Märkte am Abend Dax schließt auf Dreijahreshoch

Trotz teureren Öls verzeichnen die deutschen Märkte Kursgewinne. Im Mittelpunkt stand einmal mehr die Volkswagen-Aktie - diesmal auf der Verliererseite. Auch ProSiebenSat1 sorgte für Aufmerksamkeit, denn der Springer-Konzern hat es eilig mit einer Übernahme des TV-Konglomerats. An der Wall Street schreibt IBM eine Sonder-Story.

Frankfurt am Main - Unbeirrt vom anhaltend hohen Ölpreis und der Enttäuschung über die Sparanstrengungen beim Autobauer Volkswagen hat der Dax am Mittwoch seinen Höhenflug fortgesetzt. Starke Kursgewinne des Autozulieferers Continental trieben das Börsenbarometer auf ein Drei-Jahres-Hoch.

Der Dax  schloss 0,58 Prozent im Plus bei 4679,89 Punkten. Mit 4682,82 Zählern markierte der Leitindex im Verlauf den höchsten Stand seit drei Jahren. Börsianer sprachen von einer durchweg positiven Stimmung. "Ich sehe im Moment nichts, was den Markt groß unter Druck bringen könnte", sagte Markus Scharhag von Merck Finck. Ein Händler verwies auf den guten Start der Berichtssaison in den USA. "Das nährt Hoffnung, dass auch die deutschen Unternehmen gute Quartalszahlen vorlegen werden", sagte er.

Auch der wieder anziehende Ölpreis konnte die Stimmung am Aktienmarkt nicht trüben. Die Angst vor Lieferengpässen auf Grund von Tropenstürmen im Golf von Mexiko ließ den Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl zeitweise wieder auf über 61 Dollar steigen. Zu Wochenbeginn hatte das Barrel noch rund 58 Dollar gekostet.

Der überraschende Rückgang des US-Außenhandelsdefizit sorgte am Nachmittag für Unterstützung am Aktienmarkt. Am Devisenmarkt löste dies starke Dollar-Käufe aus. Gesprächsthema auf dem Börsenparkett waren die Sanierungsbemühungen bei Volkswagen . Börsianer äußerten sich enttäuscht über die Details zu den anvisierten Sparzielen.

"Man hat sich konkrete Aussagen zu dem Kostensenkungsprogramm gewünscht, und die wurden nicht gegeben", sagte ein Händler. Ein anderer ergänzte: "Viele Anleger können derzeit nicht erkennen, wie der Konzern wieder nach vorne kommen will." Daher strichen nun einige Anleger ihre Gewinne der vergangenen Tage ein.

VW-Aktien verloren 2,8 Prozent auf 39,69 Euro. An die Spitze der Gewinner im Dax standen mit einem Plus von drei Prozent auf 61,10 Euro die Aktien von Continental .

Ärger bei RWE

Ärger bei RWE

"Die Conti-Aktie hat im Vergleich zu anderen Autowerten Nachholbedarf", sagte ein Händler. Zuletzt waren die Titel des hannoverschen Reifenherstellers wegen der Angst vor steigenden Kautschukpreisen unter Druck geraten.

Unter dem Einfluss zerstrittener Gewerkschaftsfunktionäre litt am Mittwoch die Kursentwicklung der RWE-Anteilsscheine  Von Analystenkommentaren profitierten die Anteilsscheine der Commerzbank  und der Deutschen Post . Bei der Post verwiesen Händler auf eine Kaufempfehlung der Investmentbank Merrill Lynch . "Merrill hat ein Kursziel von 24,80 Euro genannt, das ist schon ganz ordentlich", sagte ein Börsianer. Post-Aktien gewannen 1,4 Prozent auf 19,40 Euro. Bei der Commerzbank verwiesen Händler neben einer Kauf-Empfehlung der Deutschen Bank  auf den geplanten Abbau von mindestens 300 Stellen. Commerzbank-Aktien verteuerten sich um 1,9 Prozent auf 18,50 Euro.

Im Vorstand des Essener Energieriesen werden nach der Neubesetzung des Personalvorstandsposten mit einem Gewerkschaftsfunktionär bereits zwei von fünf Vorstandsposten von den Gewerkschaften besetzt. Im Aufsichtsrat haben sie bereits die Mehrheit über die Aktionärsvertreter inne.

Springer fast am Ziel

In der zweiten Börsenliga konnten die Aktien des Frankfurter Unternehmens MG Technologies  die Aufmerksamkeit der Händler auf sich ziehen. Bei vergleichsweise hohen Umsätzen zog der Aktienkurs des Unternehmens, das sich in Gea Group umbenannt hat, zeitweise um 4,3 Prozent auf etwa 10,45 Euro an.

Aktien des Medienkonzerns ProSiebenSat1  gewannen 0,9 Prozent auf 15,07 Euro. Das Verlagshaus Axel Springer  will nach einem Pressebericht den Kauf der Fernsehgruppe ProSiebenSat1 bereits im August unter Dach und Fach bringen.

Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, soll die Prüfung der Bücher Ende Juli abgeschlossen sein. Dann könne die Aktienmehrheit von den derzeitigen Eignern um den Investor Haim Saban übernommen werden. Springer ist bereits mit zwölf Prozent an ProSiebenSat.1 beteiligt. Eine Sprecherin von Springer lehnte laut Zeitung eine Stellungnahme ab.

IBM bringt Dow Jones ins Plus

IBM bringt Dow Jones ins Plus

Ein positiver Analysten- Kommentar zum Computerkonzern IBM  und ein überraschender Rückgang des US-Handelsdefizits haben führenden US-Standardwerten am Mittwoch am fünften Handelstag in Folge zu Kursgewinnen verholfen.

Die nach Börsenschluss erwartete Veröffentlichung der Quartalszahlen von Apple veranlasste Händlern zufolge jedoch zahlreiche Anleger zur Zurückhaltung. Der Dow Jones  gewann bis zum New Yorker Mittagshandel 0,24 Prozent auf 10.540 Punkte. Der S&P 500 verlor dagegen 0,05 Prozent auf 1222 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Composite  fiel um 0,1 Prozent auf 2141 Stellen.

"Das Handelsdefizit war positiv für den Markt. Es hat der Börse einen kleinen Schub verliehen", sagte Evan Olsen von der Stephens Inc. Der Fehlbetrag in der US-Handelsbilanz verringerte sich im Mai überraschend um rund 2,7 Prozent auf 55,35 Milliarden Dollar. Volkswirte hatten dagegen im Durchschnitt einen zum April weitgehend unveränderten Wert erwartet.

"Offenbar wartet eine Menge Geld außerhalb des Börsenparketts auf weitere Quartalsergebnisse und Daten. Apple könnte morgen die Technologiewerte beeinflussen", sagte Olsen. Die Aktien des Computerherstellers gaben vor der Bekanntgabe der Vierteljahreszahlen leicht nach auf 38,17 Dollar.

Die hohen Ölpreise blieben Händlern zufolge weiterhin ein Thema auf dem Börsenparkett. "Der Ölpreis über 60 Dollar beschäftigt die Anleger und sie haben ein Auge darauf", sagte Mark Bronzo von Gartmore Separate Accounts LLC.

Unterstützung habe dem Dow vor allem International Business Machines (IBM) geliefert, sagten Händler. Die Höherstufung der IBM-Aktien auf "outperform" von "market-perform" durch Analyst Sanford Bernstein hätten viele Anleger als Aufforderung zum Kauf verstanden und zugegriffen. Damit trieben sie den Kurs um knapp 1,9 Prozent auf 81,52 Dollar. Gefragt waren zudem die Papiere des Herstellers der legendären Harley-Davidson- Motorräder, was den Kurs um mehr als 2,1 Prozent auf 50,75 Dollar anziehen ließ. Das Unternehmen hatte mit seinem Quartalsergebnis die Erwartungen der Wall Street übertroffen.

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