Ifo-Index Rezession light?

Der wichtigste deutsche Konjunkturindikator kann schon wieder nichts Gutes vermelden. Der Wert des Ifo-Index ist zum dritten Mal in Folge nach unten gekippt - eigentlich ein Zeichen für eine Rezession. Doch Volkswirte wiegeln ab.

München - Die deutsche Wirtschaft kommt nicht in Fahrt. Im Gegenteil: Die Stimmung in den Unternehmen des Landes hat sich im April zum dritten Mal in Folge verschlechtert, hat das Münchener Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut ermittelt.

Der Geschäftsklimaindex des Instituts sank auf 93,3 von 94 Punkten im Vormonat, wie das Ifo-Institut heute mitteilte. Die Lagekomponente des Indikators sank auf 93,1 von 93,3 Zählern, die Erwartungskomponente auf 93,6 von 94,6 Punkten. Viele Volkswirte hatten einen etwas geringeren Rückgang des Ifo-Index auf 93,6 Punkte erwartet.

Nach einer Faustregel deuten drei Rückgänge in Folge auf eine Abschwächung der Konjunkturdynamik hin, unter Umständen sogar auf eine Rezession. Das aktuelle Indikatorergebnis fällt allerdings nicht eindeutig aus.

Die aktuelle Lage beurteilten die rund 7000 befragten Unternehmen nur wenig ungünstiger als im März, die Zukunftseinschätzungen dagegen deutlich skeptischer. "Dies deutet zumindest darauf hin, dass die konjunkturelle Dynamik auch in den nächsten Monaten schwach sein wird", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Das Geschäftsklima trübte sich dem Ifo zufolge im verarbeitenden Gewerbe und im Großhandel ein. Dabei nahm die Industrie ihre "weiterhin optimistischen Erwartungen" an den Export aber nur wenig zurück. "Freundlicher entwickelte sich das Geschäftsklima im Einzelhandel und im Bauhauptgewerbe", sagte Ifo-Chef Sinn. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen seien hier weniger ungünstig als im März bewertet worden.

Trotz der erneuten Abschwächung des Gesamtindikators steht Deutschland nach Meinung von Ifo-Volkswirt Klaus Abberger nicht vor einer Rezession. "Ich denke nicht, dass es ein Abwärtstrend im klassischen Sinne ist, sondern eine Abschwächung der Dynamik, die sich in den nächsten Monaten fortsetzen dürfte", sagte Abberger. Die Binnenkonjunktur sei nach wie vor schwach, aber aus dem internationalen Umfeld dürften weiterhin Impulse kommen.

Abschwächung, aber keine Rezession

Ähnlich kommentiert Deutschen Bank-Volkswirt  Stefan Bielmeier den aktuellen Stand des prominentesten deutschen Konjunkturindikators. Der dritte Rückgang des Ifo-Geschäftsklimawertes in Folge deutet seiner Meinung nach zwar auf eine spürbare Abschwächung des Wirtschaftswachstums, eine Rezession stehe aber nicht ins Haus.

So sei für das zweite Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent zu erwarten, nach 0,5 Prozent im ersten Quartal. "Nach einem freundlichen Start in das Jahr wird sich die deutsche Wirtschaft beim Wachstum weiter an der Nullline entlang hangeln", sagte Bielmeier. Vor allem der hohe Ölpreis drücke auf die Stimmung.

Gute Chance für moderates Wachstum

Etwas optimistischer bleiben trotz des schwachen Konjunkturausblicks der Münchener Ifo-Wirtschaftsforscher die Volkswirte der HypoVereinsbank . Die Banker rechnen weiterhin "mit einem milden Wirtschaftswachstum" in Deutschland. "Das Spiel für Deutschland ist noch nicht vorbei", sagte ein Sprecher des Bankhauses. Es gebe eine "recht gute Chance" für ein moderates Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr.

An der Börse ist der Ifo-Index bisher noch wenig beachtet worden. Der Dax  bleibt im Minus, die Verluste beschleunigen sich im Schnitt aber nicht.

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