Großfusion UniCredito kauft HypoVereinsbank

Italiens ertragsstärkste Großbank UniCredito schluckt für rund 15 Milliarden Euro die HypoVereinsbank - und damit die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank. Die größte Bankenfusion in der europäischen Geschichte ist perfekt.

Mailand/München - Der Weg für die milliardenschwere Übernahme der HypoVereinsbank  durch die italienische UniCredito Italiano  ist frei. Der Aufsichtsrat der HypoVereinsbank empfahl seinen Aktionären, das Übernahmeangebot der Italiener anzunehmen. "Das ist ein bedeutender Tag in der Geschichte unseres Hauses", sagte HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl in München.

UniCredito bietet für die HVB gut 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Die bisher größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa soll im Oktober abgeschlossen werden.

Die Aufsichtsräte der beiden Banken tagten den ganzen Sonntag über. Zuvor hatten die beiden Banken als letzten kritischen Punkt den Übernahmepreis ausgehandelt. UniCredito bietet den HypoVereinsbank-Aktionären fünf eigene Aktien je HVB-Anteilsschein. Auf Basis der Schlusskurse vom Freitag entspricht dies einer Bewertung von etwa 20,50 Euro je HVB-Aktie oder insgesamt 15,1 Milliarden Euro.

Die gesamte Transaktion dürfte nach früheren Angaben von Managern bei Zustimmung der Aktionäre bis Herbst abgeschlossen sein. Zunächst muss noch eine außerordentliche Hauptversammlung der UniCredito-Anteilseigner am 27. Juli das Vorhaben billigen, bevor das Angebot zum Tausch der Aktien im August unterbreitet werden kann.

HypoVereinsbanker stellen fünf von elf Vorständen

In den Aufsichtsräten gab es offenbar keinen größeren Widerstand gegen die Bewertung. In den vergangenen Tagen war bereits über ein Umtauschverhältnis von 5:1 spekuliert worden. Allerdings war der Aktienkurs von UniCredito zuletzt gefallen, so dass auch eine Aufstockung oder eine zusätzliche Barkomponente für möglich gehalten wurde.

Bei dem Zusammenschluss handelt es sich um eine Übernahme der HVB durch UniCredito. Allerdings sollen die Münchner dem Vernehmen nach fünf von elf Vorstandsmitgliedern der neuen UniCredito-Gruppe stellen. Mit an Bord sind bei der neuen Großbank voraussichtlich die bisherigen HVB-Manager Stefan Jentzsch (Investmentbanking), Michael Kemmer (Risikokontrolle) und Erich Hampel (Osteuropa).

Zudem sollen die Münchner einen Integrationsvorstand und den Verantwortlichen für das Geschäft mit kleineren Firmenkunden stellen. HVB-Chef Dieter Rampl wird laut Finanzkreisen als Präsident den UniCredito-Aufsichtsrat führen. Vorstandschef bleibt der bisherige UniCredito-Chef Alessandro Profumo.

Aufstieg in die Top Ten

Durch den Zusammenschluss entsteht die nach Börsenwert neuntgrößte Bank Europas. Gemeinsam kommen HypoVereinsbank und UniCredito auf eine Bilanzsumme von 730 Milliarden Euro und 126.000 Beschäftigte. Der gemeinsame Marktwert der neuen Bank liegt nach jetzigem Stand bei rund 41 Milliarden Euro und damit höher als der des deutschen Branchenprimus Deutsche Bank. Die fusionierte Bank wird mehr als 28 Millionen Kunden haben und mehr als 7000 Geschäftsstellen in 19 Ländern unterhalten. Vor allem in Osteuropa ist wegen zahlreicher Überschneidungen nach einem Zusammenschluss mit Arbeitsplatzabbau zu rechnen.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" strebt die italienische Großbank einen Abbau von 9.850 Arbeitsplätzen in dem fusionierten Geldinstitut an. Bislang war in der Branche ein Abbau von etwa 5.000 Stellen vorrangig in Osteuropa vermutet worden. Auch dadurch sollen jährliche Kosteneinsparungen in Höhe von mehr als 900 Millionen Euro möglich werden.

Die aus dem Zusammenschluss von UniCredito und HVB entstehende europäische Großbank rechnet in den kommenden Jahren mit deutlichen Gewinnsteigerungen. Der Gewinn je Aktie solle bis 2007 jährlich um im Schnitt 26 Prozent zulegen, teilte die HVB am Sonntagabend in München mit. Binnen dreier Jahre soll zudem eine Eigenkapitalrendite in Höhe von 18 Prozent erwirtschaftet werden. Der Zusammenschluss solle zugleich dazu führen, dass die Kernkapitalquote dank internen Wachstums auf 6,4 Prozent im Jahr 2007 von 5,3 Prozent im laufenden Jahr steige.

Ende zweier bayerischer Banken

Kritisch äußerte sich der Bank- und Börsenexperte Wolfgang Gerke zu der Übernahme. "Zwei urbayerische Banken, die zur HVB zusammengefunden hatten, müssten jetzt sagen: Wir alleine sind nicht stark genug, um im deutschen Markt weiter zu bestehen", sagte der Professor der Universität Erlangen-Nürnberg. Die wichtigsten Entscheidungen würden in Zukunft in Italien getroffen.

"Wenn man sich einmal anschaut, wie stark die deutschen Banken international einmal gewesen sind, ist das schon sehr traurig." Nach Einschätzung Gerkes sind etwaige Arbeitsplatzgarantien nicht allzu hoch zu bewerten: "Darauf kann man gar nichts geben. Die Italiener sind scharfe Rechner und Herr Profumo hat auch bewiesen, dass er ein hervorragender Manager ist."

Die HVB beschäftigt rund 26.000 Mitarbeiter in Deutschland, die meisten davon in Bayern.

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