Hochstufung Siemens-Aktie für Merrill Lynch ein Kauf

Die Aktie von Siemens gewinnt am Freitag deutlich hinzu. Der Titel profitiert von mehreren Faktoren, vor allem von einer Kaufempfehlung durch Merrill Lynch. Die Experten halten das Papier für unterbewertet.

Frankfurt - Aktien von Siemens  haben am Freitag von mehreren positiven Faktoren profitiert. Die Papiere des Münchener Technologiekonzerns gewannen am Morgen in der Spitze bis zu 2,30 Prozent auf 59,22 Euro, gaben bis Mittag aber einen Teil ihrer Gewinne wieder ab.

Händler verwiesen in diesem Zusammenhang auf einen positiven Kommentar von Merrill Lynch. Die Analysten der US-Bank hatten das Papier aus Bewertungsgründen von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Zudem habe Ericsson  wie schon Nokia  am Vortag gute Zahlen vorgelegt. Damit habe sich die Stimmung für die Aktien der Handyhersteller und für Technologiewerte allgemein zuletzt wieder gebessert, sagte ein Frankfurter Aktienhändler.

Die Analysten von Merrill Lynch begründeten die Hochstufung am Freitag mit der jüngst schwachen Aktienkursentwicklung wegen des fehlenden Fortschritts der Münchener, Siemens in eine aktionärsfreundlichere Gesellschaft umzuwandeln. "Die Mischung aus einem niedrigeren Aktienkurs und keiner deutlichen Verschlechterung der fundamentalen Daten ist Grund für die Hochstufung." Die Experten führten zudem ein 12-Monats-Preisziel von 71 Euro für die im Dax  notierte Aktie ein.

Ende vergangenen Jahres hätten der damals anstehende Wechsel an der Konzernspitze, Umstrukturierungen bei Siemens sowie Arbeitsmarktreformen bei Anlegern Begeisterung hervorgerufen. Heinrich von Pierer hatte Ende Januar den Chefsessel für Klaus Kleinfeld geräumt. Dieser Enthusiasmus sei inzwischen deutlich gedämpfter.

Die Analysten halten es aber für unwahrscheinlich, dass sich die Siemens-Nachrichtenlage verschlechtern werde. Jegliche Verbesserungen hinsichtlich Restrukturierung und Kapitalumschichtung sollte vielmehr den Aktienkurs stützen. Das Investmenthaus sehe bei Siemens unverändert enormes Restrukturierungspotenzial, schrieben die Analysten weiter.

Gewinnziel für 2004/2005 reduziert

Merrill Lynch betonte, die Hochstufung sei nicht im Zusammenhang mit dem am nächsten Mittwoch anstehenden Ergebnissen für das zweite Geschäftsquartal (Ende März) von Siemens zu sehen. Die Zahlen für das zweite Fiskalquartal dürften nach Einschätzung der Experten schwach ausfallen. Sie senkten ihre Prognose für die Gewinnschätzung 2004/05 um sieben Prozent auf 4,18 Euro (ohne eventuelle Umstrukturierungskosten).

Gründe für das gekappte Merrill-Lynch-Ziel seien die Ergebnisrückgänge in den Konzernbereichen Communications und Siemens Business Services (SBS). Der neue größte Bereich Com mit dem defizitären Handygeschäft wird derzeit umstrukturiert. Ob der IT-Dienstleister SBS im Konzern verbleibe, sei ungewiss, ebenso die Zukunft des Handygeschäfts. IBM  meldete laut den Experten eine Schwäche auf dem deutschen Markt, was auch der Konkurrenten SBS gespürt haben dürfte. Zudem hätten sowohl die Handyhersteller und Siemens-Wettbewerber Samsung  und Sony-Ericsson enttäuscht.

Siemens VDO: Werksverlagerung nach Tschechien

Unterdessen wurde bekannt, das die Planungen zur Verlagerung des Werks von Siemens VDO in Würzburg nach Tschechien weiter sein sollen, als Siemens bislang eingeräumt hat. Das Unternehmen wolle bereits von Mitte 2006 an im tschechischen Ostrava produzieren, berichtete die Tageszeitung "Die Welt" (Freitagausgabe). Die entsprechenden Genehmigungsverfahren für den Bau seien bereits bei den tschechischen Behörden eingeleitet.

Für den Fall einer Teilverlagerung der Produktion rechnet Siemens mit einem einmaligen Aufwand von 28,8 Millionen Euro, dem Einsparungen von 38,1 Millionen Euro gegenüberstehen. Bis Mitte 2009 soll sich dabei die Mitarbeiterzahl von derzeit 1564 auf 814 verringern. Ein Siemens-Sprecher sagte dem Blatt zufolge, es sei geplant, die meisten Mitarbeiter in Würzburg weiter zu beschäftigen. Dies sei aber nur möglich, wenn die Belegschaft flexibel sei.