Aktienverkauf Staat gibt Mehrheit an der Post ab

Die Kapitalmehrheit der Deutschen Post liegt knapp fünf Jahre nach dem Börsengang des einstigen Staatsunternehmens in privaten Händen. Analysten begrüßen den Verkauf von milliardenschweren Aktienpaketen durch die KfW.

Frankfurt am Main - Nach dem Verkauf eines weiteren Milliardenpaketes durch die staatseigene KfW Bankengruppe ist die Deutsche Post  mehrheitlich in Privatbesitz. Wie die Bank am Dienstag erklärte, beläuft sich der Anteil frei handelbarer Aktien nun auf 53,8 Prozent. Die Nachricht nutzte der Aktie indes nur kurzzeitig. Nach einem festen Start rutschte der Titel gegen Mittag wieder in die Verlustzone.

Sollte die Mehrzuteilungsoption ausgeübt werden, würde sich der Steubesitz auf 55,3 Prozent erhöhen. Zuletzt hatte der so genannte Free-Float 44 Prozent betragen. Das von der Deutschen Bank , Goldman Sachs  und UBS  geführte Bankenkonsortium hatte eine Mehrzuteilungsoption in Höhe von 15 Prozent der Transaktion garantiert. Diese könne bis zum 14. Juli ausgeübt werden.

Die KfW hatte am Montagabend 110 Millionen vom Bund zwischengeparkte Post-Aktien für je 18,90 Euro an internationale Profianleger verkauft. Der Gesamtpreis betrug demnach 2,079 Milliarden Euro. Sollte die Mehrzuteilungsoption voll ausgeübt werden, besäße die KfW noch 416,3 Millionen Anteilsscheine der Deutschen Post.

Post-Chef Klaus Zumwinkel erklärte am Dienstag, er habe die Hoffnung, dass auch noch die restlichen von KfW und Bund gehaltenen Aktien bis zum Zeitpunkt der völligen Liberalisierung des deutschen Briefmarktes am Markt platziert werden. Das Briefmonopol soll Ende 2007 auslaufen.

Als Vorteil des gestiegenen Streubesitzes nannte Zumwinkel die voraussichtlich höhere Gewichtung der Post-Aktie in verschiedenen Indizes in Folge einer höheren Liquidität des Titels. Der Vorstandschef erwarte zudem, dass verstärkt internationale Investoren Interesse an den Post-Papieren zeigen könnten.

Indes rechnet der Bund durch den Verkauf der Post-Aktien mit zusätzlichen Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro. Sie sollen nach Worten eines Sprechers von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) noch im laufenden Haushalt verbucht werden.

Analysten beurteilen Entwicklung positiv

Für Merck Finck ist die Post-Aktie ein "Kauf"

Mehrere Analysten bewerteten die Transaktion der KfW positiv. Die Experten des Bankhauses Merck Finck bestätigten ihre Kaufempfehlung für die "Aktie Gelb". "Wir glauben, dass die Aktie unterbewertet ist", schrieb Analyst Robert Heberger in einer Kurzstudie am Dienstag. "Wir erwarten, dass sich der Aktienkurs nach den Verlusten am Vortag in den nächsten Tagen wieder erholt." Er rechne damit, dass die KfW weitere Aktienpakete platzieren werde, da es das Ziel der Bundesregierung sei, bis Ende 2006 ihren kompletten Anteil veräußert zu haben.

LRP stufte "Aktie Gelb" auf "Outperformer" hoch

Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) schrieb in einer Kurzstudie am Dienstag: Vor dem Hintergrund der KfW-Platzierung sei der Post-Kurs am Montag um knapp 2 Prozent gesunken. "Beim aktuellen Kursniveau verfügt die Aktie unserer Meinung nach über überdurchschnittliches Kurspotenzial." Die LRP hatte am Vortag den Wert auf "Outperformer" hochgestuft. Das Kursziel per Jahresende bestätigte die LRP mit 21 Euro.

Die gegenwärtige Schwäche der Aktie biete Investoren eine gute Gelegenheit zum Einstieg, urteilte auch Nils Machemehl von M.M. Warburg. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf und sieht das Kursziel bei 24 Euro. Es sei für die Investoren von Vorteil, dass der deutsche Staat erstmals einen Minderheitsanteil an der Deutschen Post halte, auch wenn das ganze nur als Imagefrage betrachtet werden müsse. Investoren achteten einfach darauf, ob ein Unternehmen vom Staat kontrolliert werde.

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