Konjunktur Wachstumsprognose mehr als halbiert

Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland im laufenden Jahr mehr als halbiert. Sie attestieren der Republik eine "fundamentale Schwäche".

Berlin - In ihrem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Frühjahrsgutachten erwarten die Experten für dieses Jahr nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,7 Prozent. Im Herbstgutachten waren noch 1,6 Prozent prognostiziert worden. Im kommenden Jahr werde die gesamtwirtschaftliche Leistung mit 1,5 Prozent wieder etwas kräftiger wachsen.

Die deutsche Wirtschaft befinde sich im Frühjahr 2005 in einer konjunkturellen Schwächephase. Die Erholung sei zum Stillstand gekommen. Ausschlaggebend sei zum einen die langsamere Expansion der Weltwirtschaft; zum anderen hinterlasse die Aufwertung des Euro "Bremsspuren". Die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte blieben schwach, so dass das Nachlassen der Exportdynamik nicht ausgeglichen worden sei.

Bei der Arbeitslosenzahl rechnen die Institute mit einer Durchschnittszahl von 4,84 Millionen im laufenden Jahr. 2006 sollte die Zahl dann ihrer Einschätzung nach fühlbar auf 4,52 Millionen sinken.

"Kein geschlossenes Konzept erkennbar"

"Wenn auch manches in den vergangenen Jahren in Gang gesetzt worden ist, ein geschlossenes Konzept, die Wachstumsmisere zu überwinden, ist nicht erkennbar", kritisierten die Institute. Um die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen bereinigt sehen sie das Wachstum in diesem Jahr bei 0,9 Prozent und im nächsten Jahr bei 1,7 Prozent.

Experten sprechen von fundamentaler Schwäche

Selbst der vorangegangene massive Nachfrageimpuls aus dem Ausland habe keinen nachhaltigen Aufschwung ausgelöst. Die inländische Endnachfrage habe sich nach einem drei Jahre währenden Rückgang im vergangenen Jahr lediglich stabilisiert. In kaum einem anderen Land der Europäischen Union sei die Entwicklung in den vergangenen Jahren so ungünstig verlaufen. "Offenbar leidet die deutsche Wirtschaft unter einer fundamentalen Schwäche", heißt es bei den Forschern.

Im ersten Halbjahr 2005 werde die konjunkturelle Grundtendenz noch verhalten bleiben. Die Konjunktur habe noch nicht wieder richtig Tritt gefasst, heißt es weiter. Im Verlauf des laufenden Jahres dürfte die Schwächephase aber allmählich überwunden werden. Die Rahmenbedingungen seien überwiegend günstig. Die dämpfenden Einflüsse durch hohe Ölpreise ließen nach. Darüber hinaus setze sich die Expansion der Weltwirtschaft "in zügigem Tempo" fort. Davon werde die Ausfuhr getragen. 2006 werde sich die konjunkturelle Erholung leicht verstärken.

Regierung wird ihre Prognose senken

Die Bundesregierung hält noch an ihrer Wachstumsschätzung von 1,6 Prozent in diesem Jahr fest. Sie wird aber am Freitag ihre Prognose aktualisieren, wobei nach Angaben aus Regierungskreisen alles auf einen neuen Schätzwert von rund einem Prozent hindeutet.

Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sind das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, das Hamburgisches- Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI), Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) München, das Institut für Weltwirtschaft (IfW) Kiel, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sowie das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftforschung (RWI) Essen. Sie erstellen jeweils im Frühjahr und Herbst ein Gemeinschaftsgutachten über die Entwicklung der Wirtschaft.

Mehr lesen über