Springer-Deal "Freie Aktionäre veralbert"

Der Verkauf von ProSiebenSat1 an Axel Springer bringt Haim Sabans Investorengruppe knapp 1,6 Milliarden Euro Gewinn ein. Analysten halten den von Springer gezahlten Kaufpreis für zu hoch - gleichzeitig sei das Angebot an die freien Vorzugsaktionäre zu niedrig.

Frankfurt am Main - Die ProSiebenSat.1 Media AG soll mittelfristig auf die Axel Springer AG verschmolzen werden, teilte Axel Springer am Freitag mit. Mit dem Deal gewinnt Europas größter Zeitungsverlag, zu dem Zeitungen wie "Bild" und "Welt" gehören, die Kontrolle über Fernsehsender wie ProSieben, Sat.1 und den Nachrichtenkanal N24.

Damit entsteht der zweitgrößte Medienkonzern nach Bertelsmann - die deutsche Medienlandschaft steht vor einem Umbruch. Die Kartellbehörden müssen allerdings noch zustimmen.

Springer zahlt in einem ersten Schritt 2,5 Milliarden Euro und damit 23,12 Euro pro Stammaktie an die US-Investorengruppe um Haim Saban, den Großteil davon in bar. Der Gewinn von Sabans Investorengruppe, die vor zwei Jahren rund 900 Millionen Euro für ProSiebenSat1 bezahlt hatte, beträgt damit knapp 1,6 Milliarden Euro.

Analyst Peter-Thilo Hasler von der HVB bezeichnete den Übernahmepreis als "definitiv zu hoch" bezogen auf die erwarteten Gewinne. Durch die Übernahme dürften Spekulationen über einen möglichen Einstieg von ProSieben ins Bezahlfernsehen nun aber erledigt sein.

Angebot an freie Vorzugsaktionäre

Durch den Deal steigert Springer seinen Anteil der stimmberechtigten Stammaktien von bisher 12 auf 100 Prozent. Zusätzlich hält Springer nun 25 Prozent der stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

Für die übrigen, im MDax notierten Vorzugsaktien von ProSiebenSat1  werde es in einem zweiten Schritt ein Barangebot geben, das nach vorläufiger Berechnung bei 14,10 Euro liege. Sollten die freien Aktionäre das Barangebot nicht annehmen, sollen sie später Anteile am fusionierten Unternehmen erhalten. Der Streubesitz der Axel Springer AG liegt derzeit bei knapp zwölf Prozent.

"Freie Aktionäre werde veralbert"

Aktionärsschützer kritisierten das Angebot als viel zu niedrig, da Springer für die Stammaktien mehr als 23 Euro an die Gruppe um Haim Saban bezahle.

Ein Händler sagte mit Blick auf die Offerte: "An der Börse werden ja nur die Vorzugsaktien gehandelt, für die ist das Angebot von 14,10 Euro aber eigentlich eine Frechheit". Wieder einmal würden die Kleinaktionäre "veralbert". Dennoch rechne er damit, dass die Aktie im Tagesverlauf deutlich über dem Übernahmeangebot gehandelt werde. Andere Börsianer erwarten, dass Springer das Angebot nachbessern werde.

Ein anderer Marktteilnehmer sagte, aus bewertungstechnischer Sicht gebe es keine Begründung für die derart große Differenz zwischen Stämmen und Vorzügen. Er erwarte Anfechtungsklagen der Vorzugsaktionäre.

Notierung im MDax möglich

Notierung im MDax möglich

Offen ist nun, ob das neue Unternehmen Springer/Pro7Sat1 ebenfalls eine Notierung im MDax anstrebt. "Von der Größe her dürfte das kein Problem sein. Es hängt vor allem vom Streubesitz des fusionierten Unternehmens sowie dem Umsatz der Aktie ab", sagte Christian Stocker, Analyst der HypoVereinsbank. Falls Springer in den MDax  wolle, könne das Unternehmen auch die direkte Nachfolge von ProSiebenSat1  antreten.

Im MDax  werden lediglich die stimmrechtslosen Vorzugsaktien von ProSiebenSat1  geführt. Derzeit befinden sich noch 75 Prozent der ProSiebenSat.1-Vorzugsaktien im Streubesitz. Mit einer Marktkapitalisierung der im Streubesitz befindlichen Aktien von etwas mehr als 1,2 Milliarden Euro Ende Juli lag ProSiebenSat.1 auf Rang 20 der Unternehmen im MDax.

Sollte Springer keine Notierung im MDax  anstreben oder der Streubesitz der neuen Gruppe zu gering sein, wäre auf Basis der aktuellen Rangliste MTU  der Favorit auf die MDAX-Nachfolge von ProSiebenSat1 . Als weitere Kandidaten würden Fuchs , Indus Holding und EM.TV  derzeit die Aufnahmekriterien für eine MDAX-Notierung erfüllen.

Kapitalerhöhung geplant - Saban bleibt im Boot

Friede Springer behält Mehrheit

Friede Springer wird auch nach der geplanten Verschmelzung der Axel Springer AG mit dem Münchner TV-Konzern ProSiebenSat1 in dem neuen Medienkonzern den Ton angeben.

Die Verlegerwitwe werde nach Abschluss der Transaktion und einer möglichen Kapitalerhöhung weiterhin die Mehrheit der Stimmrechte an dem zusammengeführten Unternehmen halten, teilte Axel Springer am Freitag in Berlin mit.

Kapitalerhöhung geplant - Saban erhält Aktien

Nach Abschluss des Übernahmeangebots will sich Springer über die Ausgabe neuer Vorzugsaktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung frisches Geld beschaffen. Zur Höhe der geplanten Kapitalerhöhung machte Springer keine Angaben. Den Deal begleiten die Deutsche Bank, Shearman & Sterling sowie Goldman Sachs. Um die Finanzierung kümmern sich die Deutsche Bank und Credit Suisse First Boston.

Die ProSiebenSat1 Holding unter der Führung Sabans wird für einen kleinen Anteil des Kaufpreises (etwa 75 Millionen Euro) kein Bargeld, sondern 820.000 eigene Aktien der Axel Springer AG bekommen. Dies entspricht rund 2,41 Prozent des Grundkapitals. Saban, bisher Ton angebend bei ProSiebenSat.1, bleibt nach Abschluss der Transaktion im Boot. Er werde Vorsitzender des TV-Beirats und bleibe außerdem Aktionär des fusionierten Medienkonzerns, hieß es.

Erster Versuch von Springer scheiterte

Erster Übernahmeversuch scheiterte

Die Wurzeln von ProSiebenSat.1 reichen bis ins Jahr 1984 zurück, als Sat.1 als erster deutscher Privatsender an den Start ging. ProSieben, das später den Kern des Konzerns bildete, folgte fünf Jahre später. Im Juli 1997 brachte Sender-Chef Georg Kofler die ProSieben Media AG erfolgreich an die Börse.

Die Übernahme von Sat.1, das ebenfalls zur KirchGruppe gehörte, war im Jahr 2000 zwar ein logischer Schritt. Die Integration des verlustreichen Senders gestaltete sich allerdings schwierig. Später wollte Leo Kirch seine KirchMedia mit ProSiebenSat.1 zu einem integrierten Medienkonzern verschmelzen. Der Plan scheiterte aber.

Nach Kirch-Pleite: Saban sticht Springer aus

Nach der Pleite von Leo Kirchs Medienimperium 2002 hatte Springer gemeinsam mit dem Heinrich-Bauer-Verlag ProSiebensat.1 kaufen wollen, war aber von dem US-Investor Haim Saban übertrumpft worden und behielt nur seine Zwölf-Prozent-Beteiligung an der Sendergruppe. Im Sommer 2003 schlugen Saban und eine Gruppe von Finanzinvestoren zu. Durch den Weiterverkauf an Springer können sie ihren Einsatz nun vervielfachen.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich ProSiebenSat.1 unter den neuen Besitzern und der Führung von Guillaume de Posch in einem schwierigen Umfeld aber gut entwickelt. Im vergangenen Jahr verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern (EBT) von 57 auf 217,5 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte der Konzern um 1,5 Prozent auf gut 1,8 Milliarden Euro. Alle Sender der Gruppe schrieben schwarze Zahlen. Zu ProSiebenSat.1 gehören neben den beiden Kernsendern auch Kabel 1 und der Nachrichtenkanal N24. Der Konzern hat 2700 Mitarbeiter.