MLP Schlichtung per Scheckbuch

Der Finanzdienstleister MLP überweist enttäuschten Kunden eine sechsstellige Summe als Wiedergutmachung. Für MLP kein Grund zur Sorge: Die Belastungen durch Entschädigungs- und Kulanzzahlungen lägen insgesamt unter dem Branchenschnitt.

Hamburg - Die Heidelberger Finanzfirma MLP hat zwei ehemaligen Kunden teils hohe sechsstellige Entschädigungssummen überwiesen. "Unserem Mandanten, einem Arzt, zahlte MLP nach erfolgter gerichtlicher Beweisaufnahme freiwillig einen Schadenersatz in Höhe von 767.000 Euro, und zwar aufgrund fehlerhafter Anlageberatung", sagte Klaus Rotter, Rechtsanwalt aus München.

Grund für die Zahlung war die gescheiterte Anlageempfehlung eines MLP-Beraters, sagten die Anwälte der Münchener Kanzlei Rotter. Der MLP-Berater habe dem Mediziner empfohlen, die Auszahlsumme seiner Lebensversicherung nicht wie geplant zur Tilgung eines Großteils der bestehenden Darlehen in Höhe von zwei Millionen D-Mark zu nutzen, sondern in die MLP-Fondsvermögensverwaltung zu investieren. Die zur Tilgung anstehenden Kredite sollten anschließend durch neue Hypotheken finanziert werden.

Der MLP-Kunde verlor allerdings mit der MLP-Fondsvermögensverwaltung Geld, so dass die Rückzahlung seiner Darlehen nicht wie geplant möglich war (Landgericht Heidelberg AZ: 2 O 162/04).

Anwalt beklagt mangelne Risikoaufklärung

Im zweiten Fall einigte sich MLP mit einer ehemaligen Kundin außergerichtlich auf eine Zahlung in Höhe von 173.000 Euro. Hintergrund: Ein MLP-Berater hatte seine Kundin überzeugt, ihre Immobilie an die eigenen Kinder zu verkaufen und den Erlös in die MLP-Fondsvermögensverwaltung zu investieren.

"Über die immensen Verlustrisiken wurde sie jedoch nicht ausreichend aufgeklärt", sagt Anwalt Rotter. Doch genau dieser Fall ist eingetreten - und hat die MLP-Kundin um einen Teil ihres Vermögens gebracht.

MLP-Sprecher Christian Maertin sagte manager-magazin.de, solche Fälle ließen sich nicht gänzlich vermeiden. "Wir haben pro Tag 5000 Kundenkontakte. Selbst bei bestmöglicher Ausbildung unserer Leute kann so etwas immer wieder vorkommen." Die Gesamtbelastung aus den beiden Verfahren habe für MLP bei 453.000 Euro gelegen, da den Zahlungen erhebliche Depotwerte der ehemaligen Kunden gegenübergestanden hätten.

Nach Angaben des MLP-Sprechers liege das Heidelberger Unternehmen in der Summe aller Vergleichs-, Schadenersatz- und Kulanzzahlungen "deutlich unter dem Branchenschnitt". In den beiden Vorjahren habe MLP unterm Strich 565.000 Euro und 346.000 Euro für Entschädigungszahlungen an ehemalige Finanzkunden des Konzerns aufwenden müssen.

Ob dem Heidelberger Unternehmen aktuell noch weitere Zahlungen an enttäuschte Kunden bevorstehen, und gegebenenfalls in welcher Höhe, wollte MLP nicht beantworten.

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