Donnerstag, 20. Juni 2019

Kirchhofs Steuerreformkonzept Legalize it!

8. Teil: Die Vereinfachung hat auch ihren Preis

Die Vereinfachung hat auch ihren Preis

Schließlich gibt es für jeden einen pauschalen Freibetrag von 2000 Euro für Erwerbskosten. Wer solche Kosten tatsächlich nicht hat, hat beim 25 Prozent Steuersatz einen Vorteil von 500 Euro gegenüber dem, der tatsächlich 2000 Euro für Arbeitsmittel ausgegeben hat. Ist das gerecht? Vielleicht nicht so ganz. Aber vielleicht ist es ein vernünftiger Preis für die Vereinfachung.

Komplizierte Steuererklärung: Radikale Vereinfachungen im Steuerrecht haben aber ihren Preis
Ein weiteres Plus: Der 2000-Euro-Freibetrag macht bei den meisten Arbeitnehmern den Einzelkostennachweis überflüssig - samt Belegen und begleitender Zettelwirtschaft, nebst Versuchung zum Schummeln sowie Verwaltungs- und Prüfarbeiten bei den Finanzämtern.

Angreifbar ist auch die Sache mit den Auslandsdividenden für Deutsche. Ein hier Ansässiger soll keine Einkommensteuer auf die Gewinnausschüttungen von einer ausländischen GmbH zahlen. Deren Gewinne sind aber manchmal nur sehr niedrig besteuert, wenn man es dort andersherum macht als bei Kirchhof: Der Gewinn des Unternehmens wird entlastet, weil die Dividende beim Gesellschafter voll der Einkommensteuer unterliegt. Nach Kirchhof würde auch in einem solchen Fall häufig keine Einkommensteuer auf die Dividende beim deutschen Gesellschafter fällig, weil auf die deutsche Besteuerung geguckt wird, bei der der Unternehmensgewinn ja bereits voll besteuert ist. Über die Grenze kommt es mit dieser Regel manchmal zu Verwerfungen.

Muss eine neue Methode der Gewinnermittlung sein?

Ob die Erfindung neuartiger Steuerbilanzen zwecks besserer Erfassung der Unternehmensgewinne weiterführt, kann auch bezweifelt werden. Schon jetzt gibt es diverse unterschiedliche Bilanzierungsstandards, die sich um die zutreffendste Gewinnermittlung rangeln. Ist da wirklich noch eine Methode erforderlich?

Bei vielen Kritikpunkten am Kirchhof-Konzept sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass Alternativlösungen meist zu komplizierteren Regelungen führen. Neue Fragen werden aufgeworfen und Anreize zu kunstvollen Gestaltungen gegeben, um Steuern zu mindern. Letztlich besteht die Gefahr, einen wesentlichen Pluspunkt in Sachen Steuergerechtigkeit schrittweise aufzugeben: die genial einfache Struktur.

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