.

Über die gesetzliche Rentenversicherung werden zahlreiche Risiken abgedeckt. Neben dem Altersruhegeld wird beispielsweise Rente für Hinterbliebene bezahlt und auch eine Rente bei Erwerbsminderung gewährt. Das Altersruhegeld stellt hierbei "das Maß aller Dinge" dar und hat den Wert 1,0. Die Werte für die übrigen Renten lauten wie folgt: Volle Erwerbsminderung (1,0); teilweise Erwerbsminderung (0,5); Hinterbliebenenrente (bis zu 0,6).

Die persönlichen Entgeltpunkte werden nun mit dem Rentenfaktor multipliziert.

Die so ermittelte Punktzahl stellt die Basis zur Berechnung der eigentlichen Rente dar. Sie wird jetzt mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Bei diesem Wert handelt es sich um den Betrag, den ein Versicherter nach einem Jahr Durchschnittsverdienst als monatliche Altersrente erhält. Derzeit beträgt dieser Wert im Westen 26,13 und im Osten 22,97 Euro. Der aktuelle Rentenwert wird nach einer äußerst komplizierten Formel berechnet, die im Paragrafen 68 im Sozialgesetzbuch VI (SGB) Absatz IV festgeschrieben ist.

Die Sache mit dem Nachhaltigkeitsfaktor

Die Sache mit dem Nachhaltigkeitsfaktor

Nun hat man aber einen weiteren Faktor in die Berechnung der Rentenversicherung eingeführt: Den so genannten Nachhaltigkeitsfaktor. Um diesen richtig zu erklären, sind einige Hintergrundinformationen notwendig.

Die Rentenversicherung ist kein Sparsystem, bei der jeder Geld einzahlt, dass er im Alter verbrauchen wird. Rentnerinnen und Rentner werden stets von den derzeit Berufstätigen finanziert. Man spricht deshalb vom "Generationenvertrag", weil die Jüngeren die Rente der Älteren finanzieren.

Der Generationenvertrag funktioniert nicht mehr

Dieser Generationenvertrag funktioniert aber nur dann, wenn möglichst viele Beitragszahler für möglichst wenige Rentner aufkommen müssen. Doch in Deutschland werden immer weniger Menschen geboren, zugleich steigt die Lebenserwartung deutlich. Deshalb finanzieren derzeit 100 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer insgesamt rund 45 Rentnerinnen und Rentner. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes ist damit zu rechnen, dass im Jahre 2030 etwa 100 Arbeitskräfte die Rente von 71 Seniorinnen und Senioren finanzieren werden, wobei man aber auch nicht ausschließen kann, dass das Verhältnis dann bereits 1 zu 1 lautet - ein Arbeitnehmer finanziert einen Rentner.

In der Vergangenheit, als der so genannte Generationenvertrag noch funktionierte, wurden die Renten der Entwicklung der Bruttolöhne oder -gehälter angepasst. Seit diesem Jahr wird der Nachhaltigkeitsfaktor in die Formel der Rentenberechnung einbezogen. Dieser Faktor sorgt dafür, dass das Verhältnis zwischen Beitragszahlern (Arbeitnehmern) und Leistungsempfängern (Rentnern) in einem gesunden Verhältnis bleibt.

Die Renten werden langsamer steigen

Die Renten werden langsamer steigen

Dieser Nachhaltigkeitsfaktor ist nicht neu. Unter dem damaligen Arbeitsminister Norbert Blüm führte bereits die Regierung Kohl einen so genannten demographischen Faktor ein, der de facto dem Nachhaltigkeitsfaktor entspricht. Die Regierung Schröder schaffte den Blümschen Demographiefaktor 1998 ab, musste ihn aber in diesem Jahr - wenn auch unter anderem Namen - wieder beleben.

Damit werden die Renten in den nächsten Jahren ganz sicher langsamer steigen. Die Bundesregierung möchte aber sicherstellen, dass das Rentenniveau bis 2020 nicht unter 46 Prozent und bis 2030 nicht unter 43 Prozent des Bruttolohnes eines Durchschnittsarbeiters sinkt.

Kann die Rente sinken?

Schaut man sich die Rentenformel an und berücksichtigt dabei noch den demografischen Faktor so könnte man schnell zu dem Ergebnis kommen, dass die Rentner nicht nur auf Anhebungen ihrer Renten verzichten, sondern darüber hinaus auch noch Rentenkürzungen hinnehmen müssten.

Doch hier können die Betroffenen halbwegs beruhigt werden. Zumindest jetzt gilt der Paragraf 68 im Sozialgesetzbuch VI (SGB). Dort heißt es in Absatz 6:

"Der Faktor für die Veränderung des durchschnittlichen Beitragssatzes in der allgemeinen Rentenversicherung und der Nachhaltigkeitsfaktor sind soweit nicht anzuwenden, als die Wirkung dieser Faktoren in ihrem Zusammenwirken den bisherigen aktuellen Rentenwert verringert oder einen geringer als bisher festzusetzenden aktuellen Rentenwert zusätzlich verringert."

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