Deutsche Bank Die Optionen des Josef Ackermann

Der Markt scheint der jüngsten Erfolgsstory der Deutschen Bank nicht so recht zu trauen. Will Vorstandschef Josef Ackermann sein Renditeziel erreichen und auch zu europäischen Spitzenbanken aufschließen, bleiben ihm nur wenige Optionen. Doch selbst diese sind beschränkt, sagen Analysten.

Hamburg - Irgendwie scheint der Markt der jüngsten Erfolgsgeschichte des deutschen Branchenprimus nicht so recht folgen zu wollen. Trotz ihres hervorragenden Quartalsergebnisses, das die Deutsche Bank  am Freitag detailliert dargelegt hat, ging der Titel 2,53 Prozent schwächer aus dem Handel. Damit waren die Vortagesgewinne mehr als aufgezehrt.

Sind die Zweifel berechtigt? "Die Zahlen haben unsere kühnsten Erwartungen übertroffen", sagt Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Fakt ist aber: Die Deutsche Bank wird dieses Ergebnis im laufenden Jahr nicht wiederholen können." Gleich lautend äußert sich Konrad Becker von Merck Finck. Gerade mit Blick auf den Handel sei das erste Quartal erfahrungsgemäß das stärkste. Zudem habe ein gutes Börsenumfeld die Geschäfte der Bank beflügelt, erklären die Analysten im Gespräch mit manager-magazin.de. Und das, gibt Vorstandschef Ackermann zu verstehen, habe sich seit Mitte März verschlechtert.

Gleichwohl sieht sich die Bank auf gutem Weg, das angestrebte Ziel einer bereinigten Vorsteuerrendite von 25 Prozent zu erreichen, wie Finanzvorstand Clemens Börsig den Analysten am Freitag in einer Telefonkonferenz erklärt. "Wir sind weiter optimistisch, dass die Deutsche Bank ihr Ziel erreichen kann", stimmt Kayser nach der Konferenz zu.

Ohne das Rekordergebnis schmälern zu wollen, stellt er aber klar, dass Bankchef Ackermann Anfang dieses Jahres das Renditeziel "verwässert" habe, weil er die Kosten des Personalabbaus eben nicht mehr eingerechnet wissen will. So weit die Historie.

Die "magische 25" hat Josef Ackermann im ersten Quartal vor allem Dank eines herausragenden Handelsergebnisses weit hinter sich gelassen. Wie aber geht's weiter, wo muss der Schweizer ansetzen, um zu der deutlich profitabler arbeitenden europäischen Konkurrenz aufschließen zu können?

Die drei Alternativen

Die Bank muss effizienter werden

Die erste Option: Die Deutsche Bank muss effizienter werden. Und das bedeutet im Ergebnis nichts anderes als dort Personal abzubauen, wo es sich nicht rechnet, sagt Analyst Kayser.

Ackermann hat am Freitag den geplanten Abbau von weltweit 6400 Stellen - netto 1920 davon in Deutschland - trotz des gestiegenen Gewinns gegen die Kritik vieler Politiker und Geistlicher verteidigt. Die Maßnahmen seien schmerzhaft. Doch um wettbewerbsfähiger zu werden, müsse die Bank die Kosten senken und rentabler werden. "Die Renditen der europäischen und internationalen Konkurrenz sprechen für sich, man kann dem Vorstand da nur zustimmen", sagt Analyst Kayser. Die Bank müsse den Anschluss zumindest an die europäischen Spitzenbanken finden.

Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen ergänzt gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" (Montagausgabe), die Eigenkapitalrendite sei nur Mittel zum Zweck, um einen höheren Börsenwert zu erreichen. Den benötige das Unternehmen, um die eigene Zukunft als internationale Bank sichern zu können. Mit dem aktuellen Börsenwert könne die Bank die strategische Option nicht wahrnehmen, externes Wachstum so anzugehen wie die besten Konkurrenten.

Die Bank kauft weitere Aktien zurück

Option zwei: Die Bank kauft weiter eigene Aktien zurück und erhöht damit die Rendite auf das Eigenkapital. Das praktiziert die Deutsche Bank seit Jahren und in höchster Konsequenz. Insgesamt hat sie mit dem jetzt abgeschlossenen dritten Rückkaufprogramm rund zehn Milliarden Euro für den Erwerb eigener Titel aufgewendet. Seit 2002 erwarb sie damit etwa ein Viertel der eigenen Wertpapiere zurück. Den überwiegenden Teil der Aktien zieht die Bank ein, wodurch bereits bei einem konstanten Gewinn die Rendite steigt.

"Ich kenne in Deutschland kein anderes Unternehmen, das so viel Aktien zurückkauft wie die Deutsche Bank", erklärt Analyst Becker dazu. Das vierte Rückkaufprogramm sei bereits aufgelegt. Auf der kommenden Hauptversammlung werde sich der Vorstand der Deutschen Bank ein weiteres milliardenschweres Rückkaufprogramm genehmigen lassen.

Die Erträge im Privatkundengeschäft müssen steigen

Option drei: Die Erträge müssen steigen. Immerhin - die Deutsche Bank hat ihr bereinigtes Vorsteuerergebnis in dem Bereich Privat Client and Asset Management (PCAM) - also dem Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung - mit 408 Millionen Euro halten können. Doch gerade im PCAM-Bereich müssen nach Meinung der Analysten die Erträge wachsen, zumal der Boom im Anleihegeschäft, der Paradedisziplin der Bank, sich bald wieder legen dürfte.

Die Hürden im In- und Ausland

Die Hürden im Inland

Die Abhängigkeit vom Investmentbanking durch Wachstum in anderen Bereichen zu verringern, ist erklärtes Ziel der Deutschen Bank. Doch das sagt sich so leicht. "Organisches Wachstum im Privatkundengeschäft ist eine sehr langwierige Angelegenheit. Der Markt in Deutschland stagniert, die Konkurrenz durch andere Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist groß", erklärt Becker von Merck Finck. Und so lange das gesetzlich fixierte Drei-Säulen-Modell den Kauf etwa einer Sparkasse verhindere, blieben die Wachstumschancen im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank im eigenen Land begrenzt.

Commerzbank  oder HypoVereinsbank  stellten für größte deutsche Geschäftsbank auch keine attraktive Alternative dar. "Man kann es drehen wie man will. Alle Kandidaten haben eine geringere Rentabilität. Ihr Kauf würde die Rentabilität der Deutschen Bank nur vermindern und auch nicht ohne Stellenstreichungen ablaufen", wendet Becker ein.

Die Hürden im Ausland

Bleibt also der Blick ins Ausland. "Die Deutsche Bank muss verstärkt versuchen, in Märkten wie Italien, Spanien und Polen aufzusatteln", sagt Kayser von der LRP. Am Vortag noch signalisierte Jürgen Fitschen, Mitglied des erweiterten Vorstandes der Deutschen Bank, man denke über mögliche Zukäufe in Italien nach. In der Analystenkonferenz am Freitag will er dann aber auch auf Nachfrage die Expansionsabsichten in Italien nicht konkretisieren.

Die Deutsche Bank versucht seit Jahren, im Ausland beim Retail-Geschäft zu wachsen. Vor allem in Oberitalien sei ihr das in der Vergangenheit durch den Kauf kleinerer Banken auch ansatzweise gelungen, habe das Institut dort durchaus ein "bemerkenswertes Filalnetz" aufbauen können, erklärt Becker. Der entscheidende Coup allerdings blieb aus.

Derzeit werben eine spanische und eine niederländische Bank jeweils um eine italienische Bank und haben für die Institute Übernahmeofferten abgegeben. Dabei stoßen sie allerdings auf heftigen Widerstand der italienischen Zentralbank. Hätten die Kaufinteressenten Erfolg, sagen Kenner der italienischen Banken-Szene, wäre dies der Auftakt für weitere Übernahmen. Die Deutsche Bank lässt durch Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen mitteilen: "Es ist interessant zu beobachten, wie sich das entwickelt. Momentan schauen wir nur zu."

"Derzeit ist nichts zu holen"

Deutsche Bank: Im Ausland "auf die Nase gefallen"

Dabei würde die Deutsche Bank nur allzu gerne zukaufen, auch in Spanien - wenn sie es denn könnte, sagt Becker. Stünde etwa die hoch profitable Banco Popular  zum Verkauf, die Frankfurter würden sich "die Finger danach lecken". Doch die befindet sich mehrheitlich im Familienbesitz, und die Familie denke gar nicht daran, zu verkaufen.

"Die Vergangenheit hat gezeigt, im Ausland ist derzeit nichts zu holen. Die Deutsche Bank hat es versucht, ist damit auf die Nase gefallen und hat dabei viel Lehrgeld bezahlt, vor allem in Frankreich", zieht der Analyst von Merck Finck ein ernüchterndes Fazit. Das müsse nicht für alle Ewigkeit so bleiben, schränkt er ein.

In den nächsten ein bis zwei Jahren dürfte es Ackermann aber nicht gelingen, durch deutliche Ertragszuwächse im Privatkundengeschäft das Übergewicht des Investmentbanking am Gesamtergebnis der Deutschen Bank auszugleichen. Ähnlich sieht es Analyst Kayser: "Die Deutsche Bank wird auch in Zukunft stark von der Entwicklung der Kapitalmärkte abhängig sein."

Einen kleinen Lichtblick konnte Finanzvorstand Clemens Börsig in der Analystenkonferenz am Freitag immerhin präsentieren. Der Manager wies darauf hin, dass das Kreditvolumen im Retail-Banking gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich angestiegen sei. Da sich das Retail-Banking zum Großteil in Deutschland abspiele, sei das angesichts eines stagnierenden Privatkundengeschäftes schon "beachtlich", lobt Becker.