HVB-Übernahme Ungewisse Zukunft für die Töchter

Die mögliche Übernahme der HVB durch UniCredito stellt die Töchter der Münchener Großbank vor eine ungewisse Zukunft. Branchenexperten halten einen Verkauf der DAB Bank und ein Zusammenlegen des Fondshauses Activest mit der UniCredito-Tochter Pioneer für denkbar. HVB-Chef Rampl schweigt – und hält sich alle Möglichkeiten offen.

München - Das Schweigen ist viel sagend: Zur Zukunft der Tochtergesellschaften der HypoVereinsbank  nach dem geplanten Zusammenschluss mit der UniCredito  will sich HVB-Chef Dieter Rampl derzeit nicht äußern. Nachfragen, wie es mit der Online-Tochter DAB Bank und der Fondsgesellschaft Activest weitergehe, konterte er mit den Worten: "Jetzt beginnt die richtige Arbeit." Zu einem - denkbaren - Verkauf der Töchter wolle er "jetzt keine Aussage machen". Beredtes Schweigen, das nichts bestätigt, vor allem aber nichts ausschließt.

Branchenkenner argwöhnen denn auch, auf der Suche nach Synergien würden die beiden Großbanken früher oder später zwangsläufig auch bei ihren Fondstöchtern Activest und Pioneer durchgreifen. "Zweifellos ist dort ein großes Potenzial für Synergien vorhanden", sagte ein Analyst. Dass Rampl auf diese Frage lediglich im Nebensatz eingegangen sei, deute allerdings darauf hin, dass die Fondshäuser für den Fortgang der Übernahme keine maßgebliche Rolle spielten.

Die Fonds-Aktivitäten seien für die Fusion allenfalls Randaspekte, betonte ein Fondsmanager. "In der Regel leistet der Bereich Asset Management bei Großbanken einen Gewinnbeitrag von 5 bis 8 Prozent", so der Branchenexperte gegenüber manager-magazin.de. Entsprechend bewegten sich die Fondstöchter bei der Hebung von Synergien eher am unteren Ende der Prioritätenliste.

Dennoch: Ein Zusammengehen von Activest und Pioneer nach dem Zusammenschluss von HVB und UniCredito gilt unter den Marktbeobachtern als denkbares Szenario - und durchaus als sinnvoll: "Meiner Einschätzung nach würden sich die Fondspaletten der beiden Anbieter in mancher Hinsicht gut ergänzen", urteilt Natalia Siklic von der Fonds-Ratingagentur Morningstar. Auf Basis von Performance und Wertschwankungen der von Morningstar gerateten Fonds errechnete das Analysehaus im April ein Durchschnittsrating für die Fondspaletten europäischer Fondshäuser.

Keine Barofferte für die DAB Bank

Keine Barofferte für die DAB Bank

"Activest ist dabei auf der Rentenseite besser aufgestellt als Pioneer", so Siklic. Dagegen stehe Pioneer auf der Aktienseite besser da. "Pioneer konnte auf der Aktienseite vor allem mit US-Fonds, dem Pioneer Top European Players und einem europäischen Nebenwertefonds punkten", sagte Siklic. "Activest hat über die vergangenen drei Jahre im Segment Aktien Nordamerika und im Bereich Small Caps eher durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Ergebnisse gebracht." Überdurchschnittlich hätten bei Activest vor allem mehrere Europa- und weltweite Aktienfonds abgeschnitten. Sollten sich beide Häuser auf ihre Stärken konzentrieren, könne ein Zusammenschluss Sinn haben.

Andere Branchenexperten äußern sich zurückhaltender: "Es gibt gewisse Anreize, aber wir glauben, dass sie durch signifikante Integrationsrisiken wettgemacht werden, die ein Merger zweier so unterschiedlicher Organisationen birgt", analysiert laut "Handelsblatt" die Credit Suisse First Boston. Pioneer sei im Vergleich zur eher national orientierten Activest global ausgerichtet, schreibt das Blatt weiter. Ein Zusammenschluss der beiden Fondsgesellschaften brächte Pioneer allerdings dem Ziel näher, sein Fondsvolumen binnen fünf Jahren auf 250 Milliarden Euro zu verdoppeln.

Auch die Zukunft der HVB-Tochter DAB Bank  ist offen. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt unter Branchenexperten der Verkauf der Direktbank, an der die HVB derzeit noch rund 76 Prozent hält. Am Montag hatten Analysten die Aktie der DAB Bank heruntergestuft, da das Angebot der UniCredito für die HVB keine Offerte für die Direktbank enthielt.

Gegenüber der "Börsen Zeitung" bestätigte die HVB, ein öffentliches Angebot der UniCredito für den DAB-Streubesitz sei nicht geplant. Normalerweise ist eine Barofferte an die übrigen Aktionäre vorgeschrieben, sobald ein Aktionär mehr als 30 Prozent der Anteile hält. Im Falle einer Umstrukturierung eines Konzerns könne ein Angebot an die außenstehenden Aktionäre jedoch ausgeschlsoessen werden, schreibt das Blatt. Am Status der DAB-Bank ändert sich damit vorerst nichts - und auch nichts an den Spekulationen über ihre Zukunft.

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