Montag, 19. August 2019

Kirchhofs Steuerreformkonzept Legalize it!

2. Teil: Über Bord damit - aus sieben mach eins!

Auch das Durcheinander unserer sieben Einkunftsarten und die Sonderbehandlung von GmbH- und AG-Gewinnen mit der Körperschaftsteuer stört das Kirchhof-Team - also werfen sie es über Bord. Nach dem neuen Konzept gibt es eine einheitliche Einkommensteuer, die für alle Privatpersonen und alle Unternehmen gilt, also auch für GmbHs und AGs.

2000 Euro pro Kind pro Jahr: Ein neues Kindergeld soll nach den Vorstellungen von Kirchhof den Kinderfreibetrag ersetzen
Jeder Bürger bekommt einen Grundfreibetrag von 8000 Euro. Einen Kinderfreibetrag gibt es nicht mehr, stattdessen 2000 Euro Kindergeld pro Kind pro Jahr. Wenn es ans Verdienen geht, wird jeder Privatperson noch ein Freibetrag, die "Erwerbskostenpauschale", zugestanden: weitere 2000 Euro im Jahr für Kosten, die ihr bei der Erzielung ihrer Einkünfte entstehen. Sind die Kosten höher, können sie gegen Nachweis geltend gemacht werden. Steuerpflichtige Einkünfte sind alles, was auf Grund von Arbeitskraft oder aus "Erwerbsgrundlagen zur Erzielung von Einkünften" erwirtschaftet wird.

Es geht also um Löhne und Gehälter, aber auch um Zinsen, Mieteinnahmen oder Veräußerungsgewinne beim Verkauf von Wertpapieren wie Aktien.

Renten besteuern, Beiträge dafür absetzen

In vollem Umfang besteuert werden auch alle Arten von Alters- oder Erwerbsunfähigkeitsrenten. Im Gegenzug lassen sich Zahlungen für solche Renten, die privat oder vom Arbeitgeber geleistet werden, steuerlich absetzen. Allerdings nur, soweit es sich um eine persönliche Rente handelt, die ab dem 60. Lebensjahr oder bei Erwerbsunfähigkeit zum Zuge kommt. Zahlungen an Lebensversicherungen zur Vermögensbildung werden nicht steuermindernd berücksichtigt. Es muss um Renten gehen, die mit dem Tod erlöschen. Wer fürs Alter oder seine Nachkommen Kapital ansammeln will, muss versteuertes Geld ansparen.

Drei Steuersätze: 15, 20 und 25 Prozent

Kirchhof und sein Team finden unsere Steuersätze zu hoch und mögen die Unterschiede nicht - also fahren sie die Sätze runter und besteuern (fast) alles zum gleichen Tarif. Der Einkommensteuersatz beträgt einheitlich 25 Prozent, wobei von den ersten steuerpflichtigen 5000 Euro Jahreseinkommen nur 60 Prozent herangezogen werden, von den nächsten 5000 Euro dann 80 Prozent. Das ergibt de facto einen Drei-Stufen-Satz: 15 Prozent Einkommensteuer bis 5000 Euro, 20 Prozent von 5000 bis 10.000 Euro und 25 Prozent für alles, was darüber liegt. Höher soll der Steuersatz nicht gehen.

Keine Extrawürste - gleiches Recht für alle!

Kirchhof mag Extrawürste bei Veräußerungsgewinnen und private Steuerabzüge nicht. Also: Gleiches Recht für alle! Weg mit den Abzügen! Voll besteuert werden Gewinne beim Verkauf von Wirtschaftsgütern, wenn sie der Erzielung eines Einkommens dienten. Damit wären auch Veräußerungsgewinne bei vermieteten Immobilien und bei Aktien immer steuerpflichtig.

Alle Aufwendungen, die auch nur zum Teil dem privaten Nutzen dienen, sind nicht abzugsfähig. Kilometerpauschale und häusliches Arbeitszimmer wären damit gestrichen, wohl auch Bewirtungskosten von Unternehmern.

Bei der Ehegattenbesteuerung gibt es keinen Splittingtarif, allerdings können Eheleute die Freibeträge untereinander übertragen. Verdient nur einer der Ehepartner, kann er den Grundfreibetrag von 16.000 Euro und die Erwerbskostenpauschale von 4000 Euro für beide geltend machen. Der Befund bei der Einkommensteuer bis hierhin: wohltuend aufgeräumt mit einfachen und niedrigen Steuersätzen.

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