Rohstoffe Rohölpreis steigt über 66 Dollar je Fass

Der Ölpreis scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen - steil nach oben. Im asiatischen Handel übersprang am Freitagmorgen der Preis für einen Barrel leichten US-Öls deutlich die Marke von 66 Dollar.

New York/Hamburg - Im asiatischen Handel setzte sich am Freitagmorgen eine Preisrallye fort, die schon am Mittwoch zu einem Sprung um 1,83 Dollar pro Barrel (159 Liter) geführt hatte. Zuletzt lagen US-Leichtöl-Kontrakte bei 66,11 Dollar. Innerhalb von drei Wochen hat der Ölpreis damit um 14 Prozent zugelegt.

"Es gibt nicht gerade viele Gründe Öl zu verkaufen, aber umso mehr Gründe gerade jetzt zu kaufen", sagte Rohstoffexperte David Thurtell von der Commonwealth Bank of Australia. Nach Einschätzung von Global Insight-Analyst Simon Wardell ist derzeit die Versorgungslage mit Benzin in den USA der beunruhigendste Faktor am Ölmarkt. Es sehe so aus, als ob die Probleme auf Grund der hohen Auslastung der Raffineriekapazitäten länger anhalten könnten. Es dauere einfach seine Zeit, bis neue Kapazitäten geschaffen würden.

Spekulanten treiben Preis zusätzlich an

Als weiteren Grund für den Preisauftrieb sehen Marktkenner die Tatsache, dass zahlreiche Spekulanten im Ölmarkt aktiv sind, die auf noch höhere Preise warten. Dabei werde übersehen, dass weltweit gesehen grundsätzlich genug Öl für die Kunden vorhanden sei. Vor allem zwei Entwicklungen reizten zur Zeit zum spekulativen Kauf: Die Zuspitzung des Streits um die iranischen Atompläne, nachdem das Land seine umstrittene Atomanlage in Isfahan wieder voll in Betrieb genommen hat. Iran ist ein wichtiger Ölexporteur.

Außerdem wurden die jüngsten Daten aus dem wöchentlichen Lagerbericht der US-Energiebehörde negativ gedeutet: So nahm der Rohölvorrat in den USA innerhalb einer Woche zwar um 2,8 Millionen Barrel zu und liegt damit 10 Prozent über dem Vorjahreswert. Dagegen fiel der Bestand an Benzin auf vier Prozent unter den Vorjahreswert. Zur Zeit läuft in den USA aber die sommerliche so genannte Fahrsaison (Driving Season), in der besonders viel Benzin verbraucht wird.

Die Nachfrage steigt - 70-Dollar-Marke in Sicht

Zur Nervosität des Marktes kommt nach Angaben von Händlern eine trotz rasant gestiegener Preise in den USA und China ungebremste Nachfrage hinzu. "Man hat davon geredet, dass ein Ölpreis um 60 Dollar die Wirtschaft in vielen Ländern der Welt bremst", sagte James Cordier, Präsident der Liberty Trading Group in Tampa. Da US-Notenbankchef Alan Greenspan allerdings den Zustand der Wirtschaft als gut werte und ein weiteres Wachstum voraussage, sei zu erwarten, dass die 70-er Marke getestet werde. Er sei davon überrascht, dass selbst nach den jüngsten Benzinpreiserhöhungen in den USA der Verbrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch um 1,4 Prozent zugenommen habe, betonte Cordier.

Heizöl-Preis in Deutschland steigt

In Deutschland klettert der Heizöl-Preis

In Deutschland war leichtes Heizöl im Juli 41,2 Prozent teurer als vor einem Jahr und verzeichnete damit den höchsten Preisanstieg seit fast fünf Jahren, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Inflationsrate den Angaben zufolge bei 1,3 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Juni 2005 stiegen die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. Kraftstoffe waren um 9,4 Prozent teurer als im Juli 2004, bei Diesel betrug der Anstieg den Angaben zufolge 18,9 Prozent.

Auch im Vergleich zum Juni legten die Preise noch einmal kräftig zu, bei Heizöl um fünf Prozent, bei Kraftstoffen um vier Prozent. Die anderen Haushaltsenergieträger wurden ebenso überdurchschnittlich teurer: Die Strompreise stiegen innerhalb eines Jahres um 4,4 Prozent, die Gaspreise um 9,7 Prozent. Zentralheizung und Fernwärme waren im Juli 2005 sogar 15,8 Prozent teurer als im Juli 2004. Nach Berechnungen des Fachdienstes EID stieg der Heizölpreis auf fast 57 Euro pro 100 Liter, Superbenzin und Diesel lagen unverändert bei 1,28 und 1,12 Euro pro Liter.

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