Devisen Der Euro fällt und fällt

Die europäische Gemeinschaftswährung ist am Montag auf den tiefsten Stand seit neun Monaten gerutscht. Die Aussicht auf einen sich ausweitenden Zinsabstand zwischen den USA und der Eurozone drücke den Eurokurs, sagen Experten. Der Markt nehme die Marke von 1,20 Dollar fest ins Visier.

Frankfurt - Spekulationen auf weitere US-Leitzinserhöhungen haben dem Dollar am Montag erneut Auftrieb gegeben. Der Euro fiel mit 1,2036 Dollar zeitweise auf den niedrigsten Stand seit neun Monaten. Gegen 16.10 Uhr kostete die Gemeinschaftswährung  1,2042 Dollar und lag damit rund zwei US-Cent unter dem Niveau des europäischen Handels am Freitag.

"Der Markt kennt nur noch eine Richtung", sagte Devisenexperte Armin Mekelburg von der HVB. Die Aussicht auf einen sich ausweitenden Zinsabstand zwischen den USA und der Eurozone stehe im Fokus und drücke den Eurokurs. Darüber hinaus belasteten weiter die politischen Unstimmigkeiten in Europa die Gemeinschaftswährung. Es bleibe fraglich, ob die Differenzen zum Beispiel in Finanzierungsfragen des Haushalts beim EU-Gipfeltreffen in der laufenden Woche grundlegend ausgeräumt werden könnten. "Der Markt hat die Marke von 1,20 Dollar fest im Visier", sagte Mekelburg.

"Die Leute suchen nach Argumenten, um Dollar zu kaufen", sagte Devisenstratege Neil Mellor von der Bank of New York. "Alles konzentriert sich auf den positiven kurzfristigen Zinsausblick."

An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die US-Notenbank (Fed) Ende Juni den Leitzins zum neunten Mal in Folge um 25 Basispunkte auf dann 3,25 Prozent anheben wird. Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität von Geldanlagen in den USA. Ein stetiger Kapital-Zufluss ist für die Finanzierung der US-Defizite bei Leistungsbilanz und Haushalt unabdingbar. Die Furcht vor einem Abreißen des Kapital-Zuflusses hatte den Dollar in den vergangenen Jahren unter massiven Verkaufsdruck gesetzt.

Für Euroland rechnen von Reuters befragte Analysten dagegen fast ausschließlich mit unveränderten Zinsen. In den vergangenen Tagen waren Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing von Anlegern sogar als Signal für mögliche Zinssenkungen gewertet worden. Die EZB ist diesen Spekulationen jedoch entgegengetreten.

Im Referenzkursverfahren EuroFX wurde der Kurs des Euro mit 1,2045 (Freitag 1,2236) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs mit 1,2062 (1,2229) Dollar. Zum Schweizer Franken legte der Dollar am Montag ebenfalls zu. Die US-Währung kostete am Nachmittag 1,2747 Franken.

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