Deutsche Bank Die magische 25 weit übertroffen

25 Prozent Eigenkapitalrendite waren das erklärte Ziel von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Im ersten Quartal hat sein Finanzkonzern diese Marke weit übertroffen und eine Rendite von 30 Prozent erwirtschaftet. Denn entgegen allen Erwartungen stieg der Quartalsgewinn kräftig an.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank  hat im ersten Quartal 2005 ihren Gewinn überraschend deutlich gesteigert und die Markterwartungen weit übertroffen.

Der Gewinn nach Steuern sei von Januar bis März 2005 von 941 Millionen Euro im Vorjahr auf aktuell 1,1 Milliarden Euro gestiegen, teilte Deutschlands größte Bank am Donnerstag in Frankfurt mit. Vor Steuern sei der Gewinn von 1,56 auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Analysten hatten im Schnitt nur einen Quartalsüberschuss in Höhe von 794 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern von 1,29 Milliarden Euro erwartet.

Ihren Gewinn hat die Deutschen Bank im ersten Quartal 2005 vor allem dank eines starken Handelsgeschäfts deutlich gesteigert. Das Geschäft mit Aktien, Rentenpapieren und Optionen stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18,5 Prozent auf 2,41 Milliarden Euro. "Der Ergebniszuwachs ist fast ausschließlich im Ausland erzielt worden", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Die Eigenkapitalrendite vor Steuern betrug im ersten Quartal 30 Prozent nach 24 Prozent im Vorjahr. Ohne die Kosten des Konzernumbaus lag die für Investoren wichtige Rendite sogar bei 33 Prozent. Damit nähere sich die Bank aber nur der für das Gesamtjahr angepeilten Eigenkapitalrendite von 25 Prozent an, da das erste Vierteljahr saisonbedingt das stäkste Quartal des Jahres bei Deutschlands führender Bank sei, sagte Ackermann.

Dies dürfte vor allem für den Geschäftsbereich Sales & Trading von Schuldtiteln gelten, einer traditionellen Stärke der Deutschen Bank. Auf Grund der hohen Aktivität von Emittenten zu Jahresbeginn verzeichnet die Bank im Startquartal regelmäßig hohe Erträge. Von Januar bis März wuchsen die wechselkursbereinigten Erträge hier um 30 Prozent. Ackermann zufolge war die Deutsche Bank damit in diesem Bereich weltweit die Nummer Eins.

Privatkundengeschäft unter Druck

Neben dem freundlichen Marktumfeld trug dazu auch die Zusammenführung des Renten- und Aktiengeschäfts bei. Insgesamt legten die bereinigten Erträge der Corporate & Investment Bank binnen Jahresfrist um 14 Prozent, das bereinigte Ergebnis um 40 Prozent zu. Im zweiten Konzernstandbein, dem Privatkundengeschäft und dem Asset Management, verzeichnete die Deutsche Bank dagegen einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses auf 363 Millionen Euro, nach 409 Millionen Euro im Vorjahr. Die Erträge lagen indes mit rund 2 Milliarden Euro auf dem Niveau des Vorjahresquartals.

Im Unterbereich Private & Business Clients, dem eigentlichen Privatkundengeschäft, lag das Ergebnis vor Steuern trotz stabiler Erträge leicht unter dem Vorjahresniveau. Ausschlaggebend sind der Deutschen Bank zufolge höhere operative Kosten nach dem Ausbau der Vertriebsorganisation.

Börsianer bemängelten die "enttäuschende Zusammensetzung der Erträge" bei der Deutschen Bank. So sei der Provisionsüberschuss schwächer als erwartet ausgefallen. Negativ wurde auch der Gewinnrückgang im Privatkundengeschäft aufgenommen.

Die Zahl der Mitarbeiter der Deutschen Bank sank in den ersten drei Monaten des Jahres weltweit um 890 auf 64.527. Die Bank hatte Anfang Februar angekündigt, knapp acht Prozent ihrer Stellen - immerhin rund 5200 Arbeitsplätze - streichen zu wollen. Bekannt war bereits, dass Deutschlands größtes Geldhaus allein hierzulande künftig mit 1920 Stellen weniger auskommen will. Ende März beschäftigte die Bank im Inland 27.026 Mitarbeiter.

In einem Brief an die Aktionäre verteidigte Ackermann den Stellenabbau: "Zur langfristigen Sicherung unserer Wettbewerbsfähigkeit werden wir dort an der Verbesserung unserer Kosteneffizienz arbeiten, wo noch Nachholbedarf besteht. Die Maßnahmen sind schmerzhaft, aber wir haben keine Alternative."

Beobachter rechnen damit, dass Ackermann auf Grund der harten Haltung bei der Restrukturierung unter öffentlichen Druck geraten wird. Bereits am Donnerstag nach der Veröffentlichung der ersten Eckdaten zum ersten Quartal hatten Politiker die Geschäftspolitik des Bankers angegriffen. Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas beispielsweise forderte die Deutsche Bank auf, den geplanten Stellenabbau rückgängig zu machen. Für die Streichungen gebe es spätestens nach dem Gewinnsprung des Konzerns im ersten Quartal dieses Jahres "keinerlei Rechtfertigung mehr", sagte Maas.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist nach den gestrigen kräftigen Gewinnen wieder leicht gesunken. Die Papiere stehen in Frankfurt derzeit mit 0,2 Prozent im Minus, bei aktuell 64,45 Euro.