Steigende Strompreise Eon verdient prächtig

Der größte deutsche Energiekonzern hat im ersten Halbjahr vor allem wegen steigender Strompreise satte Gewinne erzielt. Seine hohen Rücklagen will Eon nutzen, um Pensionsrückstellungen in Höhe von bis zu 5,4 Milliarden Euro zu bilden.

Düsseldorf - Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug 4,297 Milliarden Euro nach 4,022 Milliarden Euro im Vorjahr, wie Eon am Mittwoch im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung in Düsseldorf mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt ein Ebit von 4,36 Milliarden Euro prognostiziert. Den Halbjahresumsatz bezifferte Eon auf 28,41 Milliarden Euro, eine Steigerung um 16 Prozent.

Für das Gesamtjahr erwartet der Energiekonzern erneut ein Rekord-Betriebsergebnis. Eon bekräftigte damit frühere Prognosen. Wegen Buchgewinnen aus Verkäufen von Unternehmensteilen werde auch der Überschuss des Vorjahres deutlich übertroffen. Eon wird durch den Verkauf seiner Messtechniktochter Ruhrgas Industries und der Immobilienfirma Viterra Buchgewinne von rund drei Milliarden Euro verbuchen.

Im ersten Halbjahr betrug der Überschuss 3,026 (2,815) Milliarden Euro. Konzernchef Wulf Bernotat erklärte den Konzernumbau zu einem "lupenreinen Strom- und Gaskonzern" für nahezu abgeschlossen.

Während im kontinentaleuropäischen Stromgeschäft der Betriebsgewinn um 8 Prozent auf 2,38 Milliarden Euro gestiegen sei, habe sich das Gasgeschäft um ebenfalls 8 Prozent auf 803 Millionen Euro vermindert, hieß es weiter. Grund seien die kontinuierlich gestiegenen Heizölpreise: Da die Einkaufspreise für Erdgas dem Heizölpreisniveau deutlich schneller angepasst würden als die Verkaufspreise, sei das Ergebnis deutlich belastet worden.

"Das ist kein redlich verdientes Geld"

Verbraucherschützer haben indes die Energiekonzerne Eon und EnBW wegen ihrer überaus hohen Gewinne scharf kritisiert. "Das ist kein redlich verdientes Geld", sagte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). "Die Konzerne haben es den Kunden unter Missbrauch ihrer Monopolstellung abgenommen", meinte er. Neben Eon hatte auch EnBW am Mittwoch deutliche Steigerungen bei Umsatz und Gewinn bekannt gegeben.

Peters warf den vier großen Stromkonzernen - neben den genannten noch RWE und Vattenfall Europe - vor, dass sie sich die Übertragungsnetze in Deutschland komplett untereinander aufgeteilt hätten. Außerdem stünden sie für mehr als 80 Prozent der gesamten Stromerzeugung. "Wenn die Konzerne kostengerechte Preise verlangen würden, wie es auf echten Wettbewerbsmärkten üblich ist, dann könnten die Stromtarife um 20 bis 30 Prozent sinken", sagte Peters.

Neues Modell der Pensionsfinanzierung

Neues Modell der Pensionsfinanzierung

Eon kündigte außerdem ein neues Modell der Pensionsfinanzierung an. Der Konzern werde seine starke Liquiditäts- und Finanzposition nutzen, um Pensionsrückstellungen von bis zu 5,4 Milliarden Euro über ein so genanntes Contractual Trust Arrangement (CTA) zu finanzieren, hieß es. Durch das neue Modell würden die Finanzierungsmittel zweckgebunden für die Erfüllung der Pensionsverpflichtungen eingesetzt. Eon werde mit der Umsetzung bald beginnen und den Prozess bis 2006 abschließen, teilte Eon weiter mit.

Dem CTA-Modell zufolge überträgt der Arbeitgeber im Zuge eines Verwaltungstreuhandvertrags das zur Deckung der Pensionsverpflichtungen erforderliche Sicherungsvermögen auf ein externes Vehikel (Trust). Dieser Trust hat in der Regel die Rechtsform eines eingetragenen Vereins oder einer Stiftung. "Im Fall der Insolvenz des Arbeitgebers sind die Arbeitnehmer entweder durch die Verpfändung des an den Trust übertragenen Sicherungsvermögens oder durch eine weitere Sicherungstreuhandvereinbarung geschützt", heißt es in einem Fachbeitrag der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young für das Magazin "dpn" (Deutsche Pensions & Investmentnachrichten) vom März dieses Jahres.

Die Bilanz wird entlastet

Nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) entfallen in Deutschland von den Deckungsmitteln für betriebliche Altersvorsorge knapp zwei Drittel auf die direkte Pensionszusage. Diese Zusagen werden in den Abschlüssen der Unternehmen über Pensionsrückstellungen abgebildet und wirken sich damit unmittelbar auf die Bilanz aus. Aufgrund ihres Fremdkapitalcharakters verschlechtern sie wesentliche Unternehmenskennzahlen, womit sich zum Beispiel die Kreditaufnahme eines Unternehmens verschlechtern kann.

Diese Praxis sei im internationalen Vergleich unüblich. Verständlicherweise bemühten sich deshalb insbesondere im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen darum, die aus Pensionsverpflichtungen resultierenden Pensionsrückstellungen aus der Bilanz auszulagern. Zumeist verfolgen sie damit eine Verbesserung ihrer Bilanzkennzahlen oder ihres Ratings.

Ein weiteres Motiv sei die Sicherstellung eines professionellen Kapitalanlagemanagements für das Versorgungsvermögen, um die Altersversorgungssysteme kalkulierbar zu machen und vor allem die Liquidität für Pensionszahlungen zu garantieren, schreiben die Experten von Ernst & Young.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.