EZB Zwischen dahindümpeln und verbessern

Europas Währungshüter bleiben ihrer Linie treu. Zinssenkungen wird es so schnell nicht geben – auch wenn das Wirtschaftswachstum schwach bleibe. Immerhin: Zumindest die Gefahr einer Deflationsphase für Europa sei fast gebannt.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält weiter an ihrer abwartenden Geldpolitik fest. Der geldpolitische Kurs sei vor dem Hintergrund der aktuellen Aussichten für die mittelfristige Preisstabilität angemessen. Daher sei das Leitzinsniveau mit 2,00 Prozent in der vergangenen Woche unverändert belassen worden.

Dass Europas Inflationsrate noch unter die Zweiprozentmarke rutschen werde und sich die Eurostaaten weiter und weiter in Richtung Deflation bewegen könnten, hält Issing aber nicht für wahrscheinlich. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Inflationsrate in der Eurozone im laufenden Jahr unter zwei Prozent sinkt. Aber mit jedem Monat wird es unwahrscheinlicher", sagte er.

Europas Zentralbanker wiederholten heute erneut ihre Einschätzung, dass die geringen Zinsen die Konjunktur stützen sollten. Die aktuellen Konjunkturindikatoren deuteten aber auf ein nur gedämpftes Wachstum im Euroraum. Vor allem die hohen Ölpreise schienen sich negativ ausgewirkt zu haben, aber auch das geringe Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung im Eurogebiet und den weltwirtschaftlichen Ungleichgewichten hätten eine Rolle gespielt. Europas Wirtschaftswachstum dürfte deshalb im zweiten Quartal dieses Jahres niedriger ausfallen als im ersten Quartal. Damals hatte das Wachstum noch bei 0,5 Prozent gelegen.

Die Untergrenze rückt näher

"Die wirtschaftliche Entwicklung ist in der Schwebe zwischen dahindümpeln und sich verbessern", sagte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) Otmar Issing. Es bestehe aber Grund zu der Annahme, dass sich die Konjunktur im gemeinsamen Währungsgebiet allmählich beleben werde.

"Ohne die entschlossenere Umsetzung der Strukturreformen wird es allerdings schwierig, einem demographisch bedingt noch niedrigeren trendmäßigen Potenzialwachstum im Euro-Währungsgebiet entgegenzuwirken", sagte Issing. Strukturreformen an den Arbeits- und Gütermärkten könnten vor diesem Hintergrund zu einer nachhaltigen Steigerung der Produktivität und des Arbeitseinsatzes beitragen.

Die Schätzung des trendmäßigen Potenzialwachstums im Euroraum von 2 bis 2,5 Prozent sei inzwischen "mit einigen Abwärtsrisiken behaftet". Der Wachstumstrend habe sich in den letzten Jahren offenbar der Untergrenze dieses Korridors angenähert. Die Schätzung wurde 1998 erstmals von der EZB veröffentlicht.

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