Tui Alles stimmt, nur der Aktienkurs nicht

Tui übertrifft im zweiten Quartal die Erwartungen der Märkte. Der Reisekonzern rechnet mit mehr Buchungen und höheren Preisen bis in den Oktober hinein. Dennoch dreht die Aktie bis Mittag deutlich in die Verlustzone.

Hannover - Europas größter Reisekonzern Tui  hat im zweiten Quartal sein Ergebnis gesteigert und die Erwartungen von Branchenexperten übertroffen. Zugleich bekräftigte Tui, dass in der Kernsparte Touristik das operative Ergebnis 2005 deutlich zulegen werde.

Der um die neue IFRS-Bilanzierung sowie ungewöhnliche Aufwendungen und Erträge bereinigte Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) habe sich im Zeitraum April bis Juni auf 140 (Vorjahr: 112) Millionen Euro erhöht, teilte Tui am Donnerstag in Hannover mit. Der Umsatz betrug 4,7 (4,5) Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Ebta von 123 Millionen Euro und einem Umsatz von 4,6 Milliarden Euro gerechnet. Tui steigerte den Konzerngewinn auf 136,6 (130,5) Millionen Euro.

In der Touristik erhöhte sich der Umsatz um 4,2 Prozent auf 3,49 Milliarden Euro. Das Ebta legte hier um 8,1 Prozent auf 94 Millionen Euro zu. "Wenn die Entwicklung anhält, halten wir für das Geschäftsjahr 2005 einen Anstieg des Touristikergebnisses (Ebta) um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz für möglich", sagte TUI-Chef Michael Frenzel. Bisher hatte er nur allgemein von einem zweistelligen Prozentsatz gesprochen.

Die Buchungszahlen für die Sommersaison 2005 liegen Tui zufolge bisher in allen Ländern über Vorjahr, "zum Teil sogar deutlich." Konzernweit verzeichnete das Unternehmen Ende Juli bei den Buchungen 15,7 Prozent mehr Gäste und 8,2 Prozent mehr Umsatz.

Die Aktie von Tui  hatte am Morgen noch 1,2 Prozent zugelegt, drehte dann aber in die Verlustzone. Gegen 12 Uhr verbuchte die Anteilsscheine einen Abschlag von 1,65 Prozent auf 21,62 Euro. Warum die Aktie zuletzt deutlich nachgab, war zunächst unklar.

Rating liegt noch nicht vor

In einer Analystenkonferenz am Vormittag hatte Finanzvorstand Rainer Feuerhake Erklärt, Europas größter Reisekonzern erwarte das zur Refinanzierung notwendige Rating seiner Bonität rechtzeitig im Oktober. Tui sei sicher, dass das Rating der internationalen Finanzagenturen rechtzeitig vorliege. Ohne eine Einstufung der Finanzkraft mit einem "Investment Grade" müsste Tui ab Oktober möglicherweise höhere Zinsen für Kredite oder Wandelanleihen zahlen.

Feuerhake zeigte sich auch zuversichtlich, dass die Nettoschulden des Reise- und Schifffahrtskonzerns bis Jahresende wie geplant auf zwei Milliarden Euro sinken werden. Zum Ende des ersten Halbjahres bezifferte der Konzern seine Nettoschulden auf 3,0 Milliarden Euro.

Tui erwartet mehr Buchungen und höhere Preise

Tui rechne für die diesjährige Sommersaison mit einem höherem Preisniveau als im Vorjahr, erklärte der Finanzvorstand weiter. Am Markt hätten sich trotz der bestehenden Konsumflaute bessere Preise durchsetzen lassen, sagte Feuerhake. Die Sommersaison von April bis Oktober macht in der Touristik rund zwei Drittel des Jahresgeschäfts aus.

Auch für den Oktober rechne Tui mit starken Buchungszahlen und einer guten Preisqualität. Der Monat Oktober werde im Touristikgeschäft offensichtlich immer wichtiger. Dies werde sich auf das Jahresergebnis zusätzlich positiv auswirken, sagte Feuerhake. Tui hatte am Donnerstag angekündigt, das operative Ergebnis der Touristiksparte werde 2005 um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz steigern. Eine genauere Prognose sei allerdings noch nicht möglich.

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