Commerzbank Das Übernahme-Phantom

Commerzbank-Aktionäre profitieren derzeit von Börsengerüchten wie kaum andere Investoren. Sobald neue Spekulationen aufkommen, das Frankfurter Geldhaus werde übernommen, steigt der Wert ihrer Aktien. Ein Ende ist nicht in Sicht: Noch hat sich kein Aufkäufer zu erkennen gegeben.

Frankfurt am Main - Wird sie jetzt übernommen oder nicht? Die Frankfurter Commerzbank steht wieder inmitten einer riesigen Spekulationsblase um ihre Zukunft. Mehrere Aktienhändler haben übereinstimmend von einer angeblichen Offerte der französischen BNP Paribas  für das Frankfurter Institut berichtet. Die Aktie der Frankfurter Großbank hatte infolge der neuen Übernahmespekulationen in den vergangenen Tagen teils um mehr als 7 Prozent pro Handelstag an Wert zulegen können - und damit den höchsten Stand seit Ende 2001 erreicht.

Doch abermals scheinen sich die Gerüchte in Luft aufzulösen. "Wir haben null Signale, und es gibt auch keine Übernahmegespräche", sagte ein Banker der Commerzbank am Mittwoch zur Nachrichtenagentur Reuters. "Die Aktien steigen wegen eines Gerüchtes, dass BNP 30 Euro für eine Commerzbank-Aktie bietet. Ob das stimmt oder nicht, kann man schwer sagen", sagte ein Börsianer.

Eine Commerzbank-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme gegenüber manager-magazin.de ab: "Marktgerüchte kommentieren wir nicht." Auch BNP Paribas äußerte sich nicht. Bankchef Baudouin Prot hatte größeren grenzüberschreitenden Fusionen jedoch kürzlich eine Absage erteilt. Die größte und rentabelste französische Privatbank, die 1999 entstanden war, wird immer wieder bei Spekulationen über transnationale Übernahmen besonders in Bezug auf Deutschland genannt.

Zuvor hatte die spanische Großbank Santander erneut ihr angebliches Interesse an der Commerzbank verneint. "Wir weisen jegliches Interesse zurück", sagte ein Sprecher. Marktgerüchte, die Spanier wollten entgegen ihrer Beteuerungen das Frankfurter Geldhaus übernehmen, hatten der Commerzbank-Aktie dennoch weitere kräftige Zuwächse beschert.

Den nächsten Schub brachten dann Spekulationen, die Royal Bank of Scotland werde statt dessen für die Commerzbank bieten. So konnte die Aktie der Commerzbank seit Beginn des Jahres um mehr als 60 Prozent zulegen. Mittlerweile kosten Commerzbank-Aktien 21,45 Euro.

Gewinnmitnahmen setzen ein

Gewinnmitnahmen setzen ein

Aktienhändler erklären den heutigen Kursverlust mit Gewinnmitnahmen jener Spekulanten, die an den jüngsten Gerüchten gut verdient hätten.

Die Übernahme der Münchener HypoVereinsbank  durch die italienische UniCredito  Mitte Juni hatten zuletzt die Spekulationen um eine Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes angeheizt.

Sieht man vom Branchenprimus Deutsche Bank  ab, der den meisten Ausländern zu groß und zu teuer sein dürfte, bleibt für ausländische Geldhäuser nur noch die Commerzbank als flächendeckende Einstiegsmöglichkeit in den deutschen Bankenmarkt. Mit einer Börsenkapitalisierung in Höhe von rund zwölf Milliarden Euro ist das viertgrößte Kreditinstitut Deutschlands zudem nach wie vor vergleichsweise günstig zu haben.

Da Sparkassen, Landesbanken und Genossenschaftsbanken hier zu Lande den Großteil des Bankmarktes abdecken, gibt es für Ausländer in der größten Volkswirtschaft Europas tatsächlich kaum Zukaufsmöglichkeiten. Die Postbank  steht schließlich nicht zum Verkauf.

Wegen einer Kapitalverflechtung und mehreren Kooperationsabkommen in Osteuropa war früher stets die Dresdner Bank als Übernahmekandidat ausländischer Großbanken genannt worden.

"Wenn sich BNP entscheidet, in Deutschland mehr zu machen, wäre ein Kauf der Commerzbank natürlich vorstellbar", sagte Olaf Kayser, Bankenanalyst bei Landesbank Rheinland-Pfalz. Der faire Wert der Aktie liege bei 20 Euro. "Bei einer Prämie von etwa 20 Prozent oder etwas mehr käme man auf einen Preis von 24 bis 25 Euro je Aktie", fügte er hinzu.

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