Thilenius-Kolumne Echt Volkswagen

Der Autobauer Volkswagen wird erneut von einer Affäre erschüttert. Die angeblichen Schmiergeldzahlungen kratzen am Image des Konzerns. Doch wenn VW den Anlass nutzt, intern aufzuräumen, könnte das der Auftakt für einen ansehnlichen Kursanstieg der VW-Aktie sein.

"Der neue Fox. Echt Volkswagen" lautet die Werbebotschaft. Vom Plakat herab blickt ein fröhliches gelbes Auto, etwa wie ein Bikinimädchen auf Rädern. Das neue kleine Modell scheint sehr gut gelungen zu sein, ein richtiges Auto, das in die Zeit passt, ohne teuren Schnickschnack, der die modernen Autos nur schwerer und durstiger macht.

Der Golf I vor 30 Jahren war ganz wesentlich deshalb so erfolgreich, weil er nur 750 Kilo wog und mit einem kleinen Motor schön flink und sparsam unterwegs war. Der Fox scheint daran anknüpfen zu wollen und das dürfte ihm gelingen.

Wenn nur der Preis nicht so hoch wäre, obwohl der kleine doch schon in Brasilien zu niedrigeren Kosten als hierzulande gebaut wird. Um den Fox gegen den Renault Logan und andere Konkurrenten durchzusetzen, wird der Preis sinken müssen.

Warum der Fox angeblich so viel teurer sein muss als die Konkurrenz, wurde immer mit den hohen Kosten und den Qualitätsansprüchen erklärt. Jetzt scheint sich zu offenbaren, dass noch etwas anderes dahinter stecken könnte. Einige Betriebsräte und wohl auch andere Mitarbeiter sollen in - kostspielige - Schmiergeld- und Rotlichtskandale verwickelt sein. Der Staatsanwalt ermittelt, das Image des Konzerns leidet.

Nun ist damit zu rechnen, dass mit eisernem Besen ausgekehrt wird, nicht nur um die Reputation des Unternehmens und der Mitarbeiter zu stärken, sondern wohl auch um die Kosten auf das Niveau der Konkurrenz zu senken.

Der Aktie kann das Saubermachen nur nützen. Der Markt hat schon etwas gerochen und der Kurs zieht an. Seit Frühjahr 2003 besteht ein Aufwärtstrend, der sich seit einigen Wochen kräftig beschleunigt hat. Beim aktuellen Kurs von 40 Euro liegt allerdings massiver Widerstand. Dort läuft der langfristige Abwärtstrend aus dem Jahr 1998. Sobald diese Linie überwunden ist, ist der Weg nach oben offen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2006 ist mit 13 zwar nicht niedrig, aber angemessen. Entschlossenes Aufräumen können die Basis für eine kräftige Gewinnerhöhung im nächsten Jahr bilden. Das Kursziel ist dann 45 Euro.