Quartalsberichte Internetboom reloaded

Die geplatzte Internetblase ist abgehakt, der Zusammenbruch der New Economy vergessen - zumindest bei den Branchenriesen. Internetfirmen wie Google, Yahoo und Ebay fahren Rekordgewinne ein, als hätte es nie eine Krise gegeben. Auch die Analysehäuser haben ihre Skepsis längst abgelegt.

Frankfurt am Main/New York - Aller Skepsis nach dem Platzen der New-Economy-Blase zum Trotz erweist sich das Internet zumindest für die Großen der Online-Branche als Goldgrube. Die drei US-Internetunternehmen Google , Yahoo  und Ebay  schlossen das abgelaufene Quartal mit Rekordergebnissen ab. An der Börse sind sie zusammen rund 150 Milliarden Dollar wert, jedes der Unternehmen einzeln wird mittlerweile wieder höher bewertet als beispielsweise DaimlerChrysler .

Google und Yahoo profitierten von rasant steigenden Online-Werbeumsätzen. "Wir haben das Wachstum im Online-Werbemarkt voll für uns ausnutzen können", sagte Google-Chef Eric Schmidt am Donnerstag bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen. Google konnte den Gewinn mit 369 Millionen Dollar nahezu versechsfachen. Der Umsatz war mit 1,256 Milliarden Dollar knapp doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Das zeige die wachsende Anerkennung des Internets als effizientes Werbemedium, kommentierte Google die Ergebnisse.

Google verdient sein Geld zum überwiegenden Teil mit Werbung, die über bestimmte Suchbegriffe am Rand der jeweiligen Trefferlisten platziert wird. Der Anstieg der Internetwerbung gleiche einer Flutwelle, sagte John Tinker, Analyst bei ThinkEquity Partners. Sie könne sich nur beschleunigen. Dabei soll Internet-Werbung bei Unternehmen nach Angaben der American Technology Research in San Francisco noch immer lediglich vier Prozent der Werbebudgets ausmachen.

Yahoo verdoppelte den Gewinn auf 205 Millionen Dollar. Der Umsatz kletterte um 55 Prozent auf 1,174 Milliarden Dollar. Als Jerry Yang und David Filo das Webportal im März 1995 gründeten, hatte es 100.000 Nutzer. Ende vergangenen Jahres waren es 345 Millionen, auch wenn Google Yahoo bei den Suchanfragen im Internet längst vom Sockel gestoßen hat.

Die Yahoo-Ergebnisse im ersten Geschäftsquartal hätten deutlich über den Erwartungen des Marktes gelegen und der Ausblick sei "stark", hieß es bei den Experten von Oppenheimer. Insgesamt reagierten die meisten Analysten positiv auf den Quartalsbericht - beispielsweise riet die CSFB angesichts des aktuell günstigen Chance/Risiko-Verhältnisses der Aktien zum Einstieg.

Piper Jaffray hat die Prognosen für Yahoo wegen der "boomenden Bereiche Werbung und Internetsuche" erhöht, wie aus einer am Mittwoch vorgelegten Studie hervorgeht. Das Unternehmen gewinne an Dynamik, habe aber gleichzeitig noch Spielraum nach oben. Zu der guten Entwicklung bei den Werbeeinnahmen und in der Suchmaschine komme die wachsend positive Wirkung des internationalen Geschäfts. Entsprechend entwickelten sich auch die Margen langsam nach oben. Die Experten haben Yahoo mit "Outperform" beim Kursziel 45 Dollar bestätigt.

Ebay-Wachstumsmarkt China

Ebay-Wachstumsmarkt China

Auch Ebay kann sich über seine Nutzerzahlen nicht beklagen. "Wir haben im ersten Quartal weltweit mehr neue Nutzer dazu bekommen als wir in unserem drittgrößten Markt, in Großbritannien, schon hatten", sagte Ebay-Finanzchef Rajiv Dutta. Am Ende des Vierteljahrs hatte Ebay 60,5 Millionen aktive Nutzer - 34 Prozent mehr als im ersten Quartal 2004. Der Gesamtwert der über Ebay abgeschlossenen Transaktionen stieg um 32 Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar. Der Quartalsumsatz des Konzerns erreichte nach einem Anstieg von 36 Prozent erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar. Den Gewinn konnte Ebay um 28 Prozent auf 256,3 Millionen Dollar steigern.

Das Deutschland-Geschäft entwickelte sich bei Ebay mit einem Umsatzwachstum von 24 Prozent allerdings schwächer als der Gesamtumsatz. Vor Wechselkurseffekten habe das Wachstum lediglich 19 Prozent betragen, räumte Dutta ein. Ebay habe bereits Schritte in die Wege geleitet, um das Wachstum in Deutschland wieder anzukurbeln, "aber es könnte ein paar Quartale dauern, bevor diese Veränderungen greifen." In China stieg die Zahl der Ebay-Nutzer derweil so stark wie in keinem anderen Land. Ebay ist dort mittlerweile das größte E-Commerce-Unternehmen.

Das Brokerhaus Legg Mason hat allerdings seine Umsatzschätzungen für Ebay zurückgenommen. Zugleich seien aber die Prognosen für den Gewinn je Aktie angehoben worden, hieß es in einer Studie am Donnerstag. Die Aktie des Internet-Auktionshauses bestätigten die Analysten mit "Buy" und das Kursziel mit 50 Dollar.

Einige Analysten richten laut Legg Mason ihren Fokus auf die Geschäftsreife in den USA und in Deutschland. "Wir erwarten aber steigende Margen im Jahr 2006 und wir rechnen damit, dass die Ebay-Aktie innerhalb von drei Jahren die Entwicklung des S&P 500 schlägt", hieß es weiter.

Jefferies & Company haben die Aktie des Internet-Auktionshauses Ebay mit "Buy" bestätigt. Das Kursziel liege unverändert bei 45 Dollar, hieß es in der Studie am Donnerstag. Der Umsatz im ersten Jahresviertel 2005 habe den Erwartungen entsprochen, der Gewinn je Aktie habe um 2 Cent über den Prognosen der Bank und der durchschnittlichen Analystenprognosen gelegen.