Betrugsskandal Anklagen gegen US-Börsenmakler

Aufruhr an der Wall Street: Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht in New York haben 20 Kursmakler angeklagt. Sie sollen jahrelang in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Nun drohen ihnen Haftstrafen. Der Börsenbetreiber muss 20 Millionen Dollar zahlen - und will künftig bei der Handelsüberwachung durchgreifen.

New York - Die Wall Street erlebt einen neuen Skandal. Die New Yorker Bezirksstaatsanwaltschaft wirft 15 ehemaligen und aktiven Kursmaklern der New Yorker Börse (Nyse) Wertpapierbetrug vor. Die Kursmakler sollen über einen Zeitraum von vier Jahren ihre Kunden zu Gunsten ihrer Arbeitgeber benachteiligt haben, teilten die Ermittler mit. Bei Verurteilung drohen in einigen Fällen bis zu 20 Jahre Haft und hohe Geldstrafen.

Gegen die 15 Beschuldigten sowie weitere fünf Börsenhändler leitete die Börsenaufsicht SEC zusätzlich Zivilverfahren ein. Außerdem verpflichtete sie die Nyse zu einer Zahlung von 20 Millionen Dollar. Die Börse habe es vier Jahre lang versäumt, ihre Kursmakler zu kontrollieren, so der Vorwurf.

Der Handel mit 20 Nyse-Werten soll nun in den kommenden 18 Monaten optisch und akustisch überwacht werden. Nach dieser Testphase will die Börse entscheiden, ob sie die Überwachung auf den gesamten Handel ausdehnt.

Die Kursmakler bilden das Rückgrat des Parketthandels am wichtigsten Finanzplatz der Welt. Sie sollen das scheinbare Chaos des Handels ordnen, indem sie Kauf- und Verkaufsaufträge für die von ihnen betreuten Aktien abgleichen und gegebenenfalls selbst Aktien kaufen oder verkaufen. Selbst handeln dürfen sie aber nur, wenn sich Angebot und Nachfrage nicht in ausreichendem Maße treffen. Schon vor mehreren Jahren kam der Verdacht auf, dass sich die Makler häufiger einmischten als erlaubt.

Staatsanwaltschaft und SEC ermitteln deshalb auch wegen des Vorwurfs so genannten "Front Runnings". Darunter versteht man Transaktionen die die Makler auf eigene Rechnung tätigen, bevor sie die Aufträge ihrer Kunden berücksichtigen. Aus Sicht der Ermittler erfüllt dies den Tatbestand des Betrugs. Nach der Definition der SEC ist "Front Running" zu unterstellen, wenn Orders länger als 10 Sekunden stehen gelassen werden.

"Es war die Pflicht der Makler, den Handel fair abzuwickeln und die Interessen ihrer Kunden vor ihre eigenen zu stellen", sagte Bezirksstaatsanwalt David Kelley. Zu den Beschuldigten zählen Mitarbeiter von Fleet Specialists (Bank of America), Van der Moolen Specialists USA (Van der Moolen Holding), Bear Wagner (Bear Stearns), LaBranche und Spear, Leeds & Kellog Specialists (Goldman Sachs).

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