Sonntag, 16. Juni 2019

Kirchhofs Steuerreformkonzept Legalize it!

3. Teil: Unternehmensbesteuerung - vollkommen neu

Die "steuerjuristische Person"

Völlig neu soll die Unternehmensbesteuerung geregelt werden. Selbstständig tätige Einzelpersonen werden durchweg gleich besteuert, die bisherige Unterscheidung zwischen gewerblich und freiberuflich fällt weg. Betreiben mehrere Leute ein Unternehmen oder eine freiberufliche Praxis gemeinsam, werden solche Gemeinschaften und Gesellschaften als "steuerjuristische Personen" behandelt.

Justus Fischer-Zernin ist Rechts- und Fachanwalt der Sozietät Hanselaw Hammerstein und Partner in Hamburg. Er ist aus diversen Fachveröffentlichungen zum Thema Wirtschaftsrecht und Steuern bekannt
Es fällt also auch die Unterscheidung zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen bei der Steuer weg. Das gilt für die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die häufig von Freiberuflern gewählt wird, genauso wie für OHG, KG, GmbH oder AG. Die Gewinne all dieser Gesellschaften werden einheitlich mit 25 Prozent belastet.

Freibeträge oder niedrigere Eingangssteuersätze soll es für die Gewinne von OHGs, KGs, GmbHs und AGs nicht geben. Die einzelnen Gesellschafter können ihre 8000 Euro Grundfreibetrag und die niedrigeren Steuersätze (15 Prozent und 20 Prozent) auf die ersten 10.000 Euro steuerpflichtige Einkünfte nutzen, indem sie ihren Anteil vom Gewinn bei sich persönlich besteuern lassen - und nicht beim Unternehmen.

Keine Doppelbelastung bei ausgeschütteten Gewinnen

Gute Idee für Firmen mit wenigen Beteiligten; nicht praktikabel bei Gesellschaften mit vielen Anteilseignern und bei unterjährigem Verkauf von Anteilen. Eine börsennotierte Groß-AG wird es kaum hinkriegen, die Wünsche ihrer Aktionäre zu berücksichtigen, ob der auf jeden Einzelnen entfallende Gewinn bei der AG oder bei ihm selbst besteuert werden soll. Den dafür nötigen Verwaltungsaufwand mag man sich gar nicht vorstellen. Siemens-Aktionäre müssen sich also über eine solche Option keine großen Gedanken machen.

Werden die versteuerten Gewinne der Gesellschaften an die Beteiligten ausgezahlt, bleiben diese Dividenden oder Entnahmen bei ihnen steuerfrei. Die steuerliche Doppelbelastung bei ausgeschütteten Gewinnen von GmbHs und AGs entfällt komplett. Besteuert wird nur einmal, und zwar bei der Gesellschaft. Da der Steuersatz bei Menschen aus Fleisch und Blut und solchen Kapitalgesellschaften gleich ist, werden alle Einkünfte auch gleich belastet.

Chapeau!

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