Volkswagen Rote Zahlen in China und Nordamerika

Volkswagen kommt mit seinem Sparprogramm schneller als vom Markt erwartet voran. In den USA geriet der Konzern jedoch im ersten Quartal tiefer in die Verlustzone. Und auch in China schreibt der bis dahin erfolgsverwöhnte Autobauer plötzlich rote Zahlen.

Frankfurt - Aktien von Volkswagen  sind am Freitag nach Vorlage der endgültigen Zahlen zum ersten Quartal zeitweilig an die Spitze des Dax  geklettert, mussten dann aber einen Teil ihrer Zugewinne wieder abgeben. Die Papiere des Autobauers verbuchten bis 11.15 Uhr noch ein Plus von 1,32 Prozent auf 32,30 Euro. Beim Sorgenkind von Europas größtem Autobauer, der Markengruppe VW, zeichnete sich eine leichte Besserung ab.

Die Markengruppe, zu der neben der Hauptmarke VW auch Skoda, Bentley und Bugatti gehören, verbuchte im ersten Quartal 2005 zwar immer noch einen operativen Verlust, verringerte ihn aber auf 53 Millionen Euro von 71 Millionen im Vorjahr. Den endgültigen Quartalszahlen zufolge steigerte die Markengruppe Audi ihren operativen Gewinn um 22,5 Prozent auf 303 Millionen Euro. Die Nutzfahrzeugsparte verringerte ihren Verlust auf 39 (Vorjahr: 88) Millionen Euro.

Verluste im Nordamerika- und China-Geschäft

Sorgen bereiten Volkswagen weiter die Märkte in Nordamerika und China. In Nordamerika fiel im ersten Quartal ein operativer Verlust von 328 Millionen Euro an. In China, dem nach Deutschland zweitwichtigsten Markt von Volkswagen, rutschte der Konzern auch in die roten Zahlen. Nach einem operativen Gewinn von 106 Millionen im Vorjahr wies VW für das Auftaktquartal 2005 einen anteiligen Verlust von 17 Millionen Euro aus.

Kernzahlen zum Quartal hatte der Wolfsburger Autobauer schon in der vergangenen Woche veröffentlicht. Danach verbesserte sich der operative Konzerngewinn dank des Sparprogramms "ForMotion" um mehr als 40 Prozent auf 464 Millionen Euro und übertraf damit über die Markterwartungen. In den ersten drei Monaten seien 684 Millionen Euro eingespart worden.

Der Reingewinn des Konzerns hatte sich im ersten Quartal bei einem um 2,4 Prozent auf 21,12 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz dank der Einsparerfolge auf 70 Millionen Euro fast verdreifacht. Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte vor den Aktionären auf der Hauptversammlung angekündigt, die folgenden drei Quartale würden auf jeden Fall besser ausfallen als das Auftaktquartal.

Marktbeobachter loben die Einsparungen

Marktbeobachter loben die erreichten Einsparungen

Nach einer ersten Einschätzung eines Analysten fielen die Zahlen insgesamt gut aus. Besonders positiv seien die Einsparungen beim Sparprogramm "ForMotion" von 684 Millionen Euro. Das Ziel, durch das Programm in diesem Jahr 3,1 Milliarden Euro einzusparen, sei durchaus realistisch. Zudem sei jetzt der Verlust im Chinageschäft bekannt. Trotz des Minus dürfte das Chinageschäft auf lange Sicht positive Beiträge liefern.

Ein Händler hob ebenfalls hervor, dass die Einsparungen von 684 Millionen Euro höher als erwartet ausgefallen seien. Ein anderer Börsianer betonte, dass das Chinageschäft bei VW nicht so schlecht gelaufen sei wie es einzelne Marktteilnehmer erwartet hatten. Allerdings habe die Marke VW schlechter als erwartet abgeschnitten, Audi dagegen besser.

Goldman Sachs sieht China-Geschäft pessimistisch

Mehrere Analysten - unter anderem von der Deutschen Bank - hatten im Vorfeld mit einem bis zu dreistelligen Verlust in China gerechnet. Die Experten von Goldman Sachs erwarten für das China-Geschäft von Volkswagen in diesem Jahr mindestens mit einem Verlust von 400 Millionen Euro. Vorstandschef Pischetsrieder hatte in der vergangenen Woche auf der Hauptversammlung allerdings erklärt, dass für das Gesamtjahr mit einem ausgeglichenen Ergebnis aus China gerechnet werde nach einem Gewinn von 222 Millionen Euro im Vorjahr.