Montag, 17. Juni 2019

Kirchhofs Steuerreformkonzept Legalize it!

7. Teil: Fragen, die sich stellen

Warum nur 2000 Euro Kindergeld?

Warum gibt es keinen Kinderfreibetrag, sondern nur 2000 Euro Kindergeld pro Jahr? Ein Kind kostet oft deutlich mehr, etwa wenn es studiert. Allein der Bafög-Höchstsatz beträgt 6360 Euro pro Jahr, dazu bekommt der Student noch Kindergeld, wenn er nicht zu lange bummelt.

Arbeitszimmer und PC: Ihre private oder berufliche Nutzung ist stete Quelle für Streit mit dem Finanzamt
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Die Kirchhof-Antwort ist einfach und plausibel: Bei einem Steuersatz von 25 Prozent entsprechen 2000 Euro Kindergeld pro Jahr einem Freibetrag von 8000 Euro. Damit ist der Gleichstellung Genüge getan. Die Sache wird eben nicht über weitere Steuerfreibeträge geregelt, die ausgerechnet Geringverdienern und einkommenslosen Personen nicht zugute kämen, sondern schlank und für jeden gleich über das Kindergeld.

Jeder Steuerabzug eine unerwünschte Extrawurst?

Wieso sollen Kosten, die teils der privaten Nutzung, teils der Erzielung von Einkommen dienen, nicht wenigstens anteilig die Steuer mindern? Es gibt ja schließlich einen Teil, der zur Einkunftserzielung aufgewendet wird? Wer will überhaupt feststellen, ob Ausgaben teilweise private Gründe haben? Gute Fragen, bei denen sich unser Steuersystem schon heute hoffnungslos verheddert und auf die noch kein Steuersystem eine Antwort gefunden hat, die alle befriedigt.

Wenn Kirchhof hier die Steuerabzüge radikal zusammenstreichen will, hat das Charme. Manches, das nervt, wäre vom Tisch. Zum Beispiel die endlose Diskussion um wie, wie viel, wie lange unserer Pendlerpauschale, bei der auch teilweise private Fahrtkosten steuermindernd berücksichtigt werden.

Kirchhof fragt nicht nach dem Wieviel. Er stellt die Frage: Wieso? Kommt die Antwort "Also das ist nicht so ganz einfach zu sagen; hierbei sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen ...", dann will das keiner wissen; also weg damit.

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