Deutsche Börse Weltgrößter Hedgefonds attackiert TCI

Das Vorgehen des Hedgefonds TCI gegen die Deutsche Börse hat zu scharfer Kritik aus den eigenen Reihen geführt. Die kleine Gesellschaft TCI habe "den großen, bösen Jungen markiert". Das schade dem Geschäft, signalisierte der weltgrößte Hedgefonds, die Man Group.

London - Der Hedgefonds TCI erntet wegen seines Vorgehens bei der Deutschen Börse Kritik aus dem eigenen Lager. "Es fördert nicht gerade den Verkauf von Hedgefonds-Produkten, wenn ein kleiner Fonds wie TCI den großen, bösen Jungen markiert", sagte Stanley Fink, Chef der britischen Man Group im Gespräch mit dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Die Man Group ist mit einem verwalteten Vermögen von 35 Milliarden Euro der weltweit größte börsennotierte Hedgefonds.

"Wenn mir als kurzfristigem Investor das Management nicht gefällt, verkaufe ich einfach die Aktie und gehe zum nächsten", sagte Fink. Zwar spreche er auch ab und zu mit dem Management. Er plädiere jedoch dafür, dies im Verborgenen zu tun.

Doch gerade im Fall des Ex-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse, Werner Seifert, war dies sehr schwierig, wie TCI und andere Aktionäre in der Vergangenheit immer wieder erklärt hatten. Seifert hatte zwar den Unternehmenswert und die Reputation der Deutschen Börse während seiner Amtszeit deutlich gesteigert - das räumten selbst Kritiker ein. Kritik ließ Seifert aber selten unkommentiert und habe immer wieder zu einem herrischen Umgang mit den Aktionären geneigt, heißt es. Deshalb sei es TCI mit seiner kritischen Haltung auch vergleichsweise leicht gefallen, desillusionierte Aktionäre auf seine Seite zu ziehen.

TCI-Chef Chris Hohn hatte die Führungsspitze der Deutschen Börse massiv öffentlich kritisiert wegen ihrer Pläne, die London Stock Exchange zu übernehmen. Die Börse musste aufgrund der von TCI organisierten Proteste der Aktionäre die Übernahme aufgeben, Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert trat zurück.

Dem Bericht zufolge habe der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) durch den Fall Deutsche Börse keine Auswirkungen auf den Verkauf feststellen können. Nach den Worten von Andreas Benz, der für das deutsche Geschäft von Man Investments zuständig ist, äußerten sich jedoch gerade Vorstände von institutionellen Investoren kritischer beim Verkauf von Fondsprodukten: "Sie fragen sich: Investiere ich jetzt in die Leute, die später möglicherweise meine Gegner werden?" Die größten Bedenken habe Benz bei potenziellen Kunden festegestellt, die zum erste Mal in Hedgefonds-Produkte investierten.

Die von der britischen Finanzaufsicht gestartete Initiative, möglicherweise bald stärker auf die Aktivitäten einiger Hedgefonds zu schauen, wollte Fink nicht kommentieren. Er äußerte jedoch die Hoffnung, dass die Aufsicht mit ihren Plänen nicht über das Ziel hinaus schießt: "Sensible Regulierung ist gut für das Geschäft." Dies verhindere, dass "einige Cowboys" den Ruf der Branche unterminieren.