General Motors Höchster Verlust seit 13 Jahren

Der weltgrößte Autohersteller hat im ersten Quartal einen Milliardenverlust verzeichnet. Absatzprobleme, Rabattschlacht, hohe Pensionslasten - General Motors steckt tief in der Krise. Trotz Sanierungsbemühungen verharrt auch das Europa-Geschäft weiter in den roten Zahlen.

Detroit - Der amerikanische Autobauer General Motors  (GM) ist im ersten Geschäftsquartal bei sinkenden Umsätzen tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzern übertraf aber die eigene Prognose und die Schätzung der Analysten leicht. Deutsche Autowerte sind nach den Zahlen von General Motors aus den USA zumeist ins Minus gerutscht.

Wie der weltweit größte Autohersteller am Dienstag in Detroit mitteilte, wurde aus einem Gewinn je Aktie von 2,12 Dollar im Vorjahr nun ein Verlust vor Sonderposten von 1,48 Dollar. GM selbst hatte ein Minus von 1,50 Dollar vorausgesagt, Analysten waren im Durchschnitt von minus 1,49 Dollar ausgegangen.

Während es im Vorjahr noch einen Nettogewinn von 1,2 Milliarden Dollar gegeben hatte, wies GM nun einen Verlust von 839 Millionen Dollar aus. Damit verzeichnete das Unternehmen den höchsten Verlust seit 1992, als das Unternehmen kurz vor dem Zusammenbruch stand. Dabei setzte General Motors 45,8 Milliarden Dollar um, 4,3 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

GM-Chef Richard Wagoner bezeichnete die Ergebnisse von GM Nordamerika als klar enttäuschend. Der Verlust der Kernsparte Automobile lag bei 1,98 Milliarden Dollar. Dabei betrug das Minus in Nordamerika allein 1,56 Milliarden Dollar.

Nach Sonderposten ergab sich ein Verlust von 1,1 Milliarden Dollar oder 1,95 Dollar je Aktie. Darin enthalten waren unter anderem Belastungen aus der Umorganisation und dem Stellenabbau in Europa. Insgesamt habe sich im ersten Quartal ein negativer Effekt in Höhe von 265 Millionen Dollar oder 0,47 Dollar je Aktie ergeben.

GM tief in der Krise

GM tief in der Krise - Kein Ausblick auf Gesamtjahr

Nach der Bekanntabe der GM-Zahlen gaben deutsche Autoaktien nach. DaimlerChrysler  büßten ihre Kursgewinne vom Mittag ein und verloren zuletzt 0,03 Prozent auf 30,51 Euro, Volkswagen  gaben 0,54 Prozent auf 33,05 Euro ab.

Der Autobauer steckt derzeit tief in der Krise. Neben dem Umbau des Europageschäfts, Absatzproblemen und Belastungen durch hohe Rabatte machen die stetig steigenden Gesundheitskosten und Pensionsverpflichtungen dem Konzern schwer zu schaffen. Vor allem wegen der dramatisch gestiegenen Gesundheitskosten gab der Konzern jetzt keinen Ausblick mehr auf das Gesamtjahr.

Anfang des Jahres hatte das Unternehmen die Märkte noch mit einer Gewinnwarnung geschockt. Damals hatte es geheißen, der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft werde voraussichtlich von 6,40 im Jahr 2004 auf 4 bis 5 Dollar in 2005 sinken.

Wegen der gestiegenen Gesundheits- und Pensionskosten hatte Konzernchef Rick Wagoner erst vor kurzem ein Entgegenkommen der Gewerkschaften gefordert. Früheren Äußerungen zufolge rechnet GM bereits mit einem Anstieg der Gesundheitskosten und Pensionsverpflichtungen auf 5,6 Milliarden Dollar, 400 Millionen mehr als noch 2004. Damit entfallen bei General Motors auf jedes gebaute Auto umgerechnet 1600 Dollar nur für Gesundheitskosten und Pensionsverpflichtungen.

Opel "auf dem richtigen Weg" - Europageschäft weiter schwach

Europageschäft trotz Sanierung in der Verlustzone

Das Europageschäft von General Motors mit der Hauptmarke Opel verharrt trotz Sanierungsbemühungen in den roten Zahlen. Im ersten Quartal summierten sich die Verluste bei Opel/Vauxhall, Saab und Chevrolet auf 103 Millionen Dollar (79,1 Millionen Euro), wie GM am Dienstag weiter mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte der Fehlbetrag bei 116 Millionen Dollar gelegen. Der Umsatz in Europa erhöhte sich auf acht (Vorjahr: 7,5) Milliarden Dollar.

Zur Bilanz von Opel/Vauxhall, der mit einem Umsatzanteil von 80 Prozent größten europäischen Tochter von GM, werden seit Jahren keine Angaben gemacht. Der Mutterkonzern hält ein gesondertes Ergebnis der Adam Opel AG (Rüsselsheim), das sich nur auf Deutschland beziehen würde, für nicht aussagekräftig. Nach Medienberichten lag der operative Verlust von Opel 2004 bei rund 550 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte er 384 Millionen Euro Verlust betragen.

GM-Konzernchef Wagoner zeigte sich über die besser werdende Ausrichtung in Europa erfreut. Die Region weise bei den Marktanteilen die höchsten Quartals-Zuwachsraten seit sechs Jahren auf. Dennoch bleibe noch viel zu tun, um GM Europe wieder in die Gewinnzone zu bringen. Opel-Sprecher Ulrich Weber sagte der: "Das Gesamtbild zeigt, dass wir bei Opel auf dem richtigen Weg sind."

Mit einem massiven Stellenabbau und einer besseren Auslastung soll Opel wieder in die schwarzen Zahlen fahren. Opel-Betriebsrat und der Mutterkonzern GM hatten sich in monatelangen Verhandlungen auf einen "Zukunftsvertrag 2010" zur Rettung der Standorte Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern geeinigt. Darin werden betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2010 ausgeschlossen. Im Gegenzug nehmen die Opel-Mitarbeiter Nullrunden und Lohneinbußen in Kauf. Opel baut bis 2007 insgesamt 9000 Stellen ab und damit jeden dritten Arbeitsplatz.

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