Wochenausblick Fehlende Sprungkraft

An der 5000-Punkte-Hürde dürfte der Dax nach Ansicht von Experten in der kommenden Woche wohl scheitern. Voraussetzung für einen Kursaufschwung sei nämlich eine nachhaltige Entspannung beim Ölpreis. Für Kursbewegungen dürften vorrangig Konjunkturdaten sorgen. Auf der Unternehmensseite bleibt es ruhig.

Frankfurt am Main - Die Hürde von 5000 Punkten wird der Deutsche Aktienindex Dax  nach Ansicht von Experten in der kommenden Woche nicht nehmen. Für einen neuen Anlauf auf die psychologisch wichtige Marke fehle dem Markt die Kraft. Voraussetzung hierfür sei zumindest "eine leichte Verbesserung des allgemeinen Stimmungsbildes oder ein Rückgang des Ölpreis", hieß es von der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Dieser hatte sich in den vergangenen Tagen zwar etwas von seinem Rekordhoch bei 67,10 Dollar je Barrel (159 Liter) entfernt, Experten fürchten jedoch, dass der Preisrückgang nicht nachhaltig sein wird. Die oftmals älteren Raffinerien in den USA laufen bereits seit Monaten an der Grenze ihrer Kapazitäten. Dennoch erwarten Volkswirte der Deutschen Bank weiterhin Engpässe bei der Verarbeitung von Rohöl in den Vereinigten Staaten. Außerdem würden weiterhin geopolitische Risiken den Ölpreis antreiben, insbesondere der Atomstreit zwischen den USA und dem Iran.

Auch die Konjunkturdaten aus Deutschland dürften auf die Stimmung an der Börse drücken. Am Dienstag werden die August-Daten des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) veröffentlicht, am Donnerstag das Ifo-Geschäftsklima. "Die Rahmenbedingungen waren in den vergangenen vier Wochen schlechter als im Vormonat, schreiben die Experten der DekaBank in einem Ausblick auf die kommende Woche. Ein "überschäumender Optimismus ist nicht zu erkennen", hieß es von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Auch Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg zeigt sich pessimistisch und rät Anlegern, erst nach der Bundestagswahl im September wieder einzusteigen. "Die letzten Wahlumfragen deuten darauf hin, dass der von der Börse favorisierte Wahlausgang zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden muss", so Schallenberger. "Obwohl die mittel- bis längerfristigen Perspektiven für Dividendentitel weiterhin sehr attraktiv erscheinen, dürfte das Kurspotenzial damit kurzfristig eher begrenzt sein."

Neues von Lanxess und ProSieben

Neues von Lanxess und ProSieben

Von den großen deutschen Unternehmen sind in der kommenden Woche nur wenige Impulse für den Handel an der Frankfurter Börse zu erwarten. Auf dem Programm stehen allerdings noch einige Nachzügler der Berichtssaison. Am Donnerstag wird beispielsweise der neue Chemiekonzern Lanxess  seine Bilanz veröffentlichen. Dabei wird aber vor allem das mit Spannung erwartete Restrukturierungsprogramm im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Die Börse hat die Aktien des Unternehmens, das sich vom Bayer-Konzern  abgespalten hat, bereits reichlich mit Vorschusslorbeeren bedacht. Auf dem deutschen Heimatmarkt läuft die Sanierung bei Lanxess nach Einschätzung von Experten schneller als gedacht. Für den weiteren Kursverlauf wird viel davon abhängen, wie die Börsianer das Restrukturierungsprogramm für den Gesamtkonzern bewerten.

Am Mittwoch wird der Finanzdienstleister MLP  noch weitere Geschäftszahlen für das zweite Quartal veröffentlichen. Vorab lieferte das Heidelberger Unternehmen bereits einen überraschend hohen Vorsteuergewinn. Im Kerngeschäft, also der Vermittlung von Versicherungs- und Finanzprodukten, sei das Ergebnis aber deutlich gesunken. Das hatten Analysten kritisch aufgenommen.

Und schließlich stehen am Freitag Geschäftszahlen vom größten deutschen Fernsehkonzern ProSiebenSat1  auf dem Programm. Dabei werden nicht nur die Aktionäre die Halbjahresbilanz mit Spannung verfolgen. Auch der Axel Springer-Verlag dürfte als künftiger Eigentümer auf steigende Gewinne hoffen. Experten versprechen sich von den Geschäftszahlen erste Hinweise auf ein mögliches Ende der Werbeflaute im TV-Geschäft.

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