Infineon Verlust deutlich höher als erwartet

Der Halbleiterhersteller Infineon hat im zweiten Quartal unerwartet hohe Verluste geschrieben. Auch die Umsätze sanken stärker als erwartet. Der Ausblick von Vorstandschef Wolfgang Ziebart stimmt nicht optimistisch.

München - Der Halbleiterhersteller Infineon  ist im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2004/2005 (Ende: 31. März) stärker ins Minus gerutscht als von Analysten erwartet. Der Umsatz sank etwas stärker als prognostiziert. Zwischen Januar und März habe der Verlust 114 Millionen Euro nach einem Gewinn von 142 Millionen Euro im Vorquartal betragen, teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit. Experten hatten im Durchschnitt mit einem Fehlbetrag in Höhe von 24 Millionen Euro gerechnet.

Der Umsatz sank im Quartalsvergleich um zwölf Prozent auf 1,606 (Prognose: 1,62) Milliarden Euro. Ohne die im ersten Quartal verbuchen einmaligen Lizenzeinnahmen in Höhe von 118 Millionen Euro habe der Umsatzrückgang fünf Prozent betragen. In der Chipbranche ist der Vergleich zum Vorquartal wegen der stark volatilen Preise aussagekräftiger als der zum Vorjahr.

"Nachfrage wird kaum steigen"

Vor Steuern und Zinsen (Ebit) habe sich der Verlust im zweiten Quartal auf 117 Millionen Euro nach einem Ebit-Gewinn von 211 Millionen Euro im ersten Abschnitt des bis Ende September 2005 laufenden Geschäftsjahres belaufen. Die Analystenprognose lag hier bei einem Minus von 34,5 Millionen Euro. Das Ebit im zweiten Quartal sei durch Nettokosten von 74 Millionen Euro, vor allem durch Maßnahmen für die Reorganisation im Segment Kommunikation, negativ beeinflusst.

Infineon erwartet im dritten Quartal des Geschäftsjahres "keine wesentliche Nachfragesteigerung". "Das Unternehmen geht davon aus, dass der Preisdruck weiter anhalten wird, insbesondere bei Chipkarten-ICs, Speicherprodukten und Produkten für Mobiltelefone. Ein Wachstum in Stückzahlvolumen, speziell bei den Speicherprodukten, dürfte jedoch die Auswirkungen des Preisdrucks auf den Umsatz und das operative Ergebnis teilweise ausgleichen", hieß es. Die Kosten für die Schließung des Werks München seien wegen des frühen Zeitpunkts der Verhandlungen mit dem Betriebsrat noch nicht bezifferbar.

Ergebnisse der einzelnen Sparten

Umsatz-Zusächse nur in einer Sparte

Umsatzzuwächse verzeichnete im zweiten Quartal nur die Sparte Automobil-, Industrieelektronik und Multimarket. Hier legte der Erlös im Quartalsvergleich ein Prozent auf 634 Millionen Euro zu. Die Sparte setze damit mehr um als das sonst meist umsatzträchtigste Segment Speicherprodukte. Hier sank der Umsatz um 17 Prozent auf 633 Millionen Euro. Das erste Quartal wurde allerdings durch die Lizenzeinnahmen im Zusammenhang mit der Einigung mit ProMOS positiv um 118 Millionen Euro beeinflusst.

Noch deutlicher ging der Umsatz in der Sparte Kommunikation zurück. Hier sank er um ein Fünftel auf 332 Millionen Euro. Infineon-Chef Wolfgang Ziebart hatte zuletzt schon angekündigt, dass die Sparte vor allem unter dem bestimmenden Geschäft mit der Handy-Sparte des ehemaligen Mutterkonzerns Siemens  leidet. Der Bereich Kommunikation schrieb als einzige der drei operativen Sparten rote Zahlen auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (EBIT). Der Ebit-Verlust sei von 19 Millionen Euro im ersten Quartal auf 142 Millionen Euro gestiegen.

Bei den Speicherprodukten sank der Ebit-Gewinn von 196 Millionen Euro inklusive des Sondereffekts aus den Lizenzeinnahmen auf 17 Millionen Euro. In der Automobil- und Industrieelektronik und Multimarket verdiente Infineon im zweiten Quartal vor Zinsen und Steuern 36 Millionen und damit rund ein Viertel weniger als im ersten Quartal.

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