Märkte US-Inlandsprodukt bremst den Dax

Deutschlands wichtigster Aktienindex Dax kann seine Vormittagsgewinne nicht halten. Vor allem schlechte Konjunkturdaten aus den USA drücken den Index immer tiefer ins Minus. Im Mittelpunkt des Handelsgeschehens stehen Deutsche-Bank- und Altana-Aktien.

Frankfurt am Main- Der Deutsche Aktienindex (Dax ) hat seine Kursverluste nach einem unerwartet schwachen US-Wirtschaftswachstum im ersten Quartal ausgeweitet. Der Leitindex fiel bis zum Donnerstagnachmittag um 0,6 Prozent auf 4161 Zähler und notierte damit nur wenige Punkte von seinem Jahrestief entfernt. "Die Zahlen aus den USA kann man nur negativ werten", sagte Postbank-Händler Norbert Pütz. "Der überraschend starke Anstieg des Preisdeflators kann schnell wieder eine Diskussion über die Gefahr einer Stagflation auslösen."

Das Bruttoinlandsprodukt stieg nach vorläufigen Berechnungen des US-Handelsministeriums im ersten Quartal um 3,1 Prozent nach einem Plus von 3,8 Prozent im Schlussquartal 2004. Der an den Finanzmärkten stark beachtete Preisdeflator legte im ersten Quartal um 3,2 Prozent zu. Volkswirte hatten ein Wachstum der US-Wirtschaft im ersten Quartal von annualisiert 3,6 Prozent prognostiziert. Beim Preisdeflator hatten sie ein Plus von nur 2,2 Prozent erwartet.

Der Euro legte nach den Daten zur US-Währung zu und notierte bei 1,2927 Dollar. An den Rentenmärkten notierte der richtungweisende Bund-Future elf Tricks im Plus bei 120,69 Punkten.

Zu den gefragtesten Werten im Dax gehören bisher die Titel der Deutschen Bank . Der Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses ist nach der überraschenden Vorlage der Zwischenbilanz am Donnerstag steil angestiegen. Innerhalb weniger Minuten stieg die Aktie um 1,81 Prozent auf 64,80 Euro und setzte sich damit an die Dax-Spitze. "Die Zahlen sind super", sagte ein Händler, der auf den unerwarteten Gewinnanstieg hinwies. Aktuell verbuchen die Deutsche-Bank-Aktien noch ein Plus in Höhe von gut 1,2 Prozent auf aktuell 64,20 Euro.

Ferner gewannen Fresenius Medical Care  1,1 Prozent an Wert hinzu auf 62,15 Euro. Und Continental  verbesserten sich um 0,9 Prozent auf 57,54 Euro.

Ebenfalls auf Interesse bei den Börsenhändlern sind die Aktien von DaimlerChrysler  gestoßen. Die kostspielige Sanierung der Kleinstwagenmarke Smart hat bei dem deutsch-amerikanischen Automobilkonzern DaimlerChrysler  im ersten Quartal zu einem Gewinneinbruch geführt. Dennoch schnitt der Konzern besser ab als von Analysten erwartet.

Der operative Gewinn fiel um 59 Prozent auf 628 Millionen Euro, wie DaimlerChrysler am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten DaimlerChrysler aber nur 323 Millionen Euro zugetraut. Auch der Nettogewinn übertraf mit 288 Millionen Euro die Erwartungen deutlich; im Vorjahr waren es 412 Millionen Euro. Die Pkw-Sparte Mercedes Car Group, zu der auch Smart gehört, rutschte mit 954 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Allein für Smart stellte DaimlerChrysler im ersten Quartal 800 Millionen Euro zurück, insgesamt soll sie bis zu 1,2 Milliarden Euro kosten.

"Die Zahlen sind ordentlich, aber der Ausblick ist nicht so überragend positiv, wie viele gehofft hatten", sagte ein Händler. Analyst Michael Punzet von der LRP sagte: "Die Zahlen sind einen Tick besser als erwartet, insbesondere bei den Nutzfahrzeugen." DaimlerChrysler-Aktien stehen derzeit mit gut 0,9 Prozent im Plus, bei 30,75 Euro.

Aktionäre über Umtauschverhältnis empört

"Aktionäre über Umtauschverhältnis empört"

Altana-Aktien  fielen dagegen nach Vorlage von Zahlen fast um 3,9 Prozent auf 48,80 Euro - und damit so stark, wie bisher keine andere Aktie, die im Dax geführt wird. Das Ergebnis liege am unteren Ende der Erwartungen; auch der Absatz des Hauptumsatzträgers Pantaprazol habe enttäuscht, sagte ein Händler.

In den Fokus der Aktienhändler könnten heute auch noch die Aktien des Internetanbieters T-Online  geraten. Die Aktionäre des Unternehmens entscheiden heute über den endgültigen Rückzug von der Börse. Fünf Jahre nach dem Gang an den Kapitalmarkt geht damit die Selbstständigkeit der Tochterfirma der Deutschen Telekom zu Ende. Im Vorfeld der Hauptversammlung kündigten zahlreiche Aktionäre an, gegen die Wiedereingliederung in den Mutterkonzern zu stimmen und dem Vorstand die Entlastung zu verweigern. Beobachter rechnen mit einem turbulenten Aktionärstreffen in der Tui-Arena in Hannover.

Die Kleinanleger fühlen sich durch die Tauschofferte der Telekom betrogen. Der Bonner Konzern hatte ihnen angeboten, die Papiere in folgendem Verhältnis eintauschen zu können: eine T-Online-Aktie für 0,52 T-Aktien. Damit ist die T-Online-Aktie gerade einmal 8 Euro wert. Das ist weniger als ein Drittel des Preises, den die Anleger seinerzeit beim Börsengang für eine T-Online-Aktie auf den Tisch gelegt hatten. Die Telekom hält bereits mehr als 90 Prozent der T-Online-Anteile.

Royal Dutch/Shell  stehen am heutigen Donnerstag ebenfalls mit Zahlen im Blickpunkt der Börsianer. Der Ölkonzern hat im ersten Quartal wegen des hohen Ölpreises trotz sinkender Produktion den Gewinn kräftig steigern und dabei die Erwartung übertroffen. Der um die Wiederbeschaffungskosten bereinigte Gewinn sei um 28 Prozent auf 5,55 Milliarden Dollar geklettert, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die meisten unabhängigen Experten hatten beim bereinigten Gewinn mit einem Anstieg auf 4,67 Milliarden Dollar gerechnet.

Vom Ölpreis profitiert

Unter dem Strich verdiente das britisch-niederländische Ölkonglomerat mit 6,67 Milliarden Dollar 42 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aktien des Unternehmens haben heute dennoch ein kleines Minus in Höhe von 0,2 Prozent hinnehmen müssen. Royal-Dutch/Shell-Aktien kosten derzeit rund 45,50 Euro.

Rohöl ist zuletzt etwas billiger geworden. Der Preis für einen Barrel der US-Sorte WTI zur Juni-Auslieferung sank bis auf 52,90 Dollar. Grund: Die Rohöllagerbestände in den USA sind nach Angaben des amerikanischen Energieministeriums in der vergangenen Woche deutlich gestiegen, und zwar um 5,5 Millionen auf 324,4 Millionen Barrel; ein Barrel entsprechen 159 Litern. Vor Bekanntgabe der Rohöllagerbestände wurde das Barrel noch zeitweise mit 54,40 Dollar gehandelt.

Der Ölpreis wird nach Einschätzung eines Berichts der Arbeitsgruppe Rohstoffe der Vereinigung Europäischer Konjunkturinstitute im weiteren Verlauf des Jahres 2005 auf etwa 45 Dollar je Barrel sinken. Der anhaltende Auftrieb der Rohstoffpreise habe sich aus einer kräftigen globalen Nachfrage bei Angebotsverknappungen und politischen Spannungen ergeben, so die Experten.

Langfristige Öl-Lieferkontrakte, etwa mit 18 Monaten Laufzeit, kosten derzeit allerdings bereits wieder deutlich mehr als 50 Dollar pro Barrel.