IfW-Konjunkturprognose Schwungvoller Jahresauftakt

Im März hatte das Institut für Weltwirtschaft seine Konjunkturprognose gesenkt. Jetzt zeigen sich die Forscher wieder etwas optimistischer - und haben die Wachstumsvoraussage für 2005 auf 0,7 Prozent erhöht. Die deutsche Wirtschaft sei mit viel Schwung ins neue Jahr gestartet. Schwachpunkt bleibe die Binnennachfrage.

Kiel - Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat nach einem unerwartet schwungvollen Start in das neue Jahr seine Wachstumsprognose für Deutschland 2005 leicht angehoben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Jahr um 0,7 Prozent wachsen, teilte das Kieler Institut am Montag in seiner jüngsten Konjunkturprognose mit. Erst im März hatten die Forscher ihre Prognose auf 0,6 Prozent gesenkt.

Die Konjunkturschwäche in Deutschland werde allerdings "nur zögerlich" überwunden, schreiben die Forscher. Die deutsche Wirtschaft sei "mit viel Schwung" in das Jahr 2005 gestartet. Das reale Bruttoinlandsprodukt sei im ersten Quartal saison- und arbeitstäglich bereinigt mit einer Jahresrate von 4,2 Prozent gewachsen. Allerdings wiesen Stimmungsindikatoren darauf hin, dass sich die konjunkturelle Dynamik nach der Jahreswende bereits wieder abgeschwächt habe.

Nach dem für das zweite Quartal erwarteten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1 Prozent in der laufenden Jahresrate dürfte das reale BIP nach der Jahresmitte wieder steigen, schreiben die Experten. Die Kapazitätsauslastung dürfte den Forschern zufolge aber weiter abnehmen. Die Exporte dürften aufgrund der eingetrübten Konjunktur im übrigen Euroraum nur moderat zulegen.

Noch verhaltener steige die Binnennachfrage: "Angesichts sinkender Absatzerwartungen und hoher Rohstoffkosten warten die Unternehmen mit Investitionen ab", schreiben die Forscher. Auch die privaten Haushalte hielten sich aufgrund der gestiegenen Aufwendungen für Treibstoff und andere Energieträger sowie der schlechten Arbeitsmarktlage zurück. Der Wohnungsbau nehme weiter ab, wenn auch langsamer als zuvor.

Defizit auch 2006 zu hoch

Deutschland bricht auch 2006 Stabilitätspakt

Für 2006 erwarten die Forscher weiter ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Die Konjunktur im übrigen Euroraum sowie in anderen Teilen der Welt werde wieder an Schwung gewinnen. Vor diesem Hintergrund sei in Deutschland mit einer beschleunigten Zunahme der Auslandsnachfrage zu rechnen. Die Unternehmen dürften bei verbesserten Absatzerwartungen wieder vermehrt investieren, zumal auch die Kostensituation angesichts niedriger Zinsen, geringer Lohnsteigerungen und leicht fallender Rohstoffpreise günstig sei und weitere steuerliche Entlastungen anstünden.

Die privaten Konsumausgaben werden dem Institut zufolge vor dem Hintergrund etwas verbesserter Arbeitsmarktperspektiven ebenfalls rascher ausgeweitet. Alles in allem wird das reale Bruttoinlandsprodukt bereinigt um die Zahl der Arbeitstage 2005 um 0,9 Prozent und 2006 um 1,4 Prozent zunehmen.

Keine Zinserhöhung in Europa

Trotzdem wird Deutschland nach Einschätzung des IfW auch 2006 das Defizitkriterium des europäischen Stabilitätspaktes verfehlen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte die Neuverschuldung 2006 mit 3,2 Prozent weiter über der Höchstgrenze von 3,0 Prozent liegen, teilte das Institut mit.

Für das laufende Jahr rechnen die Forscher unterdessen mit einer leichten Entspannung. Der schwungvolle Start in das neue Jahr lasse insgesamt eine etwas höhere Wachstumsdynamik für das laufende Jahr erwarten. Vor diesem Hintergrund rechnet das Institut mit einem Defizit von 3,4 Prozent. Bisher waren die Forscher von 3,5 Prozent ausgegangen. Im Vergleich zum Defizit 2004 mit 3,6 Prozent ergibt sich für 2005 und 2006 insgesamt ein merklicher Rückgang.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet in der Eurozone bis spät in das Jahr 2006 hinein keine Anhebung der Leitzinsen. Auch eine Senkung der Leitzinsen, wie sie zuletzt in der Politik oft gefordert wurde, sei wenig wahrscheinlich. Dagegen sprächen die Bedenken der Europäischen Zentralbank (EZB), dass bereits bei der gegenwärtigen Politik ein Übermaß an Liquidität bereitgestellt wird. Es bestehe die Gefahr, dass in einer Reihe von Ländern zu beobachtende Inflation an den Immobilienmärkten weiter angeheizt werden würde.

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