Party-Gaming Börsengang für echte Zocker

Es ist Londons bizarrster Börsengang des Jahres – und der größte gleich dazu. Die Internetfirma Party-Gaming verdient ihr Geld vor allem mit Online-Poker. Am Montag geht sie in London an die Börse - und könnte direkt in den wichtigsten Aktienindex aufsteigen. Dabei warnen Juristen, die Haupteinnahmequelle könnte bald versiegen.

London - Die Geschichte der Internetfirma Party-Gaming enthält alles, was zu einer richtigen Glücksspielgeschichte gehört. Sehr viel Geld, junge, bald steinreiche Casinobetreiber, risikofreudige Zocker, hoffnungsvolle Investoren - und seit langem schwelende Konflikte mit dem Gesetz. Doch die Geschichte von Party-Gaming spielt nicht in der halbseidenen Glitzerwelt von Las Vegas, sondern an der kühlen London Stock Exchange.

Am kommenden Montag will der Online-Glücksspielanbieter Party-Gaming dort an die Börse gehen. Mit Internet-Casinos, Poker und Bingo verdient das Unternehmen sein Geld, vor Steuern immerhin rund 370 Millionen Dollar im vergangenen Jahr. Drei Jahre zuvor waren es nach Angaben des "Handelsblatts" noch 5,8 Millionen gewesen. Ähnlich rasante Zukunftsprognosen sollen nun die Anleger locken.

Mit einem angestrebten Volumen von rund fünf Milliarden Pfund, rund 7,2 Milliarden Euro, wäre der Party-Gaming-Börsengang dabei das größte IPO Großbritanniens seit mindestens drei Jahren. Der Online-Glücksspielbetreiber würde, so schreibt das "Handelsblatt", sofort in den Leitindex FTSE 100  aufrücken. Und seine Gründer Ruth Parasol, Tochter eines Porno-Geschäftsmanns, und Anurag Dikshit, ein indischer Computerexperte, wären auf einen Schlag Milliardäre, so die Zeitung. Denn zusammen mit anderen Alteigentümern werden sie auch nach dem Börsengang noch drei Viertel der Anteile halten.

In den USA droht ein Verbot des Online-Pokerspiels

Zwischen 1,11 und 1,27 Pfund sollen die Aktien kosten. Und trotz heftiger Warnungen von Börsenexperten gilt die Emission inzwischen als überzeichnet. Dabei ist nicht einmal klar, wie lange die Haupteinnahmequelle des Internetportals, das Online-Pokerspiel, überhaupt noch Bestand hat.

Medienberichten zufolge erwirtschaftet Party-Gaming rund 80 Prozent seiner Einnahmen mit Pokerspielern in den USA. Und dort könnte die Justiz bald einen Strich durch die hochfliegenden Renditeträume der Glücksspiel-Aktionäre machen: Denn nach Ansicht von US-Juristen verstößt das Glücksspiel im Internet gegen amerikanisches Bundesrecht. Seit langem schwelen Gerüchte über ein nahendes Verbot der Zocker-Plattform. Zahlsysteme wie Visa und PayPal hielten sich aus Angst vor juristischen Schritten fern, die Suchmaschine Yahoo  nehme keine Werbung an, schreibt das "Handelsblatt" weiter.

Auf die künftigen Anteilseigner, unter ihnen einige der größten britischen Fondsgesellschaften, wartet also ein risikoreiches Investment. Den Börsengang der Party-Gaming-Plattform dürfte das allerdings kaum noch aufhalten. Und zumindest für den Konsortialführer Dresdner Kleinwort Wasserstein wäre das allein schon ein großer Erfolg. Denn bislang hat die Investmentbank 2005 noch kein Unternehmen in London an die Börse gebracht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.