Dienstag, 18. Februar 2020

DaimlerChrysler Die Deutsche Bank macht Kasse

Perfektes Timing. Die Deutsche Bank hat kurz nach dem angekündigten Rücktritt von Jürgen Schrempp 35 Millionen Aktien von DaimlerChrysler verkauft. Die Transaktion spülte mehr als 1,3 Milliarden Euro in die Kassen des Großaktionärs.

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen hat am Donnerstag die Gunst der Stunde genutzt und ihren Anteil an dem Autobauer DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen deutlich reduziert. "Wir bestätigen, dass wir zur Zeit 35 Millionen Aktien von DaimlerChrysler aus dem Bestand unserer Tochtergesellschaft DB Value bei institutionellen Investoren platzieren", erklärte ein Sprecher der Bank auf Anfrage von manager-magazin.de am Donnerstagnachmittag.

Milliardenerlös: Die Deutsche Bank verkaufte am Donnerstag 35 Millionen Aktien von DaimlerChrysler
Damit sinke der Anteil der Bank an DaimlerChrysler von 10,4 auf 6,9 Prozent. Ob sich die Deutsche Bank mittelfristig auch von diesem Anteil trennen werde, wollte der Sprecher nicht kommentieren. Mit dem Verkauf der Aktien habe die Bank mehr als 1,3 Milliarden Euro erlöst. DaimlerChrysler hat insgesamt 1,028 Milliarden Aktien.

Nach dem überraschenden Rücktritt von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp am Vormittag hatte die Aktie Börsen-Chart zeigen des Konzerns gut 10 Prozent auf mehr als 40 Euro zugelegt. Analysten sagten, dies sei auch für die Deutsche Bank als Anteilseigner eine entscheidende Kursmarke. Bei einem deutlich darunter liegenden Kurs wäre die Bank nur mit einem Verlust aus ihrem Investment herausgekommen.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten hatte die Bank am Morgen noch erklärt, sie hätte es mit einem Verkauf ihres DaimlerChrysler-Anteils nicht eilig.

Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sieht dies allerdings anders. Im Interview mit manager-magazin.de erklärte der Analyst, die Deutsche Bank habe "den starken Willen, ihren Anteil an DaimlerChrysler noch in diesem Jahr zu verkaufen, weil sie später womöglich Steuern in Milliardenhöhe auf den Veräußerungsgewinn zahlen muss."

Seiner Einschätzung nach habe sich das Klima zwischen der Bank und Vorstandschef Jürgen Schrempp in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Zeitpunkt und Begleiterscheinungen seines Abgangs sowie die drohende Besteuerung von Veräußerungsgewinnen in naher Zukunft sprächen dafür, dass die Deutsche Bank erheblichen Druck auf den Autobauer ausgeübt und den Rücktritt Schrempps mit herbeigeführt habe. "Ich glaube nicht, dass der Rücktritt ganz aus freien Stücken erfolgte", sagte Pieper.

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