Manchester United Abschied von Börse und Vermögen

Manchester United, der reichste Fußballclub der Welt, ist möglicherweise bald hoch verschuldet. Nach der feindlichen Übernahme des Traditionsvereins will US-Milliardär Malcolm Glazer ManU Ende Juni von der Börse nehmen. Experten erwarten, dass er dann mehrere Hundert Millionen Euro Verbindlichkeiten auf den Club übertragen wird.

London - Nachdem Glazer zu Wochenbeginn seinen Anteil bei ManU  auf 76,2 Prozent erhöhen konnte, hat er nun alle Vollmachten und nutzt diese auch. Der Selfmade-Milliardär hat den verbliebenen Aktienbesitzern eine Frist bis zum 13. Juni gesetzt, ihre Anteile zu verkaufen. Doch unabhängig davon, ob sie dem nachkommen, sind die nächsten Schritte bereits beschlossen: Nach 14 Jahren an der Londoner Börse wird Manchester United spätestens am 30. Juni wieder ein Privatunternehmen.

Die Fans fürchten das Schlimmste, dass nämlich der stets schuldenfrei geführte Club künftig unter der Schuldenlast schwer zu tragen hat. Von steigenden Ticket-, Getränke- und Merchandisingpreisen ganz zu schweigen. Die Anhänger haben zum Boykott aufgerufen: Produkte von Manchesters Sponsoren, wie Nike , Vodafone  und Audi , sollen verschmäht werden.

Denn Glazer hat "ManU" auf Pump gekauft. Von den 1,15 Milliarden Euro, die die Übernahme kostete, hat er sich jeweils rund 400 Millionen Euro bei Banken und von drei US-Hedgefonds geliehen. Er kommt deshalb nicht umhin, das Vermögen des Champions-League-Siegers von 1999 zu beleihen.

Glazer hat völlig andere Interessen als beispielsweise Chelseas Besitzer Roman Abramowitsch, der sich mit seinem Milliardenvermögen einen Kindheitstraum erfüllte und nur Erfolge feiern möchte - koste es was es wolle. Der 76 Jahre alte Amerikaner sieht sein Engagement als Investition. Sein einziges Ziel: noch mehr Profit machen. Ohne sportlichen Erfolg geht das nicht, aber Glazer wird - so die Befürchtung der Fans - alles zu Geld machen, was nur irgendwie geht.

"Nike-Arena" statt "Old Trafford"

Die Tradition steht auf dem Spiel. Das Stadion "Old Trafford" könnte schon bald "Nike-Arena" heißen. Glazer könnte versuchen, die Fernsehrechte einzeln zu vermarkten oder die Verpflichtung teurer Spieler ablehnen, um höhere Gewinne einzufahren. Und was wird aus Trainerlegende Alex Ferguson? Der Schotte hat sich mehrfach öffentlich gegen die Übernahme ausgesprochen.

Ein Blick nach Amerika zeigt, wie Glazer vorgeht: Er kaufte 1995 den mittelmäßigen NFL-Club Tampa Bay Buccaneers. 2003 gewann der Verein den Super Bowl und ist heute vier Mal so viel Wert wie vor zehn Jahren. Aber Blazer feuerte nach der Übernahme den Trainer, wechselte das Maskottchen aus und änderte die Mannschaftsfarben von orange auf rot-schwarz. Nun droht auch in Manchester das auf der Strecke zu bleiben, was den Fans so viel bedeutet.

Dominik Lauck, dpa