Börsenschluss Dax hält sich über 4700

Im zweiten Anlauf hat sich der Deutsche Aktienindex über der Marke von 4700 Punkten halten können. Er ging mit dem höchsten Schlusstand seit drei Jahren ins Wochenende. Nach dem positiven Ausblick von General Electric waren vor allem Siemens-Aktien gefragt.

Frankfurt am Main - Der Deutsche Aktienindex (Dax)  ist zum Wochenausklang über die Marke von 4700 Punkten gestiegen. Bis zum Handelsschluss legte das wichtigste deutsche Börsenbarometer um 0,3 Prozent auf 4713 Punkte zu. Am Vortag hatte der Dax die Marke schon einmal geknackt, war aber bis Handelsschluss wieder zurückgefallen. Der MDax  machte 0,4 Prozent auf 6538 Punkte gut. Der TecDax  verbesserte sich um 0,2 Prozent auf 585 Zähler.

Die Commerzbank erklärte in ihrem Wochenrückblick, nach der besonnenen Reaktion auf die Terroranschläge in London vor gut einer Woche "haben die europäischen Aktienmärkte überraschend schnell wieder Fahrt aufgenommen und neue Dreijahreshochs erklommen". Der DAX habe nun seit Jahresbeginn bereits um über 18 Prozent zugelegt.

Besonders das Thema "Wahlen" scheine die Märkte derzeit zu beflügeln. In Amerika sei der zeitweise wieder nachgebende Ölpreis wichtigster Stimmungsmacher gewesen. Auch die inzwischen angelaufene Berichtssaison amerikanischer Unternehmen habe bislang angenehm überrascht, vor allem im Bereich der Technologietitel. Die weitere Entwicklung werde in erster Linie von den vorgelegten Unternehmenszahlen sowie vom Ölpreis abhängen, sagten die Experten voraus.

Das Bild an den US-Börsen war am letzten Handelstag der Woche von leichten Kursverlusten geprägt. "Die Märkte sind zuletzt weit vorgelaufen, jetzt werden hier und dort Gewinne mitgenommen", sagte ein Händler. Auch eine wahre Flut von Konjunkturdaten konnte die Investoren nicht zu neuen Käufen animieren. Zum Börsenschluss in Deutschland lag der Dow Jones  mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 10.618 Punkten. Der Nasdaq Composite  gab um 0,2 Prozent auf 2149 Zähler nach.

US-Konjunkturdaten stärken den Dollar

US-Konjunkturdaten stärken den Dollar

Der Euro tendierte schwächer. Die Gemeinschaftswährung kostete am Devisenmarkt am Abend 1,2038 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Mittag einen Referenzkurs von 1,2073 Dollar nach 1,2067 Dollar am Donnerstag festgestellt. "Die Konjunktur in den USA läuft gut", sagte Volkswirt Michael Schubert von der Commerzbank. "Dort sind gute Erträge zu erzielen." Dies habe den Dollar gestützt und den Euro belastet.

Die amerikanische Industrieproduktion legte im Juni um 0,9 Prozent und damit mehr als doppelt so stark wie von Experten erwartet zu. Das von der Universität Michigan ermittelte Konsumklima - ein Stimmungsbarometer für das Kaufverhalten der US-Verbraucher - stieg im Juli auf 96,0 Punkte. Beobachter hatten einen Rückgang vorausgesagt. Gleichzeitig stagnierten die Erzeugerpreise im Juni - ein Zeichen für eine niedrige Inflation.

"Wir sehen eine günstige Entwicklung in den USA: Die Wirtschaft läuft sehr gut, und für die Notenbank besteht wegen günstiger Inflationsdaten kein Zwang, die Zinsen deutlich anzuheben und damit möglicherweise die Konjunktur abzubremsen", sagte Schubert. Diese Konstellation mache Investitionen in den USA und in den Dollar attraktiv.

In Japan zeigte sich die Börse nahezu unverändert, der Nikkei-Index  legte bis Handelsschluss um 0,04 Prozent auf 11.759 Punkte zu.

Im Dax waren Siemens-Aktien  gefragt, die sich um 1,3 Prozent auf 63,88 Euro verbesserten. "Der optimistische Ausblick von General Electric hat einige Anleger zum Kauf von Siemens-Aktien veranlasst", sagte ein Händler. Der US-Mischkonzern hatte das untere Ende seiner prognostizierten Gewinnspanne für 2005 um zwei US-Cent angehoben und rechnet nun mit einem Überschuss von 1,80 bis 1,83 Dollar je Aktie. "Außerdem hat die Siemens-Aktie den jüngsten Kursanstieg des Dax nicht voll mitgemacht und holt dies nun nach", fügte ein anderer Börsianer hinzu.

Gefragt waren auch die Aktien der Deutschen Börse , die sich zeitweise um 1,5 Prozent auf 69,67 Euro verteuerten. "Die Anleger setzen darauf, dass bei der Eurex US etwas passiert und sie ihr weitgehend erfolgloses Engagement in den USA eindampfen", sagte ein Händler. Einem Zeitungsbericht zufolge drängen die Anteilseigner der gemeinsam von der Deutschen Börse und der Schweizer Börse SWX betriebenen Eurex offenbar auf einen Rückzug aus dem bislang wenig erfolgreichen Engagement der Tochter Eurex US.

Karstadt: "Licht am Ende des Tunnels"

Karstadt: "Licht am Ende des Tunnels"

Die Aktien von KarstadtQuelle  glichen einen Teil ihrer Vortagesverluste wieder aus und beendeten den Handel mit einem Plus von 0,8 Prozent auf 11,29 Euro. Mehrere Börsianer sprachen von einer technischen Reaktion. Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz sagte außerdem, es gebe "Licht am Ende des Tunnels". Am Vortag hatte der Warenhauskonzern seine Prognose für 2005 gesenkt und damit für ein deutliches Kursminus gesorgt.

Gesucht waren auch Autowerte. Volkswagen  legten 0,9 Prozent auf 40,60 Euro zu; DaimlerChrysler  stiegen um 0,7 Prozent auf 34,88 Euro. Tagesverlierer waren mit Abgaben von jeweils knapp einem Prozent Tui  und Metro .

In der zweiten Reihe gaben Südzucker  nach leicht unter den Erwartungen liegenden Zahlen 1,5 Prozent auf 17,19 Euro ab. Zwar habe der Zuckerbereich einen Anstieg um 14,3 Prozent auf 96 Millionen Euro erzielt, allerdings hätten die Spezialitäten im ersten Quartal "geschwächelt", sagten Händler.

WCM-Aktien  schlossen 7 Prozent im Plus bei 0,46 Euro. Die niederländische Firma Rebon hatte WCM im Zusammenhang mit der Insolvenz der Holding Sirius, an der Rebon und WCM beteiligt waren, auf 80 Millionen Euro verklagt. Im Rahmen der Insolvenz waren Aktien der Immobiliengesellschaft IVG, deren Merheitseigner Sirius war, verkauft worden. Einem WCM-Sprecher zufolge ist Rebon der Auffassung, die Papiere seien zu einem viel zu niedrigen Preis abgegeben worden.

Als positiv bewerteten Analysten den Kauf aller Rechte an dem Wirkstoff Rotigotine durch Schwarz Pharma . Mit der einmaligen Zahlung von 58 Millionen Euro spare Schwarz Pharma sowohl die Meilenstein- wie auch künftigen Lizenzzahlungen für das Parkinson-Medikament. Die Aktie legte um 1,6 Prozent auf 39,23 Euro zu.

Im TecDax  waren wie die Aktien von Epcos  der meistgesuchte Wert. Er verteuerte sich um 3,0 Prozent auf 11,61 Euro. Dagegen verlor der Kurs des Solaranlagenherstellers Conergy  weitere 3,5 Prozent auf 81,50 Euro.

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