Dienstag, 25. Juni 2019

Kirchhofs Steuerreformkonzept Legalize it!

4. Teil: Die Sache mit dem Veräußerungsgewinn

Wie mit Veräußerungsgewinnen und -verlusten umgehen?

Werden Anteile an einer Gesellschaft, also einer "steuerjuristischen Person", verkauft, stellt sich die Frage, wie der Veräußerungsgewinn zu besteuern ist. Kommt beim Verkauf mehr heraus, als früher einmal gezahlt wurde, kann das auch daran liegen, dass die Gesellschaft in ihrem Vermögen noch Gewinne hat, die bereits versteuert sind. Oder für die Anteile wird viel gezahlt, weil zukünftige Gewinne erwartet werden, die - wenn sie denn kommen - noch besteuert werden.

In diesen Fällen bringt eine Steuer auf den Veräußerungsgewinn beim Anteilseigner in der Regel eine doppelte Belastung dieser Gewinne. Und das will man nicht. Andere Wertsteigerungen, bei Unternehmensanteilen, zum Beispiel durch Spekulation, sollen beim Verkauf aber besteuert werden.

90 Prozent des Verkaufspreises steuerfrei

Im Kirchhof-Modell ist deshalb der Veräußerungsgewinn steuerpflichtig, es werden aber mindestens 90 Prozent des Veräußerungspreises als Anschaffungskosten für die Anteile angesetzt. Verkaufe ich meine Siemens-Aktien für 100 Euro, gelten mit dieser Regel immer mindestens 90 Euro als Anschaffungskosten, selbst wenn ich dafür nur 20 Euro bezahlt habe; mein steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn ist maximal 10 Euro. Damit werden höchstens 10 Prozent des erzielten Preises besteuert; bei einem Steuersatz von 25 Prozent ergibt das eine moderate Steuerlast von 2,5 Prozent. Habe ich für meine Siemens-Aktien 120 Euro bezahlt und verkaufe sie für 100 Euro wird der Verlust von 20 Euro bei meiner Einkommensteuer berücksichtigt, ich kann ihn gegen andere steuerpflichtige Einkünfte rechnen.

Die Regelung für Privatpersonen

Privatpersonen können Gewinne und Verluste verschiedener Einkunftsquellen in einem Jahr miteinander ausgleichen. Verdient jemand beispielsweise Geld als Angestellter und hat gleichzeitig Verluste aus einem halb leer stehenden Mietshaus, wird das verrechnet, besteuert wird der Saldo, in diesem Fall vielleicht gar nichts. Verluste einer Gesellschaft, können auf die Beteiligten übertragen und gegen ihre übrigen steuerpflichtigen Einkünfte gerechnet werden, wenn die Gesellschafter persönlich und unbeschränkt für die Schulden der Gesellschaft haften.

Für Aktionäre oder GmbH-Gesellschafter ergeben sich also - wie bisher - keine persönlichen Steuervorteile, wenn die Gesellschaften Verluste machen; in Zukunft soll das auch bei Kommanditisten von KGs gelten. Derzeit können sie Verluste der Gesellschaft gegen ihre persönlichen steuerpflichtigen Einkünfte rechnen, obwohl sie, ähnlich wie GmbH-Gesellschafter, nach Leistung ihrer Einlage nicht mehr für die Schulden der Gesellschaft geradestehen müssen.

Verlustvortrag soll möglich sein

Weitere Kirchhof-Regelungen: Verluste, die im selben Jahr nicht mit steuerpflichtigen Einkünften verrechnet werden, können ohne zeitliche Beschränkung vorgetragen - also mit steuerpflichtigen Einkünften von Folgejahren verrechnet - werden, aber nur zum Ausgleich mit späteren Gewinnen aus "derselben Erwerbsgrundlage", also aus demselben Unternehmen, Mietobjekt oder Ähnlichem. Auch hier gilt für alle Steuerpflichtigen - seien es natürliche Personen oder Gesellschaften welcher Art auch immer - das Gleiche.

Bei Unternehmen könnte das schwierig werden. Müssen wir bei einem Kreuzfahrtschiff zwischen verschiedenen Gewinn- und Verlustbereichen aufteilen - die Bar macht Gewinn, das Casino macht Verlust, seit der neue Croupier dort arbeitet, und an den Maschinenraum mögen wir gar nicht denken - oder ist das alles zusammen "ein Unternehmen" mit einer Erwerbsgrundlage?

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