Benzinpreis 1,40 Euro nur eine Zeitfrage

Schon bald könnte der Liter Superbenzin 1,40 Euro oder mehr kosten, warnen Experten. Denn nach ihrer Ansicht wird der Ölpreis in den kommenden Monaten kräftig weiter steigen – auf mehr als 70 Dollar je Barrel. Und darunter leiden nicht nur die Autofahrer, sondern die gesamte Volkswirtschaft.

Frankfurt am Main - "Erst Anfang kommenden Jahres kann man sich wieder Hoffnungen auf sinkende Ölpreise und damit auf billigeres Benzin machen", zitiert die "Bild am Sonntag" den Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank, Michael Heise, der mit einer Verteuerung um bis zu fünf Cent rechnet. Grund sei weiterhin die anhaltend hohe Nachfrage, besonders aus China. Auch die politischen Spannungen des Westens mit dem Iran wirkten sich negativ aus.

Ähnlich äußerte sich dem Blatt zufolge auch die Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert: "Die Benzinpreise werden sich auch in den nächsten Wochen nach oben bewegen. Beim Ölpreis rechnen wir mit einem Anstieg um bis zu 10 Prozent. Der Liter Superbenzin könnte dann mehr als 1,40 Euro kosten." In der vergangenen Woche schlug ein Liter Superbenzin laut ADAC im Schnitt noch mit rund 1,30 Euro zu Buche. An manchen Tankstellen wurden sogar 1,35 Euro verlangt.

Mit einer Entspannung im kommenden Jahr rechnet dem Blatt zufolge auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, nicht. "Nach unserer Prognose wird der Ölpreis weiter steigen von derzeit 63 Dollar pro Barrel auf 74 Dollar bis Mitte nächsten Jahres. Weltweit nimmt die Nachfrage zu, doch in vielen Staaten haben die Ölquellen ihr Fördermaximum bereits erreicht", erklärte Krämer.

Vorwürfen von Vertretern aus CSU und FDP, die erneut die Ökosteuer für die hohen Benzinpreise in Deutschland verantwortlich machten, entgegnete Verbraucherschutzministerin Renate Künast: "Für die erneute enorme Steigerung des Erdölpreises sind alleine die Mineralölkonzerne verantwortlich", sagte die Grünen-Politikerin in einem Interview.

Auch die Volkswirtschaft leidet unter den Lasten der hohen Energiekosten: Wie DER SPIEGEL unter Berufung auf Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Eschborn berichtete, hat Deutschland im ersten Halbjahr 2005 rund 4,2 Milliarden Euro mehr für Rohöl-Einfuhren bezahlen müssen als noch im Vorjahreszeitraum. Kostete der importierte Rohstoff von Januar bis Ende Juni 2004 demnach rund 10,8 Milliarden Euro, waren es in diesem Jahr den Angaben zufolge bereits rund 15 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von fast 40 Prozent.

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