WCM Steuerstreit blockiert Fusion

Der ungewisse Ausgang von Klagen und ein Steuerstreit lassen derzeit keine zuverlässige Bewertung von WCM zu. Die Fusion der Beteiligungsgesellschaft mit ihrer Tochter Klöckner-Werke zu einem Maschinenbaukonzern findet in diesem Jahr deshalb nicht statt.

Frankfurt - Ein Steuerstreit und Klagen blockieren den geplanten Umbau der Beteiligungsgesellschaft WCM  zum Maschinenbaukonzern. Nach tiefroten Zahlen 2004 will das Unternehmen im laufenden Jahr zumindest vor Steuern die Verlustzone verlassen.

An der Verschmelzung mit der Maschinenbau-Tochter Klöckner-Werke hält die WCM trotz der Hindernisse zwar grundsätzlich fest, einen Zeitplan konnte WCM-Chef Roland Flach am Donnerstag in Frankfurt nicht nennen. In diesem Jahr werde die Verschmelzung aber nicht mehr zu Stande kommen. Ohne die Klärung der Rechtsfragen und des Streits mit den Behörden über Steuernachzahlungen sei eine zuverlässige Unternehmensbewertung nicht möglich, sagte Flach.

In dem Steuerstreit geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag, den das Finanzamt fordert. "Die geplante rechtliche Zusammenführung wird deshalb bis zur Klärung der angesprochenen Unsicherheiten verschoben."

Der Bundesfinanzhof dränge in dem Streit inzwischen auf eine Klärung durch das Bundesverfassungsgericht. Er hoffe auf eine endgültige Lösung in diesem oder im nächsten Jahr, sagte Flach. Die Aktie von WCM  gab bis Donnerstagnachmittag rund 7 Prozent auf 0,82 Euro nach.

Weitere Verkäufe zur Sanierung geplant

Die verbliebenen Finanzbeteiligungen, wie etwa RSE Grundbesitz oder Maternus-Kliniken, würden binnen 24 Monaten verkauft. Die geplante Abtrennungen könnten allerdings das Ergebnis 2005 belasten. "Wir gehen im Moment davon aus, dass diese Verkäufe die Buchwerte zumindest treffen - eine Garantie hierfür gibt es nicht", sagte Flach. Verhandlungen für die wichtigsten betroffenen Gesellschaften liefen bereits.

WCM peilt Milliardenumsatz an

WCM strebe für 2005 nach dem IFRS-Bilanzierungsstandard ein ausgeglichenes Ergebnis im gewöhnlichen Geschäft an, sagte Flach weiter. Eine Vergleichszahl dazu nannte die im MDax  notierte, bislang nach HGB bilanzierende Gesellschaft nicht. Der Umsatz soll im laufenden Jahr nach IFRS um rund 80 Millionen auf knapp eine Milliarde Euro klettern.

Im Dezember hatte WCM die Strategie eines Immobilien- und Beteiligungskonzerns ad acta gelegt und die Verschmelzung mit Klöckner angekündigt. Damit wird das Unternehmen praktisch zum Maschinenbaukonzern. Zu Klöckner-Werke gehört unter anderem die KHS-Gruppe, weltweit die Nummer zwei bei Abfüll- und Verpackungsanlagen. Seine 31.000 Wohnimmobilien hat das einst hoch verschuldete Unternehmen für knapp 1,4 Milliarden Euro an den US-Investor Blackstone verkauft.

Dabei entstandene Buchverluste sorgten mit dafür, dass WCM 2004 mit 109,0 (2003: 306,7) Millionen Euro einen deutlich höheren Verlust als angekündigt ausweisen musste. Vor Steuern belief sich der Fehlbetrag nach den endgültigen Zahlen auf 82,0 (286,5) Millionen Euro. Den Umsatz 2004 bezifferte WCM auf 814,2 (902,2) Millionen Euro.

Erneuter Anlauf für Beschluss über Kapitalerhöhung

Nachdem der Vorstand 2004 damit gescheitert war, will sich WCM von den Aktionären auch auf der Hauptversammlung 2005 die Ausgabe von gut 144 Millionen Aktien genehmigen lassen. Flach stellte klar, es gehe nur um einen Vorratsbeschluss: "Es handelt sich noch um keine konkrete Kapitalmaßnahme." Ende 2004 wies die WCM eine Eigenkapitalquote von 18 (Vorjahr 14) Prozent aus.