EU-Richtlinie Wie man die Zinsbesteuerung umgeht

Steuern auf Kapitalerträge im europäischen Ausland? Das muss nicht sein, sagen Experten. Clevere Anleger könnten die neue EU-Zinsrichtlinie umgehen - ganz legal. Sie müssten lediglich ihr Depot umschichten.

Frankfurt am Main - Seit 1. Juli werden Zinsen ausländischer Kapitalerträge EU-weit besteuert. Davon betroffen sind Sparer, die in benachbarten EU-Ländern ein Depot führen oder bald eines eröffnen wollen. Clevere Anleger könnten diese Neuregelungen umgehen, indem sie ihr Depot so geschickt umschichten, dass sie weder eine Kontrollmitteilung fürchten noch Quellensteuer abführen müssen, raten die Finanzexperten der ING-Diba.

Konkret bedeutet die eingeführte Neuerung, dass 22 EU-Staaten Kontrollmitteilungen über die Kapitalerträge ausländischer Anleger an die Finanzbehörden der Heimatstaaten verschicken, wie die Experten erläutern. Luxemburg, Österreich und Belgien beteiligen sich nicht an dem grenzüberschreitenden Datenaustausch. Dort wird auf Zinserträge eine Quellensteuer abgezogen - zunächst 15, von Juli 2011 an 35 Prozent. Von den Einnahmen fließen 75 Prozent an den deutschen Fiskus.

Für die neuen Regelungen gibt es nach Angaben der Bank Ausnahmen:

- Festverzinsliche Wertpapiere, die erstmals vor dem ersten März 2001 aufgelegt worden sind und nach dem 28. Februar 2002 nicht mehr aufgestockt wurden. Diese Ausnahme-Kriterien erfüllen vor allem jene älteren Anleihen, deren Schuldner ein Unternehmen oder eine Bank ist.

- Das Gleiche gelte für Rentenfonds, die nur die oben näher beschriebenen Unternehmens- und Bankpapiere im Depot haben, wie die Finanzexperten der Bank weiter mitteilten.

- Auch fielen Aktien, Aktienfonds, Hedgefonds oder Optionsscheine generell nicht unter die neuen Informations- und Steuerregeln.

- Gemischte Fonds mit Aktien und Anleihen, die regelmäßig Erträge an die Anleger ausschütten, seien den Angaben zufolge dann außen vor, wenn der Anleihenanteil des Fonds nicht mehr als 15 Prozent beträgt.

- Für Zertifikate - ob mit oder ohne Discount - gelten die neuen Regeln der EU-Zinssteuer nicht.

Die von der EU-Zinssteuer ausgenommenen Zins-Papiere könnten deutsche Sparer bereits heute bei ihrer Bank im Ausland erwerben.

Die Geldhäuser hätten genügend Zeit zur Vorbereitung gehabt, hieß es weiter. Auch die im Juli und danach vorgenommenen Transaktionen von festverzinslichen Papieren zahlten sich für Sparer mit einem Depot in Luxemburg, Österreich und Belgien in der Regel aus.

Wollten doch die Geldhäuser in diesen Ländern in diesem Jahr die Quellensteuer nur auf einen Teil der Zinsen erheben, der ab dem Stichtag dem Depot gutgeschrieben worden sei. Erfolge die Zinszahlung einer Staatsanleihe jeweils am 4. Januar eines Jahres und werde dieses Papier am 11. Juli 2005 vorzeitig verkauft, so seien die Zinsen bis Ende Juni 2005 quellensteuerfrei. Fazit: Je schneller der Anleger handele, umso weniger Quellensteuer werde fällig, betonten die Finanzexperten der ING-Diba weiter.