Geldanlage Wette auf Schweinebäuche

Viele Anlageprofis sind umgeschwenkt. Statt auf "harte" Rohstoffe wie Kupfer oder Öl setzen sie zusehends auf "soft commodities". Auch deshalb ziehen die Preise für Kaffee, Soja oder Schweinebäuche an. Doch Verbraucher- und Anlegerschützer warnen unbedarfte Anleger.

Frankfurt am Main - Wer an der Börse auf Rohstoffe wie Öl oder Kupfer gesetzt hat, konnte in den vergangenen Monaten kräftig Kasse machen. Jetzt sehen Analysten großer Banken und Investmenthäuser neue goldene Zeiten anbrechen, diesmal für das bislang weniger gefragte Segment der "weichen" Rohstoffe aus der Landwirtschaft.

Anlageprofis sind bereits umgeschwenkt. Seit Wochen wird verstärkt auf Kaffee, Zucker, Soja, Orangensaft oder Schweinebäuche gewettet. Aktionärs- und Verbraucherschützer sind allerdings eher vorsichtig, was die Geldanlage in so genannten "soft commodities" angeht, wie landwirtschaftliche Produkte im Branchenjargon heißen.

Privatanleger ohne intensive Marktkenntnisse sollten die Finger von solchen Spekulationen lassen, so der einhellige Rat. "Das ist ein hochriskantes Geschäft", warnt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Jedem Investor, der auf den Zug aufspringen wolle, solle klar sein: "Da schwimmt man als kleinerer Fisch im Haifischbecken." Die Gefahr, Geld zu verlieren, sei ungeachtet aller Trends recht hoch.

Auch Roland Aulitzky, Börsenspezialist von "Finanztest" in Berlin, ist skeptisch: "Die Preise basieren auf Spekulationen an Terminmärkten, da sind die Mechanismen kaum zu durchschauen." Außer für die eingeschworene Gemeinde von "Durchblickern". Und Peter Grieble, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, meint: "Hände weg, nicht vom Rohstoff-Hype wild machen lassen." Wer habe schon den Überblick über die Preisentwicklung für Orangensaftkonzentrat oder Schweinehälften, Kakao, Lebendrinder oder Baumwolle?

Das Szenario von Analysten und Rohstoff-Experten

Laie hin oder her - viele Analysten und Rohstoff-Experten an den Finanzmärkten sind von folgendem Szenario überzeugt: Der Wirtschaftsboom in Ländern wie China oder Indien führt zu steigendem Wohlstand bei gleichzeitiger Anpassung an westliche Ernährungsgewohnheiten. Das Bevölkerungswachstum in Süd- und Ostasien bleibt weiterhin hoch. Produkte wie Mais, Weizen oder Sojabohnen werden knapp. Der weltweite Fleischkonsum nimmt zu, Asiaten geben Kaffee den Vorzug vor Tee. Die weltweite Nachfrage nach Agrarrohstoffen steigt. Und die Preise steigen mit. Die Gewinne der Anleger auch.

US-Investment-Legende Jim Rogers beispielsweise, der schon zu Zeiten des Internet-Booms Ende der 90er Jahre Rohstoffen eine glänzende Zukunft prophezeite, hält den Markt der "soft commodities" für sehr attraktiv. Und zwar längerfristig, mindestens noch bis 2014 oder gar 2022, wie der Experte in einem Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" erklärt hat.

Preise für Kaffee und Zucker kräftig gestiegen

Preise für Kaffee und Zucker kräftig gestiegen

Auch der Chefanlagestratege für Privatkunden einer großen deutschen Bank zeigte sich vor einiger Zeit optimistisch. Investmentempfehlungen vieler anderer Finanzhäuser folgen seitdem Schlag auf Schlag, Dutzende neuer Anlagemöglichkeiten sind auf dem Markt.

Und die Investoren ziehen mit: An der Stuttgarter Euwax, dem wichtigsten Handelsplatz für Optionsscheine und Zertifikate, wird eifrig auf Soja und Co. gewettet. Der Preis für Kaffee ist spürbar gestiegen, für Zucker wird so viel bezahlt wie seit 2001 nicht mehr. Der so genannte CRB-Rohstoffindex, der die Preise von 17 wichtigen Rohstoffen abbildet, eilt von Hoch zu Hoch.

Abhängig von Dürre und Schädlingen

Dass nach dem "harten" Rohstoffmarkt auch der Agrarsektor längerfristig zum Höhenflug ansetzen könnte, wird auch von den Skeptikern nicht grundsätzlich bezweifelt. "Ein langfristiger Boom ist womöglich drin", meint Aulitzky. "Steigt die weltweite Nachfrage, steigen die Preise", sagt Kurz. Die Risiken seien dennoch zu groß, um unbedarften Anlegern ein solches Spezialinvestment guten Gewissens zu empfehlen. Die Preisentwicklung von Agrarrohstoffen hinge nicht zuletzt auch vom Wetter, von Dürren, Missernten oder Schädlingsbefall ab, warnt Grieble.

Basket-Zertifikate können das Risiko mindern

Wer unbedingt sein Glück mit Weizen oder Mais versuchen will, sollte beachten: Commodities sind keine Anlageform wie beispielsweise Aktien. Investoren können nicht mit Aussicht auf künftige Unternehmensgewinne den Wert der Anlage einschätzen. Die Preise richten sich nach Angebot und Nachfrage an den Terminmärkten.

Konservativeren Anlegern raten Experten gern zu einem breit gestreuten Investment mit Hilfe von so genannten Basket-Zertifikaten, in denen beispielsweise Kaffee, Zucker, Kakao, Weizen und Orangensaft gebündelt werden. Besonders Wagemutige können auch direkt auf einzelne Güter wetten. Insgesamt ein "heißes Eisen", meint Aulitzky. "Das ist wie Lotteriespiel, da könnte man eigentlich auch Fußballwetten machen."

Berrit Gräber (AP)

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