T-Online-Hauptversammlung Verschmelzung mit der Deutschen Telekom vollzogen

Einige Anleger sind während der Hauptversammlung so aufgebracht, dass T-Online-Aufsichtsratschef Kai-Uwe Ricke auf die Hilfe der Polizei zurückgreifen muss. Die dennoch vollzogene Verschmelzung der Telekom mit T-Online hat sich zumindest für den scheidenden T-Online-Chef Thomas Holtrop schon jetzt gelohnt.

Hannover - Der im September vorigen Jahres zurückgetretene T-Online-Vorstandsvorsitzende Thomas Holtrop hat eine Abfindung von rund 3,7 Millionen Euro erhalten. Das sagte der Aufsichtsratsvorsitzende des Internetunternehmens, Kai-Uwe Ricke, am Freitag auf der Hauptversammlung der T-Online International AG in Hannover. Die Barabfindung für Aktionäre, die T-Online im Sommer 2000 mit einem Emissionspreis von 27 Euro je Aktie finanziert hatten, betrug dagegen 8,99 Euro je Anteilsschein. Holtrops Vertrag habe eine Laufzeit bis Ende November 2007 gehabt.

Werben für die Verschmelzung: Der Vorstandsvorsitzende von T-Online, Rainer Beaujean (M) und der Aufsichtsratsvorsitzende Kai-Uwe Ricke (rechts)

Werben für die Verschmelzung: Der Vorstandsvorsitzende von T-Online, Rainer Beaujean (M) und der Aufsichtsratsvorsitzende Kai-Uwe Ricke (rechts)

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"Bleiben als Schnellboot erhalten": T-Online-Chef Rainer Beaujean kann die Aktionäre kaum besänftigen

"Bleiben als Schnellboot erhalten": T-Online-Chef Rainer Beaujean kann die Aktionäre kaum besänftigen

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Der Aufsichtsratschef genießt und schweigt: Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke (im Hintergrund) lässt während der Hauptversammlung T-Online-Chef Rainer Beaujean den Vortritt

Der Aufsichtsratschef genießt und schweigt: Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke (im Hintergrund) lässt während der Hauptversammlung T-Online-Chef Rainer Beaujean den Vortritt

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T-Online-Vorstand muss nachsitzen
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Aktionäre von T-Online haben auch am zweiten Tag der letzten Hauptversammlung des Unternehmens die Verschmelzung des Internetanbieters auf den Mutterkonzern Deutsche Telekom heftig kritisiert. Nur noch rund hundert von ihnen nahmen den Weg in die TUI-Arena in Hannover am Freitag auf sich, wo die Hauptversammlung am Donnerstag nach rund zwölf Stunden Aussprache vertagt worden war.

Doch die wenigen verbliebenen Aktionäre wurden nicht müde, die nach ihrer Ansicht gravierenden Nachteile der Verschmelzung für sie als Anteilseigner aufzuzeigen und sich über das Bar- und Umtauschangebot der Telekom zu beschweren.

Mehrfach musste T-Online-Aufsichtsratschef und Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke die Redner am Pult zum Beenden ihrer Redebeiträge auffordern und Zwischenrufer zur Disziplin mahnen.

"Ich muss Ihnen jetzt das Wort entziehen"

Ein Aktionär ließ sich sogar nach mehr als einer Stunde Redezeit nur noch mit Hilfe der Polizei vom Rednerpult drängen. Nicht nur mit Worten, auch visuell hatte er seinem Unmut zuvor Luft gemacht. "TOP 9 Nein Danke" war auf einem Schild zu lesen, das er mitgebracht hatte. Nach rund einer Stunde Redezeit hatte ihm Ricke das Wort entzogen und das Mikrofon abgeschaltet. Als der Aktionär daraufhin immer noch weiterredete, wurde er von der Polizei aus dem Raum eskortiert. Der Anleger vergewisserte sich noch einmal, ob seine Abführung durch die niedersächsische Polizei aus der TUI-Arena auch protokolliert wurde.

An dem erwarteten Abstimmungsergebnis für die Verschmelzung von T-Online und Deutscher Telekom konnten allerdings auch die letzten 100 Kleinaktionäre nichts mehr ändern. Die Hauptversammlung des Internetproviders hat dem Verschmelzungsvertrag mit der Deutschen Telekom am Freitagabend mit großer Mehrheit zugestimmt: 99,46 Prozent sprachen sich am Ende des zweitägigen Aktionärstreffens für den Vertrag aus.

Das Ergebnis war erwartet worden, weil die Telekom mittlerweile über 90 Prozent der T-Online-Aktien verfügt. Einige Aktionäre gaben jedoch Widerspruch gegen das Abstimmungsergebnis zu Protokoll und verschafften sich damit die Möglichkeit, innerhalb von vier Wochen eine Anfechtungsklage gegen den Verschmelzungsbeschluss beim zuständigen Gericht einzureichen.

Wann eine Anfechtungsklage Erfolg verspricht

Wann eine Anfechtungsklage Erfolg verspricht

Mit Listen von teilweise über 100 Fragen bohrten die Kleinaktionäre beim Vorstand nach, um Munition für eine mögliche Klage zu erhalten. Experten räumen solchen Klagen jedoch keine großen Erfolgschancen ein, wenn keine klaren Formfehler vorliegen.

"Die meisten erfolgreichen Anfechtungsklagen bauen auf formelle Fehler im Vorfeld der HV", sagte ein Wirtschaftsprüfer, der nicht in die Verschmelzung involviert ist. Wenig erfolgsversprechend sei es, mit Fragen zu argumentieren, die auf der Hauptversammlung nicht oder falsch beantwortet wurden.

Schließlich gebe es noch die Möglichkeit, mit der Treuwidrigkeit des Großaktionärs zu argumentieren. "Dazu müsste man nachweisen, dass der wirklich bösartig gewesen ist. Also zum Beispiel die Aktie an die Börse gebracht hat mit der Absicht und in dem Wissen, sie nachher für weniger zurückzukaufen. Das ist wahnsinnig schwierig nachzuweisen."

Spruchstellenverfahren als Alternative

Erfahrungsgemäß entscheide der Richter innerhalb von vier bis sechs Wochen über solche Anfechtungsklagen. Solange liege die Verschmelzung auf Eis, erläuterte der Wirtschaftsprüfer. Außerdem werde man prüfen, ob man die Fusion gerichtlich anfechten könne. Eine Anfechtungsklage werde jedoch mindestens 100.000 Euro kosten, daher müssten die Erfolgsaussichten wegen des finanziellen Risikos genau geprüft werden.

Kommt es binnen vier Wochen nicht zu einer Anfechtungsklage gegen die Verschmelzung, wollen Aktionärsvertreter zumindest ein Spruchstellenverfahren einleiten. Dieses Verfahren richtet sich nicht gegen die Verschmelzung an sich, sondern zielt darauf, eine bessere Bewertung von T-Online und damit für die Aktionäre ein besseres Umtauschangebot zu erkämpfen. Von diesem Verfahren würden alle T-Online-Aktionäre profitieren, die sich nicht mit der Barabfindung von 8,99 Euro begnügt haben.

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