Börsenschluss Gewinnmitnahmen bremsen

Deutliche Kursgewinne bei Einzeltiteln haben am Mittwoch die Indizes Dax und MDax zeitweise auf neue Höchststände getrieben. Vor allem SAP-Aktien beflügelten die Stimmung. Allerdings mussten die beiden wichtigsten deutschen Börsenbarometer zum Handelsschluss einen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben.

Frankfurt am Main - Der Dax  war im Handelsverlauf mit 4636 Punkten auf das höchste Niveau seit rund drei Jahren gestiegen, ging dann aber mit plus 0,3 Prozent und 4620 Zählern aus dem Handel. Der MDax  der mittelgroßen Werte schloss bei plus 0,02 Prozent auf 6285 Punkte, zeitweise hatte er bei 6302 Punkten einen Rekordstand markiert. Der Technologie-Index TecDax  sank um 0,6 Prozent auf 542 Punkte.

Mit Blick auf den hohen Ölpreis warnten Händler vor einer Überbewertung des Dax-Aufschwungs. An den Terminmärkten näherte sich der Ölpreis mit 59,20 Dollar wieder der psychologisch wie technisch wichtigen Marke von 60 Dollar. "Wir konsolidieren auf hohem Niveau, wobei das Risiko eher nach unten als nach oben zu sein scheint", sagte ein Händler. Die Häufung von Platzierungen von Aktien in den vergangenen Wochen sei ein Signal für die Nervosität der Märkte. "Die Marktteilnehmer sind nicht sicher, in welche Richtung der Dax letztlich laufen wird. Daher versuchen viele, sich zu positionieren, zumal wir im Moment ganz gut aussehen", sagte ein Händler.

Uneinheitlich zeigten sich die US-Börsen. Zum Handelsschluss in Deutschland lag der Dow Jones  um 0,3 Prozent im Plus bei 10.602 Punkten. Der Nasdaq Composite  notierte 0,1 Prozent schwächer bei 2088 Zählern. Der Euro wurde erneut von Spekulationen um sinkende Zinsen in der Eurozone belastet und kostete 1,2131 Dollar. "Gegenwärtig wird jeder Hinweis auf sinkende Zinsen am Markt als Argument für Euro-Verkäufe genutzt", sagte ein Händler. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs mit 1,2111 Dollar nach 1,2092 Dollar am Dienstag fest.

Der japanische Aktienmarkt konnte unterdessen den zweiten Tag in Folge zulegen. Der Nikkei-Index schloss am Mittwoch mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 11.547 Punkte.

Mit einem Plus von 2,8 Prozent auf 142,97 Euro setzte sich die SAP-Aktie an die DAX-Spitze. "Die Aktie ist am Widerstand bei 140 Euro nach oben ausgebrochen und steigt nun kräftig weiter", sagte ein Händler. Der Aktienkurs werde von Investoren, die auf sinkende Kurse gesetzt hatten, nun zusätzlich angeschoben - sie müssten ihre Verkaufspositionen nun eindecken, fügte er hinzu. SAP hatte zuletzt im Januar 2004 dieses Kursniveau erreicht.

Commerzbank im Minus

Commerzbank im Minus

Der Autozulieferer Continental konnte erneut ein Plus verbuchen, die Aktie legte 1,9 Prozent zu. Am Montag hatte die Schweizer Bank Credit Suisse First Boston eine Kaufempfehlung für das Unternehmen aus Hannover abgegeben. Jetzt berichtete die "Wirtschaftswoche", Conti führe die Rangliste der börsennotierten Top-Performer an, die der Indexanbieter Standard & Poors Index Services erstmals für Deutschland aufgestellt habe.

Zu den Verlierern im Dax zählten mit einem Abschlag von 1,2 Prozent auf 18,43 Euro die Aktien der Commerzbank , nachdem der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück  seinen Anteil an dem Frankfurter Kreditinstitut reduziert und damit den Abbau seiner großen Beteiligungen an Finanzunternehmen fortgesetzt hat. Eine Sprecherin der Münchener Rück sagte, zwölf Millionen Aktien seien zu einem marktnahen Preis an institutionelle Investoren außerbörslich platziert worden. Die Aktien waren Händlern zufolge in einer Spanne von 18,66 bis 18,72 Euro angeboten worden. Die Aktien der Münchener Rück zogen um 0,2 Prozent an.

Zudem wurden am Mittwoch eine Million Aktien des Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns MAN  zum Preis von 35,35 Euro platziert. Die MAN-Titel gaben um 0,7 Prozent auf 35,36 Euro nach.

Spekulationen um einen neuen Aufsichtsratschef hievten Händlern zufolge die Aktien der Deutschen Börse um 1,7 Prozent auf 64 Euro, womit die Aktien so hoch wie noch nie seit ihrem Börsengang im Februar 2001 notierten. Händler verwiesen auf eine Vorabmeldung des "Manager-Magazins", Kurt Viermetz, derzeitiger Aufsichtsratschef der Hypo Real Estate, solle Nachfolger des derzeitigen AR-Chefs Rolf-E.Breuer werden. "Der bringt viel mit. Das wird positiv gesehen", kommentierte ein Händler.

HypoVereinsbank-Aktionäre unzufrieden

Die Anteilsscheine der HypoVereinsbank  legten um 0,1 Prozent auf 22,16 Euro zu. Unter den HVB-Aktionären regt sich erster Widerstand gegen die Übernahme durch die italienische Großbank UniCredit . Der Hedgefonds-Anbieter Gam beispielsweise lehnt die UniCredit-Kaufofferte für die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank als zu niedrig ab. "Wir werden unsere Aktien nach gegenwärtigem Stand nicht verkaufen", sagte Gam-Fondsmanager John Bennett gestern. Die Aktie der HypoVereinsbank (HVB) sei 25 bis 27 Euro wert. UniCredit-Chef Alessandro Profumo bietet fünf eigene Aktien für einen HVB-Titel, was nach aktuellem Kurs etwa 22 Euro entspricht. Die von Bennett gemanagten Fonds halten laut Zeitung 1,5 Millionen HVB-Aktien. Der Hedgefonds-Anbieter Gam gehört der Schweizer Großbank UBS.

Im MDax  stiegen Premiere  um 3,8 Prozent auf 27,60 Euro. Kreisen zufolge spricht der Sender mit Magna Entertainment über einen Wettkanal.

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